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Bildungszentrum für Flüchtlinge eröffnet

Göttinger Beschäftigungsförderung Bildungszentrum für Flüchtlinge eröffnet

Flüchtlinge schnell zu integrieren, sagt Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), müsse nicht nur ein menschliches, sondern auch ein ökonomisches Ziel sein. Gute Ansätze dafür gibt es in der Alten Phywe an der Levinstraße 1. Das Bildungszentrum für Flüchtlinge (Bif) der Stadt hat eröffnet.

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Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (links) und Dietmar Linne enthüllen das Schild des Bildungszentrums. Ganz rechts Geschäftsführer Christian Schmelzer.

Quelle: Gückel

Göttingen. Die Liste der zu Begrüßenden, die Köhler verlas, war lang. Das zeige, scherzte der, "dass viele sich zusammengetan haben, hier voran zu kommen". Die Stadt hat aktuell immerhin 615 Flüchtlinge aufgenommen, davon 236 zwischen 17 und 25 Jahren, also in einem Alter, in dem man in den Beruf einsteigt. Bis Februar, so rechnet Köhler, dürfte die Gesamtzahl auf 1900 angestiegen sein. Für Ende 2016 wird mit bis zu 2400 Flüchtlingen gerechnet. "Und die Zahlen steigen täglich." Die Menschen in Ausbildung und Beruf, sie zumindest aber auf einen berufsausbildungsfähigen Stand zu bringen, sei eine gewaltige Aufgabe. Umso erstaunlicher sei es, dass es ein "Förderloch" gebe. Sprachangebote als Basis der weiteren Bildung seien eigentlich eine Aufgabe für Bund, Land und Gemeinden gemeinsam.

 

Auch Dietmar Linne vom Vorstand der Beschäftigungsförderung hob diese Sprachkurse hervor. Für Syrer, Iraker, Iraner und Eritreer werden sie von der Arbeitsagentur finanziert, nicht aber für Afghanen. Die Beschäftigungsförderung verstehe sich deshalb als Dach, unter dem all die Helfer - Institutionen, Betriebe und Freiwillige - zu koordinieren sind und immer wieder nach neuen Förderungsmöglichkeiten gesucht werde. Dabei profitiere Göttingen davon, sagt der Oberbürgermeister, dass so viele Studenten, vor allem viele freiwillige Dolmetscher, die Integrationsarbeit erleichtern.

 

Denn schon im März, so Christian Schmelzer, Geschäftsführer der Beschäftigungsförderung, habe man sich erstmals mit der Frage zusammengesetzt, wie der Prozess der beruflichen Qualifikation von Flüchtlingen zu organisieren und danach in Fluss zu halten sei. Im April gab es dazu eine erste Arbeitsgruppe, danach eine Arbeitsgemeinschaft, schließlich jetzt das Bildungszentrum für Flüchtlinge, in dem am 19. Oktober der erste Lehrgang startete. Berufsbezogener Deutschunterricht, Computertraining, Kurse zu Leben, Politik und Kultur in Deutschland sowie Bewerbungstraining werden angeboten, aber auch bei der Vermittlung von Arbeit und Ausbildung wird geholften. Dazu gehört das Angebot von Praktikumsplätzen. Inzwischen haben sich mehr als 100 Firmen bereiterklärt, sagt Köhler, Praktikanten zu nehmen. Zum Beispiel die Sartorius-AG. Von den zwölf Praktikanten dort, so erste Rückmeldungen, haben zehn das Zeug, in eine Ausbildung zu wechseln.

Bildungszentrum Alte Phywe

Vor 27 Jahren hat die Stadt Göttingen die Gebäude der alten Messtechnik-Fabrik Phywe in der Levinstraße in der Weststadt erworben und zu einer sozialen Ausbildungseinrichtung, speziell zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, gemacht. Heute sind diese Maßnahmen kaum noch nötig, wohl aber die Qualifizierung von Flüchtlingen zur Bewältigung des Fachkräftemangels. Die Räume (Levinstraße 1, zweites Obergeschoss) wurden saniert und umgebaut und werden nun für Sprachkurse und Lerhgänge zur beruflichen Orientierung von Flüchtlingen genutzt. Ansprechpartner ist der Sozialpädagoge Frank Karnap unter Telefon 0551/4003648.

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