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Nachbeben erschweren Arbeit der Retter

Erdbeben im Himalaya Nachbeben erschweren Arbeit der Retter

Nach dem gewaltigen Erdbeben im Himalaya mit mehr als 3900 Toten kommen Hilfsgüter aus aller Welt in Nepal an. Doch nicht immer erreichte die Hilfe bis Montag die Bedürftigen, weil die Retter wegen der zerstörten Infrastruktur in Nepal oft nur schwer vorankommen.

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Familienmitglieder schauen fassungslos auf die zerstörten Gebäude in Vhaktapur.

Quelle: dpa

Kathmandu . Auch aus Deutschland haben Hilfsorganisationen tonnenweise Unterstützung geschickt: Zelte, Nahrungsmittel, Medikamente, Wasseraufbereitungsanlagen. Außerdem machten sich Helfer auf den Weg.  Noch immer sind zahlreiche Bergdörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Die wenigen Helikopter im Land werden auch zur Rettung der Bergsteiger am Mount Everest verwendet - was auf heftige Kritik stieß.

Es sei nur eingeschränkt möglich, die dringend benötigten Hilfsgüter über den ebenfalls zerstörten Flughafen in Nepals Hauptstadt Kathmandu einzufliegen, berichtete Ingo Radtke, Generalsekretär von Malteser International. Was ankam, war nie genug: In Kathmandu gab es kaum Strom und Benzin, auch Trinkwasser und Nahrungsmittel waren knapp. Die meisten Bewohner der Stadt campierten unter Planen, weil ihre Häuser zerstört waren oder Risse hatten. Dutzende Deutsche hätten ihr Quartier auf dem Gelände der deutschen Botschaft aufgeschlagen, erklärte das Auswärtige Amt.

Seuchengefahr: Leichen werden verbrannt

Das nepalesische Innenministerium gab die Zahl der bestätigten Toten am Montag mit inzwischen 3837 allein im eigenen Land an. Nach Regierungsangaben sollten am Montag massenhaft Leichen verbrannt werden, um Seuchen zu verhindern. In Indien starben 72 Menschen, in China mindestens 20 Menschen. Das Erdbeben der Stärke 7,8 am Samstag war das heftigste in Nepal seit mehr als 80 Jahren. Das Epizentrum lag etwa 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu.

In den entlegenen Erdbebengebieten kamen die Retter nur schwer voran. Hilfsorganisationen berichten, dass Erdrutsche und armbreite Risse viele Straßen des bergigen Landes unpassierbar machten. Der frühere nepalesische Premierminister Baburam Bhattarai flog zum Epizentrum des Bebens in seine Heimatregion Gorkha. Zu einem Bild, das ein komplett zerstörtes Dorf an einem Hang zeigt, schrieb er auf Twitter: „Noch keine Rettungs- und Hilfsaktionen in entlegenen Bergdörfern! Sendet sofort kleine Helikopter mit Hilfsgütern.“

Nepal ist ein armes Land, das nur über sechs Hubschrauber verfügt, hinzu kommen 20 private. Drei der Hubschrauber wurden bei Rettungsaktionen am Mount Everest eingesetzt. Dort starben mindestens 18 Menschen, als eine Erdbeben-Lawine über das Basislager hinwegfegte. Zum Unglückszeitpunkt waren etwa 1000 Menschen im Basislager, darunter 490 Ausländer.
Extrembergsteiger und Mount-Everest-Kenner Peter Habeler meint, man müsse bei der Rettung der Ärmsten Priorität einzuräumen. Viele einfache Nepalesen befänden sich in einer weit schlimmeren Notlage als die im Himalaya festsitzenden Bergsteiger, sagte der 72-jährige Österreicher der dpa. „Die Agenturen, die diese Hubschrauberflüge betreiben, wissen, dass sie dafür Geld bekommen. Und sie wissen auch, dass sie nichts bekommen, wenn sie irgendwo einfache Nepalesen ausfliegen, weil nämlich die Regierung kein Geld dafür hat.“

„Zwei-Klassen-Rettung“

Auch Reinhold Messner sprach von einer „Zwei-Klassen-Rettung“. „Es ist zynisch, dass man um die Bergsteiger am Mount Everest, die sich für 80.000 bis 100.000 Dollar diese Besteigung kaufen können, einen solchen Hype macht“, sagte er im Radiosender hr-Info. Am Mount Everest gebe es genügend Ärzte und Essen. In erster Linie müsse man den Menschen in Kathmandu helfen, wo viel mehr passiert sei.

Unterdessen erschütterten weitere Nachbeben die Erde im Katastrophengebiet. Die Menschen trauen sich aus Angst vor weiteren Einstürzen nicht in ihre Häuser zurück. Zahlreiche Parks und öffentliche Plätze in Kathmandu glichen Zeltstädten - Hunderttausende schlafen im Freien. Der Premierminister Sushil Koirala appellierte an seine Landsleute, alle Läden und Apotheken offen zu halten, um die Versorgung sicherzustellen.

Zahlreiche Staaten und Organisationen entsandten Helfer. Indien war besonders aktiv: 400 Tonnen Material seien eingetroffen, teilte die indische Botschaft in Nepal mit. Auch Deutschland schickte Experten. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) belud einen Hilfsflug mit 60 Tonnen Hilfsgütern wie Zelten, Decken, Hygienepaketen, Küchensets und Wasserkanistern. Die Katastrophenhilfe I.S.A.R. schickte Rettungshundeführer und Experten für die Suche nach Verschütteten sowie Mediziner.

Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef ist eine solche Katastrophe besonders auch für Kinder eine große Gefahr. „Selbst diejenigen, die nicht selbst verletzt sind, stehen jetzt vor der Situation, dass zum Beispiel die Wasserversorgung nicht funktioniert“, sagte Unicef-Sprecher Rudi Tarneden. Es drohten Krankheiten. „Es gibt die Gefahr, dass es zu einer schleichenden Katastrophe nach diesem dramatischen Ereignis kommt“, sagte Tarneden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bat um zusätzliche Mittel für Hilfseinsätze. Für die weitere Nothilfe brauche man dringend rund fünf Millionen Dollar (4,6 Millionen Euro), erklärte die UN-Sonderorganisation in Genf.

Krankenhäuser sind heillos überfüllt

Nepals Regierung spricht von mehr als 6800 Verletzten durch das Beben. Krankenhäuser sind heillos überfüllt, Ärzte arbeiten rund um die Uhr. Viele Verletzte müssen auf der Straße versorgt werden. Die Regierung rief die Bürger am Montag zu Blutspenden auf. In dem betroffenen Gebiet - das am dichtesten besiedelte Nepals - leben nach UN-Angaben 6,6 Millionen Menschen.
„In dem bergigen Land ist der Transport von Gütern immer eine Herausforderung - auch wenn es kein Erdbeben gibt“, sagte Unni Krishnan, Katastrophenteam-Chef der Hilfsorganisation Plan. Klar sei bislang nur, dass Tausende Häuser zerstört seien, aber nicht, wo genau wie viele. „Deswegen ist es nicht möglich, Hilfspakete aus der Luft abzuwerfen“, sagte er. Das wichtigste sei es nun, die Menschen mit Zelten und Licht wie etwa Solarlampen zu versorgen. Denn es regnet immer wieder, und die Meteorologen sagen mehr Regen voraus.

„Das Erdbeben in Nepal, das so viele Tote verursacht hat, ist eine schlimme Katastrophe. Die internationale Gemeinschaft muss die Region jetzt unterstützen“, erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Die Europäische Kommission versprach Nepal drei Millionen Euro Soforthilfe. Die Asiatische Entwicklungsbank sagte drei Millionen US-Dollar für Zelte, Medikamente und Trinkwasser zu.

Im Internet riefen Prominente zur Unterstützung auf: „Mein Herz bricht mit der steigenden Zahl der Todesopfer“, schrieb Sängerin Katy Perry (30) am Montag bei Twitter. „Bitte helft Unicef dabei, betroffene Kinder und Familien zu unterstützen.“ Auch US-Schauspielerin Alyssa Milano (42), Tennisspieler Rafael Nadal (28), Sängerin Shakira (38) und Kim Kardashian (34) äußerten ihr Mitgefühl.

Wie deutsche Organisationen nach dem Erdbeben in Nepal helfen

Nach dem katastrophalen Erdbeben in Nepal haben Hilfsorganisationen ihre Arbeit aufgenommen. Eine Auswahl:

  • Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schickt einen Hilfsflug im Wert von 670.000 Euro in das Erdbebengebiet in Nepal. An Bord sind 60 Tonnen Hilfsgüter, darunter Zelte, Decken, Hygienepakete, Küchensets, Wasserkanister sowie eine Trinkwasseraufbereitungsanlage des Technischen Hilfswerks (THW). Finanziert wird der Flug vom Auswärtigen Amt.
  • Das THW hat außerdem ein vierköpfiges Vorausteam nach Kathmandu entsandt. Es soll unter anderem die deutsche Botschaft bei der Koordinierung und Lageerkundung unterstützen. Außerdem sollen elf Einsatzkräfte der sogenannten Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland (SEEWA) helfen.
  • Die Katastrophenhilfe I.S.A.R. hat sich mit Medizinern und Bergungsexperten sowie 15 Tonnen Hilfsgütern auf den Weg gemacht. Sie warten in Indien auf die Möglichkeit zur Weiterreise. An Bord der Sondermaschine sind 52 Helfer. Unter ihnen sind Rettungshundeführer und Experten für die Suche nach Verschütteten sowie Mediziner.
  • Malteser International hat aus Deutschland eine halbe Tonne Medikamente bereitgestellt. Die Organisation entsandte am Sonntag Mitarbeiter in die Krisenregion.
  • Das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes stellt in einem ersten Schritt 100 000 Euro für dringend nötige Soforthilfemaßnahmen für die Erdbebenopfer bereit. Aus diesen Mitteln werden vor allem sauberes Trinkwasser, Decken und Kleidung sowie Hygieneartikel speziell für Frauen und Kinder finanziert.
  • Die Hilfsorganisation Care plant, bis zu 100.000 Menschen mit Notunterkünften, Nahrung, Wasserreinigungstabletten und dem Bau von Latrinen zu unterstützen. Mehr als 150 Care-Mitarbeiter seien schon in der Region.
  • Misereor stellt eine Soforthilfe von 100.000 Euro bereit. Sie soll für die Basis-Versorgung eingesetzt werden, also Notunterkünfte, Lebensmittel, Wasser, Hygieneartikel und gesundheitliche Betreuung.
  • Auch die Caritas hat nach eigenen Angaben bereits 100.000 Euro für die schnelle Versorgung bereitgestellt.

dpa

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