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Zahlreiche Quellen entspringen am Hohen Hagen

Die Geschichte des Gaußturms, Folge 24 Zahlreiche Quellen entspringen am Hohen Hagen

Der Gaußturm ist saniert. In einer Serie stellt das Tageblatt das touristische Wahrzeichen der Region und seine Umgebung vor. Dies ist die letzte Folge. Die Serie erscheint im Frühjahr als Broschüre. 

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Der großflächige Erlquellwald mit Bächen und Tümpeln: Die Ellernquellen südlich des Dransfelder Campingplatzes.

Quelle: Theodoro da Silva

Zahlreiche Quellen entspringen rund um den Hohen Hagen. Bei manchen rieselt das Wasser nur und bildet einen Quellsumpf. Bei anderen strömt es mächtig als Quellbach oder kleiner Wasserfall aus dem Boden heraus. Viele der Quellen fallen im Sommer trocken. Ein Wanderpfad, den Diplom-Ingenieur Stefan Steinmetz ausgearbeitet hat, erschließt einige. 

Steinmetz hat 2003 im Auftrag der Samtgemeinde Dransfeld das Gebiet hydrogeologisch kartiert. Das wiederholte Auftreten von Kolibakterien in der Schedener Trinkwasserquelle Großer Spring hatte die Samtgemeinde gezwungen, ihre Wasserversorgung zu überdenken. Der Pfad wurde schließlich für 11000 Euro mit Unterstützung der Europäischen Union verwirklicht.

Einige der vielen Quellen rund um den Gaußturm sind im Folgenden aufgeführt. 

Auschnippe: Der bedeutendste Bach, der im Bereich des Hohen Hagen entspringt, ist die Auschnippe. Er speist sich aus einer Reihe von Quellen, die am Nordwesthang des Hengelsbergs (463 Meter) sowie am Westhang des Brunsberges (480 Meter) entspringen. Im Oberlauf bildet der Bach einen Auwald mit Erlen und Eschen. Dort gibt es Nasswiesen mit Hochstauden. 

Die Auschnippe fließt dann weiter Richtung Dransfeld durch Weide- und Ackerlandschaft. Ein Stück weit verläuft sie parallel zum Wirtschaftsweg Lange Trift. Dort wurde früher das Vieh aus der Stadt zur Weide in den Wald getrieben. Die lange Straße verläuft fast schnurgrade. Die begradigte Auschnippe ähnelt in diesem Bereich einem Graben. Teilweise ist sie sogar verrohrt. 

Vom Friedrich-Schrader-Weg aus, der auf dem Rücken des Brunsbergs parallel zur Langen Trift verläuft, bietet sich ein schöner Ausblick auf das Tal. Der Bach passiert Dransfeld und mündet westlich von Adelebsen in die Schwülme. Die wiederum fließt bei Lippoldsberg in die Weser. 

Ellernquellen: Südlich des Campingplatzes führt der Friedrich-Schrader-Weg an einem großflächigen Erlenquellwald vorbei. Über ein paar Stufen geht es hinunter zu einem ehemaligen Trimmpfad, der das Gebiet erschließt. Das Quellwasser bildet Tümpel und Bäche, die sich westlich des Campingplatzes in die Auschnippe ergießen.

Großer Spring: Die Quelle entspringt auf dem Springberg, einem Hügel an der alten Poststraße zwischen Oberscheden und Jühnde. Sie speist zusammen mit dem Kleinen Spring (siehe unten) den Dorfbach, der früher einmal sieben Mühlen antrieb. Als die Schedener 1904 eine Wasserleitung erhielten, wurde die Quelle überbaut. Vor wenigen Jahren wurde sie aufgegeben, weil immer wieder oberflächennahes Sickerwasser die Quelle mit Kolibakterien verunreinigte.  

Der Große Spring führt ganzjährig Wasser. Es stammt aus einer riesigen unterirdischen Muschelkalkmulde, die zwischen dem Steinberg im Süden und dem Hohen Hagen im Norden liegt. Das Wasser kann nicht nach unten ablaufen, da dort Tonschichten des Oberen Buntsandsteins folgen. Es staut sich daher wie in einer Wanne an. An manchen Stellen, etwa am Großen und Kleinen Spring, läuft sie über. 

Das Muschelkalkwasser schmeckt erdig. 

