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Anleitung zum Helfen

Flüchtlinge in der Region Göttingen Anleitung zum Helfen

Die Bereitschaft der Göttinger, Flüchtlingen zu helfen, ist groß. Viele engagieren sich, möchten etwas für die Menschen tun. Zum Beispiel einen ersten Einblick in die Deutsche Sprache vermitteln. Damit das gelingt, gibt es Crashkurse unter anderem im Goethe-Institut.

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Julia Kopp und die anderen Teilnehmer erfahren im Workshop unter anderem, worauf es ankommt, wenn man Flüchtlingen die ersten deutschen Worte beibringt.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Was müssen Flüchtlinge, die gerade in Deutschland angekommen sind, wissen und lernen? Angehende ehrenamtliche Helfer besuchten dazu beim Goethe-Institut am vergangenen Wochenende einen Workshop. Bis Anfang Dezember sind drei weitere Kurse geplant.

 
Angeregte Diskussionen erfüllen den Raum. Kursleiterin Ilsemarie Waechter muss sich zunächst Gehör verschaffen, um die nächste Aufgabe zu erklären. Es sei „schon ein bisschen ein Himmelfahrtskommando“, in so kurzer Zeit zu lernen, worauf es beim Deutschunterricht für Flüchtlinge ankommt, sagt sie. Neben vielen Ruheständlern  sind auch einige jüngere Teilnehmer zum Workshop ins Goethe-Institut gekommen.  Zwar haben sie noch nicht alle Erfahrung mit ehrenamtlichem Engagement, doch soll sich das bald ändern. Im Workshop erfahren sie, worauf es ankommt, wenn man Flüchtlingen die ersten deutschen Worte beibringt.

 
Zu den Teilnehmern mit Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit gehört Gohar Schlender. Seit Februar bringt die gebürtige Armenierin Bewohnern des Rosenthaler Hofes in Duderstadt etwas Deutsch bei. Ihr eigener Migrationshintergrund helfe ihr bei der Arbeit: „Ich habe auch hier Deutsch gelernt und weiß, was man am Anfang braucht“, sagt sie. Bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit hat sie bereits Unterschiede bei den Asylsuchenden festgestellt. Syrer sprächen oft gut Englisch, das erleichtere das Erlernen der sprachlichen Grundlagen.

 
Auch Kursleiterin Waechter weiß, worauf es bei der Arbeit mit Flüchtlingen ankommt. „Ich betreue selbst insgesamt zehn Personen“, erzählt sie. Vor allem bei Gängen auf Ämter und Ähnlichem habe sie sie unterstützt. Außerdem war sie lange für das Goethe-Institut im Ausland tätig und unterrichtete Deutsch.

 
Tobias Meyer hat noch keine Erfahrung mit dem Unterrichten von Flüchtlingen. Als angehender Lehrer bringt er allerdings pädagogisches Vorwissen mit. „Ich hoffe hier einen Einstieg zu finden und die Basics vermittelt zu bekommen“, sagt er. Beim Migrationszentrum will er dann künftig Deutschkurse geben. Pädagogische Erfahrung hat auch Jutta Weidig als ehemalige Grundschullehrerin. „Ich würde gern mit Kindern arbeiten, ihnen zum Beispiel bei den Hausaufgaben helfen“, sagt sie.

 
Bevor es um das Vermitteln der deutschen Sprache geht, stehen zunächst Hintergrundinformationen auf dem Programm. Mit Grafiken und Statistiken erfahren die Kursteilnehmer aus welchen Ländern die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Die erste Überraschung hierbei: Neben Syrien kamen 2015 die meisten Asylsuchenden aus Albanien und dem Kosovo. Die meisten Teilnehmer tippen auf Länder wie Afghanistan oder den Irak.
Anschließend erarbeiten die angehenden Helfer, für welche Situationen die Asylbewerber sprachlich gerüstet sein müssen. Vokabeln, die den Menschen bei der Orientierung in ihrer Umgebung und der Kommunikation im Allgemeinen helfen, werden dabei als besonders wichtig angesehen – beispielsweise Begriffe wie rechts oder links.

 
Neben der Unterrichtsplanung stehen auch die Grundlagen der Phonetik und Grammatik auf dem Programm. Daneben sind Unterrichtsaufbau und Techniken zur Visualisierung Thema des Workshops. Am Beispiel einer Russischstunde erfahren die Teilnehmer wie es ist, das erste Mal in einer fremden Sprache unterrichtet zu werden.fl

 

Forum der VHS in Hann. Münden

 

Auch die Volkshochschule (VHS) Göttingen-Südniedersachsen bietet Kurse für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer an. „Ein erstes Forum Flüchtlingsarbeit haben wir bereits Ende September abgeschlossen“, sagt Haide Faridani, Fachbereichsleiterin in der VHS. Die 16 Teilnehmer haben sich darüber informiert, wie man sinnvoll helfen kann. „Es drehten sich inhaltlich aber auch viele Fragen um die Lage der Flüchtlinge in der Region“, sagt Faridani. Sie plant nun bereits eine weiteres Forum, in dem es dann schwerpunktmäßig darum gehen soll, wie Ehrenamtliche Flüchtlingen die deutsche Sprache näherbringen können.

