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Berggasthof steht 1982 zur Zwangsversteigerung

Die Geschichte des Gaußturms, Folge 9 Berggasthof steht 1982 zur Zwangsversteigerung

Der Gaußturm wird in den kommenden Monaten saniert. In einer Serie stellt das Tageblatt das touristische Wahrzeichen der Region und seine Geschichte vor.

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Lagerfeuerromantik auf dem Hohen Hagen: Schüler erinnern sich später gerne an ihre Aufenthalte im Schullandheim.

Quelle: EF

Einst war der Berggasthof zu Füßen des Gaußturms ein beliebtes Ausflugsziel. Nach dem Einsturz des alten Turms 1963 und der Abfindung des Wirtsehepaars Bühre im Jahr darauf, ging es mit dem Lokal abwärts. Im Februar 1982 stand das Fachwerkgebäude zur Zwangsversteigerung. Im Amtsgericht lernten sich Vertreter von drei Vereinen kennen, die unabhängig voneinander auf der Suche nach einer Immobilie waren: die Schulfördervereine des Otto-Hahn-Gymnasiums und der Integrierten Gesamtschule Göttingen sowie der Verein für außerschulische Bildung aus Groß Schneen. Spontan entschlossen sie sich, das Gebäude gemeinsam zu übernehmen, erzählt Sprecher Reinhard Kalbow. Mit viel Idealismus richteten die neuen Eigentümer den Gasthof für ihre Zwecke als Schullandheim und Bildungsstätte her. Die Gruppe aus Groß Schneen bezog die Wohnung unterm Dach und übernahm in den ersten Jahren die Aufgaben eines Hausmeisters. Außerschulische Bildung umfasst unter anderem Seminare zu den Gefahren von Atomkraftwerken und den Chancen regenerativer Energien. Es gibt Veranstaltungen zur Lokalgeschichte: zum Dritten Reich und zum Bauernkrieg.

Theater- und Zirkusgruppen

Die IGS veranstaltet unter der Woche im Haus Hoher Hagen Intensivunterricht in Fächern wie Englisch oder Mathematik. Theater- und Zirkusgruppen üben dort vor Auftritten. Es gibt Projekte zur Aids- und zur Drogenprävention. Das Otto-Hahn-Gymnasium nutzt das Gebäude an Wochenenden und im Herbst für Klassenfahrten.

Die drei Vereine vermieten ihr Heim zudem an Dritte. „Das ist nicht für jeden etwas“, meint Kalbow. Es gibt nur Schlafsäle. Das Essen müssen sich die Gäste selbst zubereiten. Musikgruppen wie das Schalmeienorchester der Werksfeuerwehr der Salzgitter-Werke kommen, weil sie auf dem Hohen Hagen so laut üben können, wie sie wollen. Die Umweltorganisation Robin Hood trainiert Kletterer. Andere Gäste bauen Schwitzhütten oder erproben im Steinbruch das Leben als Neandertaler. 

Durch eigene und fremde Nutzung kommt das Haus auf eine Auslastung von 75 Prozent. „Für ein Schullandheim ist das ein guter Wert“, meint Kalbow. Viel Geld kostet die Unterhaltung des Gebäudes. Seit den 90er Jahren bemühen sich die Betreiber um eine professionelle Ausstattung. „Die Ansprüche der Menschen sind gestiegen“, kommentiert Hausmeister Philippe Paludetto. Derzeit wird die Küche auf Vordermann gebracht. Sie soll komplett in Edelstahl ausgeführt sein. Alle Holzschränke müssen raus. 

                                                                                                                       Von Michael Caspar

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