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Erbeben in Nepal: Göttinger Professor Matthias Kuhle stirbt im Epizentrum

Studenten in Sicherheit Erbeben in Nepal: Göttinger Professor Matthias Kuhle stirbt im Epizentrum

Ein tragisches Ende hat die Exkursion eines Göttinger Geographie-Professors in Nepal genommen: Der 67-Jährige ist bei dem Erdbeben ums Leben gekommen. Gemeinsam mit 15 Studenten und einem Mitarbeiter befand sich Matthias Kuhle, ein international renommierter Geomorphologe, am Sonnabend in den Bergen nordwestlich von Kathmandu – genau im Epizentrum des schweren Bebens vom Sonnabend.

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Quelle: dpa/Uni Göttingen Montage:pto

Göttingen/ Arughat Bazar. Die Studenten und der Assistent überlebten die Katastrophe, sie konnten am Montag in mehreren Gruppen aus dem Tal ausgeflogen werden, in dem sie nach dem Beben ausgeharrt hatten. Ihr Professor hingegen wurde so schwer verletzt, dass er nicht überlebte. Nähere Erkenntnisse zum Hergang des Unglücks lagen am Montag noch nicht vor. „Nach Informationen aus Nepal ist der Leiter der Gruppe tödlich verunglückt“, teilte Universitätssprecher Thomas Richter am Montagabend lediglich mit.

Nach ersten telefonischen Kontakten von Angehörigen mit den Studenten scheint die traurige Nachricht vom Tod Kuhles nun mehr und mehr zur Gewissheit zu werden. Kuhle war ein erfahrener Expeditionsleiter. Seit den 70er Jahren war er mehr als 50 Mal auf großen Exkursionen zu seinem Fachgebiet, der Hochgebirgsgeografie, in mitunter abgelegenen Region der Erde unterwegs. Viele der oft mehrmonatigen Expeditionen führten den Wissenschaftler und Bergsteiger in die zentralasiatischen Gebirge, er galt als ausgespochener Himalaja-Experte.

Erst im vergangenen Jahr hatte er seine zentrale wissenschaftliche Theorie bewiesen: die Vergletscherung Tibets während der letzten großen Eiszeit. Unterdessen sind die Studenten und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter wohlbehalten und nur mit kleineren Verletzungen im Ort Arughat Bazar am Gandaki-Fluss angekommen. Den Studierenden gehe es laut Richter „den Umständen entsprechend“ gut.

„Die Studierenden werden voraussichtlich morgen nach Kathmandu gebracht“, sagte er. Wenn irgend möglich, sollen die angehenden Geografen am Mittwoch den Heimflug antreten. Wie es den jungen Leuten genau geht, wie und wodurch ihr Professor starb und Ähnliches ist noch unklar, da die Kommunikationseinrichtungen in Nepal derzeit nur höchst eingeschränkt funktionieren.

Foto: dpa

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Expedition abgebrochen

Göttingen. Die Göttinger Filmemacher und Bergsteiger Nils Peuse und Hannes Künkel haben angesichts des verheerenden Erdbebens gemeinsam mit ihren Kollegen Alix von Melle und Luis Stitzinger und Alexander Brutscher vom Bayerischen Rundfunk entschieden, ihre Everest-Besteigung abzubrechen.

„Wir fünf sehen uns nicht in der Lage in Anbetracht einer der größten humanitären Katastrophen der jüngeren Geschichte Nepals, einschließlich vieler Todesopfer und Verletzter an der Südseite des Everest, unsere Arbeit an einer Besteigungsdokumentation und an diversen Werbekampagnen fortzusetzen“, schreiben Peuse und Künkel auf ihrem Blog everest4k.com. Ihre Sherpa und nepalesischen Helfer hätten zum Teil noch keinen Kontakt zu ihren Angehörigen.

