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Erik Marquardt hat mit Flüchtlingen auf ihrem Weg gesprochen

Bericht von der Balkanroute Erik Marquardt hat mit Flüchtlingen auf ihrem Weg gesprochen

Bei drei Reisen hat Erik Marquardt, Bundespressesprecher der Grünen Jugend, Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Westeuropa getroffen. Er war auf der sogenannten Balkanroute unterwegs, hat den mühevollen Weg der Flüchtlinge fotografisch dokumentiert und darüber bei den Jusos berichtet.

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Quelle: Krizsan/dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Im August war Marquardt drei Wochen auf der Route unterwegs. Seine Reise begann auf der griechischen Insel Lesbos, wo Flüchtlinge mit Schlauchbooten aus der Türkei landen. „Die Boote werden nur einmal benutzt“, erklärt Marquardt. Die Schlepper wiesen die Flüchtlinge an, die Boote zu zerschneiden, wenn sie ankommen, damit eine Rückkehr unmöglich ist. Marquardt Fotos zeigen die Ankunft der mit Menschen vollgestopften Schlauchboote – und manchmal daneben Touristen am Strand.

Bei den Flüchtlingen, die den Weg über das Mittelmeer geschafft haben, gebe es kurzzeitig eine „krasse Freude“ darüber, dass sie in Europa gelandet seien. Er habe beispielsweise mit einem Studenten aus Syrien gesprochen, der unter dem Machthaber Baschar al-Assad keinen Wehrdienst habe leisten wollen, erzählt Marquardt.

Die Landung auf Lesbos ist für die Flüchtlinge allerdings nur der Auftakt für eine strapaziöse Reise nach Westeuropa, die Marquardt in eindrucksvollen Bildern festgehalten hat. Sie zeigen völlig überfüllte Flüchtlingscamps, im Freien schlafende Menschen, nächtliche Grenzüberquerungen, lange Warteschlangen. Der Weg führt über Mazedonien, Serbien oder Kroatien und Ungarn nach Österreich oder Deutschland. Die Transitländer lassen die Flüchtlinge zum großen Teil ziehen. Doch die Menschen, die vor Krieg, Vertreibung und Verfolgung flüchteten, seien teilweise Strapazen, Repressalien und Kriminellen ausgesetzt und auf Schlepper angewiesen, so Marquardt. Zudem sei die Verunsicherung aufgrund der ständig wechselnden Rahmenbedingungen in der Flüchtlingspolitik groß.

Ein Flug von Istanbul nach Berlin koste weniger als 100 Euro, stehe den Flüchtlingen aber wegen der Visumspflicht nicht offen. Stattdessen müssten sie auf der Balkanroute 5000 bis 7000 Euro an Schlepperbanden zahlen, kritisierte Marquardt. Die Schlepperbanden zu bekämpfen ändere nichts daran, dass es Menschen mit Fluchtgründen gebe. Für sie würden nur die Routen dann noch gefährlicher.

Marquardt traf auf der Reise auch Helfer und engagierte sich selbst. Doch er habe dabei die Erfahrung gemacht, sich selbst abgrenzen zu müssen, weil ein Einzelner nicht allen Flüchtlingen helfen könne.

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