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Schrödersches Haus: Einst verborgener Fachwerk-Schatz

Fassadenschmuck Schrödersches Haus: Einst verborgener Fachwerk-Schatz

Im Stadtgebiet Göttingen finden sich viele Gebäude, deren Fassaden mit Skulpturen, Fresken, Schnitzereien oder Stuckschmuck verziert sind. Neben Ornamenten und floralen Motiven dominieren Gesichter, Fratzen und Tierfiguren. Das Tageblatt stellt diese vor. Heute: der Fassadenschmuck an einem der schönsten Fachwerkhäuser der Stadt, dem Schröderschen Haus in der Weender Straße.

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Dass sich Göttinger und Besucher der Stadt heute des reichen Schnitzwerkes im Stil der Renaissance an der Fassade der Weender Straße 62 erfreuen können, haben sie jenem Mann zu verdanken, der seinen Namen ebenda im alten Holz verewigte: A. Schroeder.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Dass sich Göttinger und Besucher der Stadt heute des reichen Schnitzwerkes im Stil der Renaissance an der Fassade der Weender Straße 62 erfreuen können, haben sie jenem Mann zu verdanken, der seinen Namen ebenda im alten Holz verewigte: A. Schroeder.

Zwischen 1883 und 1886/87 – die Quellen nennen unterschiedliche Jahreszahlen – erwarb der Schlossermeister August Schröder das damals komplett verputzte Haus. Fachwerkhäuser galten mit Universitätsgründung um 1735 in der Stadt als Häuser armer Leute, die Fassaden wurden verputzt.

Und so entdeckte erst Schröder bei Reparaturarbeiten den prachtvollen Schnitzereien-Schatz und ließ die prächtige Fachwerkfassade freilegen. Die bildlichen Schmuckelemente stellen überwiegend biblische und weltliche Szenen dar. Die Gestaltung dürfte auf den Erbauer des Hauses zurückgehen: Jürgen Hoved (Haupt). Der Göttinger Bürgerssohn war, so ist überliefert, ein sehr wohlhabender Mann. Auf einem der Gefache zwischen den Fenstern über dem Torbogen ist eine Figur mit Schriftrolle zu sehen.

Sanierung der Fassade

Die Jahreszahl 1549 nennt das Baujahr, in dem der Tuchmacher und seine Ehefrau Anna Stromburg das Haus errichten ließen – erbaut zu seinen und Gottes Ehre, wie die kaum lesbare Inschrift im dunklen Holz verrät: „To minen eren. unde godes des heren. Anfang unde enden steit in godes henden. Gode to loven (un to huet) heft Jürgen hoevet dut hus gebwt.“ Die Darstellungen von drei Damen und einem Herr finden sich am Erker. Um wen es sich hierbei handelt, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen. Auch ist fast nichts über die Darstellungen an den Balkenköpfen bekannt.

Bemerkenswert hierbei ist aber das freche Gesicht mit herausgestreckter Zunge. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Neidkopf. Auf das Handwerk des Erbauers weist die Darstellung zweier fischschwänzigen Menschengestalten über dem Torbogen hin. Sie halten Schlichte (ein kammartiges Instrument zum Glätten) und Weberschiffchen in Händen. Auch Schröder ließ später die Insignien seiner Zunft im Spitzbogen des Portals verewigen. Zu den Gebäudeeigentümern vor Schröder zählte Ludolf Richelm, der 1578, elf Jahre vor Houveds Tod, das Haus kaufte.

Er besaß es noch, als er Bürgermeister der Stadt geworden war. Von Mitte des 18. Jahrhunderts an war das Fachwerkgebäude im Eigentum der Familie Rakebrand. In dieser Zeit – von etwa 1830 bis 1836 – betrieb hier Anna Katharina Risch, eine geborene Rakebrand und Witwe von Kaspar Risch, die Gastwirtschaft „Zum goldenen Ring“. Die Familie Schröder war noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts im Besitz des Gebäudes Weender Straße 62. Seit Sommer 2007 ist die Familie Görcke Eigentümer der Immobilie. Markus Görcke kündigt eine grundlegende Sanierung der Fassade an. Zuvor gebe es indes noch einige Dinge zu prüfen und mit dem Denkmalamt abzusprechen.

 
Foto: © Hinzmann

Foto: © Hinzmann

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