„Wir möchten ihnen jede Freiheit geben, so schnell wie möglich das einzig wichtige tun zu können und den Berg zu verlassen. Unsere Gedanken sind bei unseren nepalesischen Freunden und Partnern in dieser schweren Zeit.“ Sie und ihre Kunden stellten sich „ganz deutlich gegen jede voyeuristische oder ignorante Handlungsweise“. Nach der Rückkehr werde man gemeinsam überlegen, „inwiefern wir uns gemeinsam hilfreich engagieren können.“

Derzeit gebe es aktuelle Warnungen vor weiteren Beben und niemand könne eine objektive Aussage zur Sicherheit des Normalweges geben. „Die Gefahr von Eislawinen und Abbrüchen ist durch die Beben erheblich gestiegen. Die verantwortlichen chinesischen Behörden werden vermutlich heute Nachmittag eine Entscheidung treffen, ob der Berg komplett gesperrt wird“, berichten die Bergsteiger. Ihre Entscheidung stehe aber unabhängig davon fest. Die Rückreise werde vermutlich über China abgewickelt, da die Straßenverbindung und Infrastruktur in Nepal zu sehr zerstört sei.

Noch befinden sich Peuse und Künkel in einem auf 5200 Metern Höhe gelegenem Baislager am Fuß des Mount Everests. Dort wurden sie am Sonnabend von dem schweren Beben überrascht, bleiben aber wie der Rest des Teams unverletzt

Sie waren am 6. April Richtung Tibet aufgebrochen. Sie begleiten drei Profi-Bergsteiger auf den 8848 Meter hohen Everest-Gipfel – ausgestattet mit moderner Kameratechnik, um im Auftrag des BR die Expedition zu dokumentieren.

Von Michael Brakemeier

Göttinger überlebt das Beben in Nepal

Göttingen / Pokhara. Der Göttinger Student Tobias Scholz hat das Erbeben in Nepal überlebt. Der 22-Jährige war zum Zeitpunkt des verheerenden Bebens in der westnepalesischen Stadt Pokhara unterwegs –  und damit am  Rande des Epizentrums. Er lebt zurzeit im indischen Pune und war mit zwei Freunden nach Nepal gereist. Scholz belegt derzeit in Indien ein Auslandssemester.

Am Montag war er bereits wieder auf der Rückreise von Nepal nach  Indien und übernachtete in der Nähe von Gorakhpur. Das ist ein Ort kurz hinter der Grenze von Nepal zu Indien. „Wir haben es gerade gesund zurück nach Indien geschafft und sind nach einer ganztägigen Bustour recht erschöpft“, so Scholz. 

„Das Hauptbeben  mit der Stärke haben wir in Pokhara während einer Wanderung gar nicht als so besonders schlimm empfunden“, so Scholz. „Von dem wahren Ausmaß  der Katastrophe in Kathmandu und in den Bergdörfern haben wir erst später im Hotel erfahren.“ Scholz: „Wir sind natürlich geschockt und in Trauer bei all denen, die hier in Nepal ihr Haus, einen Teil ihrer Familie oder gar ihr eigenes Leben verloren haben.“ Die drei Freunde selbst haben sich am Montag mit dem Bus auf den Weg in Richtung Indien gemacht.

„Ich habe aber gehört, dass der internationale Flughafen in Kathmandu morgen auf jeden Fall wieder zu benutzen sein soll“, so Scholz gegenüber dem Tageblatt. „Eine Freundin von mir hat einen bestätigten Flug bekommen.“  
Immer wieder, so der Student weiter, hätten Nachbeben das Land erschüttert. Er und seine Freunde hatten dennoch Glück im Unglück.

Denn: „Trotz einer ziemlichen Schlaflosigkeit haben wir nicht mit größeren Problemen zu kämpfen: Strom-, Wasser- und Nahrungsmittelzugang waren bei uns in Pokhara gewährleistet und die Beben haben dort bisher unseres Wissens nur vereinzelt Häuser zum Einsturz gebracht“, so berichtet der Göttinger. Unter den Göttinger Studenten ist auch einer seiner Schulfreunde.

Von Britta Bielefeld

 
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