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Bundespolizei Duderstadt hilft bei Flüchtlingsregistrierung

Süddeutschland Bundespolizei Duderstadt hilft bei Flüchtlingsregistrierung

Die Duderstädter Bundespolizeiabteilung ist zurzeit fast durchgehend im Einsatz bei der Flüchtlingsregistrierung im bayerischen Deggendorf. „Ich habe in 28 Jahren Polizeidienst viele Einsätze gefahren, aber dieser wird mir in Erinnerung bleiben“, sagt Polizeidirektor Martin Kröger, Leiter der Duderstädter Abteilung.

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Polizeidirektor Martin Kröger (Mitte) registriert mit seinem Team in Bayern Flüchtlinge.

Quelle: Bundespolizei

Duderstadt. Ab heute unterstützt eine Einheit aus Duderstadt die Bundespolizeiabteilung Ratzeburg, welche in dieser Woche die Leitung übertragen bekommen hat. Bis vergangenen Mittwoch hatten diese die Eichsfelder. Momentan werden pro Tag mindestens 300 bis 400 laut offizieller Bezeichnung „unerlaubt eingereiste Personen“ in der Region um Passau aufgegriffen. Der Spitzenwert betrug 570. Die Menschen, die vor allem aus Syrien, dem Irak, Iran und aus Afghanistan stammten, würden durch Südosteuropa über die deutsche Grenze geschleust, sagt Kröger. „Das hat sich zu einem großen Geschäftsfeld entwickelt“, bedauert der Polizeidirektor. „Im Rahmen der Schleusung lässt sich mehr Geld verdienen als mit dem Verkauf von Betäubungsmitteln.“

 
Die Schleuser setzen die Flüchtlinge zum Teil direkt auf der Autobahn ab. „Wir haben auch einmal 25 Menschen auf der Autobahn eingesammelt“, sagt Kröger. „Als ich gestern am späten Abend im Radio im Verkehrsfunk von Menschen auf der A3 bei Passau hörte, wusste ich, dass das wieder eine Gruppe Flüchtlinge ist.“

 
Nachdem die Flüchtlinge eine erste Vorregistrierung in der „Clearing-Stelle“ in Passau durchlaufen haben, werden sie zur Registrierung weitergeleitet in die benachbarten Inspektionen oder nach Deggendorf in die „Bearbeitungsstraße“, einem aus 50 Containern aufgebautem Bürokomplex. Dort sind vor allem die Dolmetscher von unschätzbarem Wert. „Die Flüchtlinge haben verständlicherweise zunächst eine gewisse Skepsis gegenüber der deutschen Polizei. Sie kennen aus ihren Ländern andere Vorgehensweisen“, sagt Hundertschaftsführer Kai Seeger. Die Sporthalle wurde zu einem Aufenthalts- und Warteraum für rund 260 Personen umfunktioniert. „Dort werden diese auch versorgt. Wir machen keine Unterschiede. Wer Hilfe benötigt, bekommt sie“, erzählt Kröger. Dazu gehe sein Team auch ungewöhnliche Wege. „Ich habe an einem Tag zum Beispiel bei den Finanzinstituten der Region Spielzeug eingesammelt, unter anderem Bälle und Plüschtiere. Damit beschäftigen sich die Kinder Stunden.“ Seeger ergänzt: „Es reicht sogar, Einweghandschuhe aufzupusten und ein Gesicht darauf zu malen, um die Kinder glücklich zu machen.“ Darüber hinaus sehe die Befehlsstelle aus wie das Warenlager einer Drogerie. „Ich habe meinen Versorger beauftragt, unter anderem Windeln, Babynahrung und auch Damenhygieneartikel zu besorgen“, berichtet Seeger schmunzelnd von Drogerieverkäuferinnen, die morgens um 7 Uhr beim Anblick des Versorgers die Augen verdrehen, weil sie wissen, dass er ihnen gleich wieder die Regale leerräumt.

 
„Aber durch diese Maßnahmen fassen die Menschen Vertrauen zu uns“, erklärt Seeger. Und das erleichtere den Beamten am Ende die Arbeit – bei bis zu 39,5 Grad im Schatten. „Ich geize eigentlich mit dem Wort Stolz“, sagt Kröger. „Aber in diesem Fall muss ich sagen, dass ich stolz darauf bin, wie mein Team diesen Auftrag umsetzt.“ rf

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