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300 Demo-Teilnehmer protestieren in Göttingen gegen schärfere Flüchtlingspolitik

Straßenfest mit Musik und viel Informationen 300 Demo-Teilnehmer protestieren in Göttingen gegen schärfere Flüchtlingspolitik

Mehr als 300 Teilnehmer einer Demonstration haben am Sonnabend in Göttingen gegen ein verschärftes Asylrecht protestiert und "ein grenzenloses Europa" gefordert. Ihr Zug führte zu einem Straßenfest in der Roten Straße - ein Willkommensfest für Flüchtlinge.

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Quelle: Heller

Göttingen. "Kein Mensch ist illegal" und "Stoppt Deportationen" fordern die Demonstranten auf Plakaten, unter ihnen auch viele Flüchtlinge. Immer wieder skandieren sie: "Bleiberecht für alle - Refugees welcome". In Redebeiträgen kritisieren Sprecher verschiedener Flüchtlingsorganisationen, der Wohngemeinschaft Rote Straße, Flüchtlinge und Gewerkschafter die gerade von Bundestag und Bundesrat verschärfte Asyl- und Abschiebepolitik.

Eine Politik, die zu einer Spaltung von Flüchtlingen aus vermeintlich sicheren und unsicheren Ländern führe und Erstgenannte in eine Ungewisse Zukunft mit Terror, Tod und Unterdrückung treibe. Zugleich protestieren sie gegen neue und für Flüchtlinge unüberwindbare Grenzen um Europa. Und sie fordern bessere Unterkünfte für Asylsuchende: Es sei untragbar, dass Flüchtlinge in hoffnungslos überfüllten Lagern leben, während in vielen Städten Tausende Wohnungen leer stünden und ungenutzt seien.

Zugleich warnte ein Sprecher der Göttinger Wohnraum-Initiative aber auch davor, andere Menschen, die auf günstige Wohnungen angewiesen seien, im Regen stehen zu lassen. Zudem sei es eine Bankrotterklärung der Regierung, dass oft nur mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher und privater Initiativen Flüchtlinge in den Unterkünften mit dem Mindesten versorgt werden könnten.

 

Straßenfest als Willkommensfest für Flüchtlinge

 

Eine ausgelassene und familiäre Stimmung, viele Sprachen, Musik und Informationen über Hilfsprojekte haben am Sonnabend ein Fest in der Roten Straße geprägt. Ein linksautonomes Wohnprojekt hatte das Straßenfest unter dem Motto „Refugees welcome“ mit dem Göttinger Arbeitskreis (AK) Asyl organisiert.

Mohamed Khdyr fehlen ein wenig die Worte. Der 27-jährige Iraker ist gerührt von der Gastfreundschaft in Deutschland, begeistern vom Fest in der Roten Straße und glücklich über die ausgelassene Stimmung zwischen einer „Folxküche“ mit buntem Eintopf und Salat, Kleider-Flohmarkt und Schmink-Station, an der sich auch viele erwachsene Flüchtlinge lustige Bilder oder Flaggenmotive aufs Gesicht malen lassen.

Es sind viele Flüchtlingen wie Khdyr aus Adelebsen, Rosdorf, Göttingen und Friedland gekommen – und viele Göttinger. Auf der für Autos gesperrten Straße herrscht Volksfeststimmung. Musiker wie die junge Göttinger Band BellaKrux und DJ Ringo locken immer wieder neue Besucher vor die kleinen Bühnen. Mittendrin im Straßengewusel sausen Kinder auf Bobby Cars auf einem aufgemalten Parcours entlang, über ihnen schweben große Seifenblasen. Und überall an den Ständen der Jugendhilfe Südniedersachsen, des Beratungs- und Aktionszentrum Friedland (BAZ), des „AK Asylsuchende“ und anderer Initiativen wird geplaudert und gelacht. „Ich will mich erkundigen, wo ich helfen kann“, erklärt die Studentin Sabrina Kluge, warum sie auf das Fest gekommen ist, „und ich will den Flüchtlingen zeigen, dass sie willkommen sind“.

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