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Flüchtlinge: Immer mehr Göttinger wollen helfen

Viele Nachfragen Flüchtlinge: Immer mehr Göttinger wollen helfen

Immer mehr Flüchtlinge werden in Göttingen und der Region aufgenommen – und immer mehr Menschen wollen ihnen helfen und sich ehrenamtlich engagieren. „Die Anfragen haben stark zugenommen“, sagt Indira Khalikova vom Göttinger Migrationszentrum. So stark, dass sie diese kaum noch bewältigen könne.

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Indira Khalikove berät am den syrischen Flüchtling Nehlawe Hashem.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Grund sei „der sehr große Anlauf von Flüchtlingen“, sagt Khalikova, die sich im Migrationszentrum für Stadt und Landkreis in Trägerschaft des Diakonieverbandes Göttingen darum kümmert, die zahlreichen ehrenamtlichen Hilfsangebote zu koordinieren.

Jeden Tag gebe es schreckliche Meldungen über Flüchtlingsschicksale in den Medien. „Die Bürger möchten helfen, den Alltag der Flüchtlinge zu erleichtern – mit Spenden oder ihrer eigenen Zeit.“ Täglich meldeten sich neben Flüchtlingen auch zunehmend Ehrenamtliche bei ihr – „mit tollen Angeboten und Ideen. Das erleichtert unsere Arbeit immens“. Beim Migrationszentrum seien mittlerweile 125 Ehrenamtliche eingetragen, die Flüchtlinge unterstützen möchten.

Eine Hebamme zum Beispiel habe sich angeboten, schwangere Flüchtlingsfrauen bei der Geburtshilfe zu unterstützen. Eine Studentin wolle beim Anfertigen von Bewerbungen helfen. Und eine Zauberkünstlerin wolle mit Flüchtlingskindern arbeiten. „Meine Aufgabe ist es, beide Parteien zusammenzubringen“, sagt Khalikova. „Da steckt sehr viel Arbeit drin.“ Zudem bleibe sie auch nach der Vermittlung von Ehrenamtlichen deren Ansprechpartnerin.

Zum Glück hätten sich mittlerweile in Göttingen 14 Unterstützergruppen gegründet, hervorgegangen aus Stadtteilbüros, Hochschulgruppen oder zusammengeschlossen über das soziale Netzwerk Facebook im Internet. Die Facebook-Gruppe „Gemeinsam in Göttingen“ sei derzeit besonders gefragt, sagt Khalikova. Sie habe sich zu einer Plattform für Flüchtlinge und Ehrenamtliche entwickelt. „Ich poste da auch etwas. Das funktioniert sehr gut.“
Zudem arbeite sie eng mit Nachbarschaftszentren oder der Initiative „Göttingen hilft“ zusammen. Auch die Kirchengemeinden in Stadt und Landkreis unterstützten die Flüchtlinge. „Die Ehrenamtlichen können sich also auch an die jeweiligen Kirchengemeinden vor Ort wenden.“ Wer Wohnraum für Flüchtlinge anbieten möchte, kann sich bei Stadt oder Landkreis Göttingen melden.

Das große Spendenaufkommen hingegen bereite ihr Kopfzerbrechen. „Es gibt sehr viele Anfragen von Göttingern, die Kleidung, Möbel oder Hygieneartikel abgeben wollen“, sagt Khalikova. Das sei auch sehr wichtig. „Wir haben aber leider keine räumlichen Kapazitäten.“ Auch die Kleiderkammer der Caritasstelle in Friedland ist derzeit gut gefüllt. Gesucht werden dort jetzt eher ehrenamtliche Mitarbeiter, die die Kleidung sichten, sortieren und ausgeben – und Kinderwagen.

► Indira Khalikova ist per E-Mail an seiwillkommen@migrationszentrum-goettingen.de oder unter Telefon 0551/55766 zu erreichen. Internet: www.migrationszentrum-goettingen.de

„Wir brauchen unbedingt noch mehr Ehrenamtliche“

Hilfe bekommen Flüchtlinge an vielen Stellen in Göttingen. Vertreter unterschiedlicher Institutionen erklären, wie und mit was Bürger ihnen am besten helfen können.

Mittlerweile seien mehr als 300 Flüchtlinge bei der Göttinger Tafel registriert, sagt Geschäftsführerin Martina May. „Das sind alles sehr nette, freundliche, tolle Menschen.“ Und auch wenn es immer mehr würden: „Wir kommen prima hin.“ An Lebensmitteln werde alles gebraucht: frisches Obst, Gemüse, original verpackte Ware. Eingemachtes und ähnliches dürfe die Tafel hingegen nicht annehmen. Derzeit versuche die Tafel auch, gezielt kleine Lebensmittelläden, die Produkte aus anderen Ländern anbieten, anzusprechen. Bürger könnten sich am besten beim Sortieren und bei der Ausgabe der Lebensmittel einbringen. „Da brauchen wir unbedingt noch mehr Ehrenamtliche“, sagt May. Göttinger Tafel, Mauerstraße 16-17, Telefon 05 51 / 5 10 30. Internet: www.goettingertafel.org.

Der Verein Förderer der Straßensozialarbeit schafft unterdessen mehr Raum für seine Kleiderkammer. Bürger, die helfen wollen, sollten einige Dinge beachten, bittet Elke Niemeyer-Friebe vom Verein.  Bei Kleiderspenden sollte neben der ungefähren Größe schriftlich vermerkt werden, ob es sich um Frauen,- Männer- oder Kinderkleidung handelt. Zudem sollten sie nach gewaschen und ungeschwaschen sortiert werden. Man wolle allen Wünschen gerecht werden „Zum Beispiel suchen Frauen aus Syrien lange und große Oberteile. Hinzu kommen Leggings und große bunte Tücher.“ Zudem gibt es ein Hausrat- und Möbellager. „Von Flüchtlingen werden oft Koffer und Kochtöpfe nachgefragt“, sagt Niemeyer-Friebe. Schlafsäcke und Zelte würden vor allem von Wohnungslosen benötigt. Förderer der Straßensozialarbeit, Rosdorfer Weg 17, Telefon 05 51 / 3 09 74 97. Internet: www.foerderer-straso.de.

Im Weststadtbüro gibt es ebenfalls eine Kleiderkammer. Benötigt werden vor allem Bettzeug, Spannbetttücher und Handtücher – und für die Fahrradwerkstatt gebrauchte Fahrräder. Weststadtbüro, Pfalz-Grona-Breite 84, Telefon 05 51 / 2 76 58 64. Internet: www.weststadtzentrum.de. Öffnungszeiten: Mo-Do von 09:00 bis 16:30 Uhr und Fr von 09:00 -13:00 Uhr.

Die Beschäftigungsförderung sucht ebenfalls gebrauchte Fahrräder. Diese werden verkehrssicher gemacht und an Flüchtlinge abgegeben. Auch Fahrradhelme und Zubehör werden benötigt. Beschäftigungsförderung Göttingen, Bürgerstraße 48, Telefon 05 51 / 4 00 28 89. Internet: www.bfgoe.de.

Wie und mit was Bürger Flüchtlingen in Göttingen und der Region helfen können, dazu hat das Tageblatt eine interaktive Karte erstellt (siehe weiter oben). Bitte melden Sie weitere Angebote und Ansprechpartner für die Karte per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de.

 

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