Heiliger Born (auch Hilligenborn): Südlich des Hohen Hagen auf halber Strecke zwischen Jühnde und Oberscheden befindet sich eine Wiese, auf der der Heilige Born entspringt. Das Wasser wird heute abgeleitet und tritt am Waldrand aus einer Einfassung mit Kupferrohr aus. Der Göttinger Chronist Franciscus Lubecus berichtet, dass nach Pfingsten 1556 die Heilkraft der Quelle entdeckt worden ist. Der Platz entwickelte sich zu einer Art Wallfahrtsort, wo Kranke teilweise wochenlang in Zelten lebten. Die Menschen tranken das Wasser oder füllten es zum Baden in Zuber. Das Einzugsgebiet reichte laut Lubecus bis Hessen, Thüringen, Westfalen und Franken. Lakonisch erklärt der Chronist: „Etzlichen half es, die gingen wieder heim, ließen die Kranken liegen. Anderen half es gar nicht.” Göttinger kamen damals zum Born, um das Wasser in Flaschen abzufüllen. Heimatforscher Joachim Jünemann schreibt in seiner 1960 erschienenen Jühnder Ortschronik, dass der Ruhm der Quelle nach dem Dreißigjährigen Krieg erloschen ist. Das Jühnder Schloss hat bis Anfang des 19. Jahrhunderts seinen Wasserbedarf aus der Quelle gedeckt. Durch den Bau von Abzugsgräben im Jahr 1914 versiegte die Quelle fast. Der kleine Bach, der heute dort entspringt, versickert nach wenigen Metern im unterirdisch zerklüfteten Muschelkalkboden. Im Wasser kann der Wanderer kleine Holzstücke entdecken, um die sich Kalk abgelagert hat. Auf diese Weise bilden sich kleine Steinchen, sogenannte Kalk-Konkretionen.  

Das Muschelkalkwasser schmeckt frisch und schwach erdig. 

Hoher Hagen: An den Hängen des Hohen Hagens liegen über dem Mittleren und Oberen Muschelkalk Sande aus dem Erdzeitalter des Tertiär. Sie führen Grundwasser, das in zahlreichen Quellen austritt. Im westlichen Bereich des Hohen Hagens speisen sie einen Bach, der ein tief eingeschnittenes Kerbtal gebildet hat. Parallel dazu verläuft ein Waldweg mit starker Steigung. Er bietet eine gute Sicht.  

Hungerbergquelle: Die Hungerbergquelle tritt am Fuße des Hungerbergs aus. Heimatforscher Günther Kaerger meint, dass der Name nichts mit kargem Boden zu tun hat. Vielmehr stehe er mit der Verpflegung hungriger Pilger und Reisender während des Mittelalters im Zusammenhang. Der kleine Bach, der dort entsteht, versickert im Boden.

Das kühle Muschelkalkwasser hat trotz seines moderigen Geruchs einen frischen Geschmack.

Klagesborn: Der „Klagesborn“ liegt südlich des Hohen Hagen am Schiefen Berg, oberhalb der Wüstung Wetenborn. Die Bewohner dieses wahrscheinlich 1398 aufgegebenen Dorfs versorgten sich einst aus dieser Quelle mit Wasser. Kaerger vermutet, dass sich der Name wahrscheinlich von einer Klause herleitet, einem klösterlichen Arbeitshof. Die Quelle bildet einen Bach, der sich tief im Gelände eingeschnitten hat. Er hat mehrere Zuflüsse, versickert aber im karstigen Untergrund. Das Bachtal, das er einst geschaffen hat, ist im Rahmen der Verkoppelung von 1878 teilweise zugeschüttet worden.  

Das Muschelkalkwasser des Klagesborns ist kühl und frisch. 

Kleiner Spring: Wenige Meter oberhalb des Großen Springs liegt der Kleine Spring, der in den regenarmen Sommern trocken fällt. 

Das Muschelkalkwasser hat einen erdigen Geschmack. 

Rehbrunnen: Zwischen dem vor Jahrhunderten verlassenen Töpferdorf Grobhagen und dem Hengelsberg erstreckt sich ein kleiner, sumpfiger Auwald mit zwei Quellbächen. Er ist von der Schutzhütte über einen Pfad zu erreichen. Die Bäche vereinen sich und fließen in einen Fichtenforst. Das Wasser des Rehbrunnens hat den Basalt des Hengelsbergs durchflossen und dabei metallhaltige Minerale der magmatischen Gesteine herausgelöst. Es enthält Eisen, Mangan, Aluminium und Nickel.

Das Wasser hat einen kühlen, schwach metallischen Geschmack. Es riecht leicht nach Waldmeister und soll nicht sehr bekömmlich sein.

Schützenhaus: In der Nähe des Schützenhauses auf dem Hohen Hagen gibt es einen alten Feuerlöschteich mit Betonwänden, der sich aus dem Wasser einer Quelle speist. Die Quelle versorgte früher das Basaltwerk und die Gastwirtschaft (heute Schullandheim) mit Wasser. 

Wetenborn: Die Quelle Wetenborn entspringt auf 470 Meter Höhe südöstlich des Hohen Hagens. Das Wasser kommt aus dem Mittleren Muschelkalk. Der Name bedeutet weiße Quelle, erläutert Kreisarchäologe Klaus Grote. Die gleichnahmige Wüstung ist in den 70er-Jahren von Prof. Arnold Beuermann ausgegraben worden. In der rekonstruierten Kapelle finden im Sommer Gottesdienste statt. 

                                                                                                           Von Michael Caspar

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