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Manchmal besuchen Pilger den Hägerhof

Die Geschichte des Gaußturms, Folge 23 Manchmal besuchen Pilger den Hägerhof

Der Gaußturm ist saniert. Das Tageblatt stellt das touristische Wahrzeichen der Region und seine Umgebung in einer Serie vor.

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Herrschaftlicher Zuschnitt: Das Hauptgebäude des Hägerhofs bildet mit den Nebengebäuden eine U-Form.

Quelle: Christina Hinzmann

Am Nordosthang des Hohen Hagens befand sich einst die mittelalterliche Siedlung Hoya, wo bereits 1519/20 niemand mehr lebte. Ende des 18. Jahrhunderts entstand dort der Hägerhof, der über einen herrschaftlichen Zuschnitt verfügt. „Als mein Mann und ich den Hof 1981 von Freiherr Rüdiger Grote kauften, war er heruntergekommen“, erinnert sich Christiane Kinkeldei-Mai. Massive Deckenbalken waren durchgebrochen. Der Pächter, der auf dem Hof zuvor Landwirtschaft betrieben hatte, besaß eine Hochdruckpresse für das Stroh. Beim Beladen des Heubodens hatte er nicht bedacht, dass sich das Gewicht der Ballen durch das Pressen vervielfachte. 

„Wir mussten das Gebäude neue gründen und eine neue Decke einziehen“, erzählt Holger Mai. Das ganze Ausmaß des Sanierungsbedarfs wurde den neuen Eigentümern erst im Laufe der Jahre bewusst. „Neu bauen wäre billiger gewesen“, meint er rückblickend. Die Arbeiten wurden durch die Lage des Hofs außerhalb einer geschlossenen Ortschaft erschwert. Im sogenannten Außenbereich unterliegt jede Veränderung strengen Regeln. Wegen seiner U-Form steht der Hof zudem unter Ensembleschutz. Ein 150 Meter langer Wall, der früher das Wasser des Hägergrabens staute, ist als Kulturdenkmal eingestuft. Es gibt alte Gerberteiche und einen alten Schafstall. „Die Denkmalpflege hat uns immer unterstützt“, betont Kinkeldei-Mai.

Als das Ehepaar 1981 einzog, verfügte der Hof nur über ein Plumpsklo und keinen eigenen Brunnen. Die neuen Eigentümer legten eine biologische Kläranlage mit Schilfbeet an. Ein Brunnen wurde gebohrt. „Die Nitratwerte sind niedrig. Es gibt keine Probleme mit Kolibakterien“, hebt Kinkeldei-Mai hervor. Mit solchen Problemen haben Nachbarorte zu kämpfen gehabt. Die Versorgung mit Strom stellte eine Überlandleitung sicher, die allerdings immer mal wieder ausfiel.  Mittlerweile sind die Kabel unterirdisch verlegt. 

Der Hof liegt einsam. Manchmal schauen Wanderer vorbei, die auf dem Pilgerpfad Loccum-Volkenroda oder auf dem Europäischen Wanderweg von Kopenhagen nach Genua unterwegs sind. „Im Winter schneit man hier oben gut ein“, meint Ernst Achilles-Wengel, der als Mieter auf dem Hägerhof wohnt. Glatteis auf der Landstraße 559 führt immer wieder zu Unfällen. 

Auch sonst unterschätzen Autofahrer die Tücken der Straße. Vor allem seit die Kurve im Bereich des Hägerhofs entschärft wurde, halten sich viele nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkung von 70 Stundenkilometern. „Wir hatten hier schon oft den Rettungshubschrauber und die Feuerwehr, die jemanden aus seinem Autowrack herausschneiden musste“, kommentiert Kinkeldei-Mai.

In der Nacht der Grenzöffnung vom 9. auf den 10. November 1989 landeten ein Trabant und ein Wartburg im Straßengraben. Zwei Erfurter hatten in Meensen einen Verwandten besuchen wollen, den Puppenspieler Michael Staemmler. Achilles-Wengel erinnert sich, wie sie mit den beiden am nächsten Morgen am Kaffeetisch stundenlang die weltpolitische Lage erörtert haben. 

Kornkreise

Außerirdische besuchten im Juni 2007 ein Gerstefeld in der Nähe des Hägerhofs und hinterließen dort Kornkreise. Das vermuten jedenfalls Grenzwissenschaftler. Auf der Internetseite des Forums für Grenzwissenschaften und Kornkreise werden die Ringe, um die sich Sichelelementen legten, untersucht. Sie waren sogar vom Gaußturm aus zu sehen. Eine andere Attraktion sind die Versteinerungen und alten Tonscherben, die sich auf den Äckern beim Hägerhof finden. 

An den letzten Landwirt auf dem Hägerhof, Heinrich Gutheil, kann sich Jühndes ehemaliger Bürgermeister August Brandenburg (78) gut erinnern. Er war mit dem ältesten Sohn des Bauern befreundet und durfte zum Schlachteessen kommen. „Heinrich Gutheil war ein liebenswürdiger Kerl“, sagt Brandenburg. Der Bauer bewirtschaftete den Hof, der keine großen Erträge abwarf, über Jahrzehnte. Er zog dort mit seiner Frau drei Kinder groß. Als er sich zur Ruhe setzte, siedelte er nach Dransfeld über. 

                                                                                                          Von Michael Caspar

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