 
Auch in Hann. Münden ist eine solche Veranstaltung der VHS geplant. „Ich wurde beim Fest der Kulturen darauf angesprochen“, sagt Faridani. Sie will am Freitag, 27. November, in Hann. Münden nun ein rund fünfstündiges Forum zum Thema organisieren. Dort soll es vor allem um die Vermittlung der Sprache gehen. Anmeldungen und Informationen bei Faridani@vhs-goettingen.de bib

 

Auch private Initiativen

 

Viele ehrenamtliche Aktivitäten in der Flüchtlingshilfe werden vom Migrationszentrum Göttingen koordiniert. Das Migrationszentrum gehört zum Diakonieverband Göttingen. Die seit Mitte des Jahres im Zentrum tätige Indira Khalikova ist Leiterin des Projektes „Sei willkommen“, dessen Aufgabe es ist, die Hilfsangebote zu koordinieren und Ehrenamtliche auszubilden. Kurse, die den Ehrenamtlichen helfen, Sprachunterricht zu geben,  gebe es in der VHS und im Goethe-Institut. Khalikova: „Es gibt aber auch viele private Initiativen in Stadt und Landkreis.“ bib

 

„Pilot-Kurse sind ausgebucht“
Nachgefragt ... bei Ulrike Hofmann-Steinmetz, Leiterin des Goethe-Insituts Göttingen

Nachgefragt ... bei Ulrike Hofmann-Steinmetz, Leiterin des Goethe-Insituts Göttingen

Quelle:

Im Göttinger Goethe-Institut ist der erste Wochenend-Kurs für ehrenamtliche Helfer organisiert worden. Ulrike Hofmann-Steinmetz,  Leiterin des Instituts, erklärt, warum.

 
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, solche Kurse anzubieten?
Das Goethe-Institut bietet ja nicht nur Sprachkurse an, sondern hat auch eine langjährige Expertise als Multiplikator im Bildungsbereich. Alle Goethe-Institute weltweit organisieren viele Fortbildungsveranstaltungen, besonders für Deutschlehrer. Da die Goethe-Institute in Deutschland nicht selbst großflächig in der Flüchtlingsarbeit tätig werden können, haben wir uns entschieden, unser Know-How gezielt an die weiterzugeben, die diese Graswurzel-Arbeit machen möchten, bevor die Flüchtlinge in reguläre und für sie speziell eingerichtete Deutschkurse gehen können. 

 
Warum ist es sinnvoll, dass Ehrenamtliche einen solchen Wochenendkurs besuchen?
Engagement ist sehr wertvoll, reicht aber nicht, um mit der komplexen Materie ‚Deutsch als Fremdsprache’ so umzugehen, dass die Deutsch-Lernenden etwas davon haben. Wenn man das Fach nicht studiert hat, hat man meist kein reflektiertes Verhältnis zur Konstruktion der eigenen Sprache und zur Art und Weise der sinnvollen Weitergabe. Ein Gedankenaustausch über die vielfältigen Aspekte des Lehrens und Lernens von Sprachen macht behutsamer im Umgang mit den Flüchtlingen und den eigenen Grenzen als ‚Lehrender’. 

 
Welche Grundlagen werden in dem Seminar vermittelt?
Die Teilnehmenden sollen für verschiedene Aspekte des Unterrichtens sensibilisiert werden: In welchen Situationen brauchen die Flüchtlinge Deutsch? Wie kann man diese Situationen sprachlich einüben? Was bedeutet interkulturelles Lernen? Wie plant man kleine Unterrichtseinheiten? Welche Lernmaterialien eignen sich? 

 
Welche Resonanz haben Sie bislang bekommen, und wird es weitere Angebote geben?
Die Resonanz ist sehr gut, alle drei Pilot-Kurse sind ausgebucht. Sobald die Finanzierung steht, wollen wir noch etwa 20  weitere Kurse geben, deren Umfang auch erweitert werden soll. Hinzu kommt dann eine Orientierung über die Online-Angebote des Goethe-Instituts für Lernende und Lehrende sowie eine individuelle Nachbetreuung der Ehrenamtlichen.

 
Wie finanzieren Sie das Angebot?
Das Goethe-Institut hat dafür Mittel beim Bund beantragt. Aus eigener Kraft können wir Angebote für die Arbeit mit Flüchtlingen nicht finanzieren, denn die Goethe-Institute im Inland erhalten keine staatliche Förderung. 

 
 Interview: Britta Bielefeld

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