Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Bundesinnenminister de Maizière zu Besuch im Aufnahmelager Friedland

An der Belastungsgrenze Bundesinnenminister de Maizière zu Besuch im Aufnahmelager Friedland

Im völlig überfüllten Erstaufnahmelager Friedland hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag ein hartes Vorgehen bei Angriffen gegen Flüchtlinge und Flüchtlingseinrichtungen gefordert. Friedland stehe für eine gänzlich andere Form des Umgangs mit Menschen in Not.

Voriger Artikel
Stadt Göttingen lässt Flüchtlingsheime überwachen
Nächster Artikel
Mündener Krankenhaus bald Flüchtlingsheim

Im völlig überfüllten Erstaufnahmelager Friedland hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag ein hartes Vorgehen bei Angriffen gegen Flüchtlinge und Flüchtlingseinrichtungen gefordert.

Quelle: dpa

Friedland. Wegen der Überbelegung, sagte de Maizière, seien die Mitarbeiter „an der Grenze ihrer Belastungsfähigkeit“ angelangt.

Um die Bearbeitung von Asylanträgen zu beschleunigen, würden unter anderem in nächster Zeit mehr Beamte im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge angestellt, kündigte de Maizière an. Bereits seit dem 20. Juli würden Asylbewerber ohne Bleibechance wie beispielsweise vom Balkan nicht mehr auf die Kommunen verteilt, sondern müssten in den jeweiligen Erstaufnahmelagern bleiben.

Generell müsse sich Deutschland „auf längere Zeit auf hohe Flüchtlingszahlen einstellen“, meinte der Bundesinnenminister. Die derzeitigen Probleme durch die hohen Flüchtlingszahlen könnten Bund, Länder und Kommunen nur alleine lösen. Auch unkonventionelle Maßnahmen wie Amtshilfen von Bundeswehr und Zoll oder der Einsatz von pensionierten Polizeibeamten auf Honorarbasis seien mögliche Lösungsansätze.

„Vielleicht“, meinte der Minister, „liegt in der großen Herausforderung auch eine große Chance.“

Trotz der Schlagzeilen über Übergriffe sei die allgemeine Bereitschaft in der Bevölkerung, Flüchtlingen zu helfen, groß: „Ohne die Tausende von ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Flüchtlingsbetreuung würde das System schon morgen zusammenbrechen“, erklärte de Maizière.

Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) appellierte an die Bevölkerung, Toleranz gegenüber der zurzeit sehr hohen Zahl der Flüchtlinge zu zeigen: "Es wird mal über den Zaun eine Birne gepflückt. Aber das sehen wir nicht als Kriminalität, sondern als Spende."

Während seines Auftritts im Lager Friedland bewegte sich de Maizière kaum abgeschirmt von den Flüchtlingen, die großes Interesse an dem Ministerbesuch zeigten. Eine vollkommene Sicherheitsabschirmung wäre in dem überfüllten und frei zugänglichen Lager auch kaum möglich gewesen, meinte ein Polizist. G

egen Ende des Besuchs sprach der Innenminister mit ausgewählten Flüchtlingen aus dem Irak und aus Syrien. Das über einen Dolmetscher geführte Gespräch fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Flüchtlinge in Schulen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) lehnt es ab, Flüchtlinge aus Syrien ohne weitere Prüfung ins Land zu lassen, um so die Aufnahme in Deutschland zu beschleunigen. „Wie müssen wissen, wer diese Leute sind“, meinte de Maizière. Es sei nicht ausgeschlossen, dass in den Strom der Flüchtlinge Menschen eingeschleust würden, die „eine Gefahr für Deutschland“ darstellten.

Wichtigstes Thema beim Ministerbesuch: die Erweiterung der Kapazitäten bei der Erstaufnahme von Flüchtlingen. Derzeit sind im Lager selbst gut 2600 Menschen untergebracht. Etwa 650 weitere Flüchtlinge betreut das Lager an externen Standorten in Rosdorf, Friedland und Duderstadt. Der Göttinger SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann erklärte, die Kapazitäten müssten so schnell wie möglich erhöht werden.

Für die Erstaufnahme von Flüchtlingen geschaffen werden. Voraussichtlich bereits im September werde es eine Entscheidung fur finanziellen Unterstützung der Kommunen geben – unter anderem, um den Bau von Wohnraum für Flüchtlinge voranzutreiben.

Unterdessen hat der Landkreis Göttingen bereits Fakten geschaffen: Am Dienstagmorgen unterzeichnete die Verwaltung Verträge mit der Landesaufnahmebehörde für die Nutzung der Anne-Frank-Schule in Rosdorf und der Albert-Schweitzer-Schule in Adelebsen, um dort Flüchtlinge für eine überschaubare Zeit unterbringen zu können.

Wie dringend die Notwendigkeit festerer Unterkünfte ist, deutete sich am Dienstag bereits an: Nach dem Temperatursturz gegenüber Montag hüllten sich nicht wenige Flüchtlinge beim Besuch de Maizières in Decken.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Matthias Heinzel

Vor 25 Jahren erhielt der Göttinger Wissenschaftler Erwin Neher den Nobelpreis