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„Kathmandu war totenstill“

Göttinger Krankenschwester erlebte Nepal-Beben „Kathmandu war totenstill“

Als am 25. April um 11.56 Uhr Ortszeit ein schweres Erdbeben erschütterte und mehrere Nepal die Erde bebte und mehr als 8000 Menschen in den Tod riss, war die Göttingerin Rebecca Wollborn mittendrin. Sie war bei einer Freundin im Stadtzentrum von Kathmandu, die in einem Haus aus zusammengenagelten Wellblechen wohnte.

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Nach dem Beben: Bikram Paudel, VCD-Nepal-Gründer, bei der Versorgung eines Verletzten. Kleines Bild unten links: Rebecca Wollborn.

Quelle: EF

Göttingen. „Wir haben gerade eine Fernsehreportage über den Vulkanausbruch in Chile und über die moderne Technik zur Vorhersage von Naturkatastrophen geschaut, als der Strom sich abschaltete und das ganze Haus angefangen hat zu schütteln“, sagt Wollborn und erinnert sich an die ersten Stunden nach dem Beben: „Die Einheimischen hatten schon angefangen durch die Haustrümmer zu graben, sie trugen Tote und Verletzte aus den Häusern. Das sonst unheimlich laute Kathmandu war totenstill.“

Die 21-jährige Wollborn war im März nach Kathmandu geflogen. Ein Krankenpflegepraktikum im Kani Children Hospital stand auf dem Programm der angehenden Krankenschwester. Dort wohnte sie bei ihrem Freund Bikram Paudel, der bereits 2007 die Nicht-Regierungsorganisation VCD Nepal (Volunteers for Community Development Nepal, vcdnepal.org) gegründet hatte. Zunächst haben Wollborn und Paudel im Krankenhaus geholfen und „notdürftig“ Wunden versorgt. „Nach ein paar Tagen hatten wir genug Spenden zusammen, um mit einem Team der Organisation – bestehend aus vier Nepalesen, einem Italiener und mir – Essen und Medikamente zu besorgen und in die unterversorgten Dörfer zu fahren“, sagte Wollborn. Selbst für kurze Strecken von nur 20 Kilometer hätten sie wegen verschütteter Straßen teilweise sechs Stunden gebraucht. „In den Dörfern stand meistens kein einziges Haus mehr, das Essen wurde knapp, viele Tote, viele Verletzte und keine Ärzte in Reichweite. Wir waren zwei Wochen lang jeden Tag in einem anderen Dorf und waren immer noch die ersten Hilfskräfte, die die Einheimischen zu Gesicht bekamen, während in Kathmandu viel zu viele Helfer waren“, sagt Wollborn. Der VCD Nepal versorge die Menschen weiterhin mit Essen, Medizin, gebe Kurse zur Hygiene, um Krankheiten zu vermeiden und versuche Zelte zu verteilen. „Doch bald kommt die Monsunzeit und die Regierung hält viele Hilfsgüter zurück.“

Inzwischen ist Wollborn wieder zurück in Hamburg, wo sie ihre Ausbildung im Oktober abschließen will. Für den VCD Nepal organisiert die in Deutschland die Hilfe für Nepal. Nach der Versorgung mit lebensnotwendigen Hilfsgütern soll den Menschen in Nepal geholfen werden, „wieder selbständig zu werden“. Möglichst durch Mikrofinanzierung sollen sie langfristig die Möglichkeit bekommen, sich selbst zu helfen. Über die Spendenseite crowdrise.com/vcdnepal sammelt die VCD Spenden für die weitere Hilfe in Nepal.

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