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Sofort vergeben: Bürgers „Lenore“

Bedrohte Bücher-Schätze, Folge 1 Sofort vergeben: Bürgers „Lenore“

Kupferfraß und Schimmelpilz sind die ärgsten Feinde: Sie zerstören mit der Zeit jedes Buch, wenn sie nicht beseitigt werden. In der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) in Göttingen lagern im historischen Gebäude in der Innenstadt viele alte, wertvolle Bücher. Nicht alle sind in einem guten Zustand. 

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Nicht auf Rosen gebettet: Broschüren zur Aktion vor einem Blatt aus  „Les Roses“ von Redouté.

Quelle: Hinzmann

Manche haben Kupferfraß und Schimmelpilz, andere sind beschädigt durch Wasserschäden, unsachgemäße Bindung oder ihnen sind die Spuren langjähriger Benutzung anzusehen. Weil das SUB-Budget nicht ausreicht, um alle Bücher zu restaurieren, helfen dabei seit Ende Januar Paten. Für die „Aktion Buchpatenschaft“ hatte Bibliothekar Dr. Helmut Rohlfing eine 15 Objekte umfassende „Liste der bedrohten Schätze“ erstellt. Inzwischen ist sie auf 59 Titel angewachsen.

Gleich nach Bekanntwerden der Aktion und dem Beitrag im Tageblatt meldeten sich die ersten Interessenten schon am frühen Morgen, berichtet Dr. Silke Glitsch vom SUB-Referat für Öffentlichkeitsarbeit. „Lenore“, die Ballade von Gottfried August Bürger in einer Papierhandschrift von 1773, war das erste Buch, das sofort eine Patin fand. Gleich acht Interessenten gab es für das mathematische Tagebuch von Carl Friedrich Gauß mit seinen Aufzeichnungen aus den Jahren 1796 bis 1814. 

Für diese und weitere Buchpatenschaften hat die SUB bereits 11 000 Euro eingenommen und rechnet mit 30 000 Euro von zwölf registrierten Interessenten. Die ersten Bücher sind bereits in Restauratoren-Werkstätten.

Angebot steigt mit Nachfrage

Die Übernahme einer Patenschaft bedeutet die Kostenübernahme für die Restaurierung im Wert von 250 bis 10 000 Euro. Die Summe, nach Prüfung eines jeden Buches durch die Restauratoren der SUB festgelegt, richtet sich nach der Schwere der Schäden. Dafür weist im restaurierten Buch ein Exlibris auf den Spender der Restaurierung hin, kann der Name auf der SUB-Homepage genannt werden und „darf jeder Spender sein Buch später gerne in Händen haben“, sagt Glitsch. 

Rohlfing, Leiter der SUB-Abteilung Spezialsammlungen und Bestandserhaltung, erklärt die Motivation, eine Buchpatenschaft so: „Wir hören immer wieder, dass sich die Interessenten in der Bibliothek und an der Universität wohlgefühlt haben.“ Und er ist optimistisch, dass sich für das Projekt genügend Interessenten finden. Steigt die Nachfrage, kann das Angebot mithalten: 800 Bücher sind es, denen eine Restauration mehr als guttun würde. Sie haben deformierte Buchblöcke, gelöste oder fehlende Buchdeckel, eingerissene Blätter, stark verschmutzte Illustrationen, Kupferfraß und Schimmelpilz. 

Von Angela Brünjes

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