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Fünf neue Unterkünfte für 840 Flüchtlinge in Göttingen

Thema des Tages Fünf neue Unterkünfte für 840 Flüchtlinge in Göttingen

Die Stadt Göttingen plant im nächsten Jahr fünf neue Unterkünfte mit Platz für rund 840 Flüchtlinge. Das Tageblatt zeigt auf einer Karte, wo die neuen Wohnheime geplant sind und was sie – soweit das bereits feststeht – kosten werden. Außerdem auf der Karte zu sehen: die bereits bestehenden größten Unterkünfte.

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Vorbereitungen für die Unterbringung von Flüchtlingen

Quelle: Rentschka

Göttingen. Rund 1230 Flüchtlinge muss die Stadt Göttingen allein in diesem Jahr unterbringen. Für das nächste Jahr rechnet sie mit mindestens genauso vielen. Doch Wohnraum ist knapp. Jetzt sollen so schnell wie möglich fünf neue Unterkünfte für 840 Flüchtlinge gebaut werden.

 
Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) spricht von einer „gewaltigen Anstrengung“ und „einer Menge Arbeit“, die notwendig sei, um diesen Plan in die Tat umzusetzen. Auf dem Weg dorthin sollen die Bürger so gut wie möglich mitgenommen werden. Daher sollen die städtischen Planungen in einer Informations- und Diskussionsveranstaltung noch im Dezember dieses Jahres öffentlich vorgestellt werden.

 
Hinter den Kulissen arbeitet die Verwaltung derweil mit Hochdruck daran, die Auswirkungen der Flüchtlingskrise auf die Stadt Göttingen zu meistern. Denn im Zuge der Amtshilfe für das Land müssen zusätzlich zu den 1230 Flüchtlingen weitere Geflüchtete aufgenommen werden. Dafür wird derzeit die ehemalige Bundeswehrsporthalle auf den Zietenterrassen hergerichtet.

 

 

 
Dort arbeiten seit einigen Tagen Stadtverwaltung, Berufsfeuerwehr, THW, freiwillige Feuerwehr, Göttinger Sport und Freizeit GmbH, der SC Hainberg und das DRK als künftiger Betreiber der Unterkunft Hand in Hand – und zeigen, was Göttinger in einer Notsituation zu leisten im Stande sind. „Alle haben hier in den letzten Tagen so hervorragend an einem Strang gezogen, das ist schon klasse“, sagte Martin Schäfer, Leiter der Göttinger Berufsfeuerwehr, am Freitag. Alle der rund 80 Helfer seien hochmotiviert und hätten „richtig rangeklotzt“. Sie verlegten Fußböden, stellten Betten auf, sicherten die Stromversorgung und stellten Bauzäune auf. Selbst eine WLAN-Anbindung wurde bereits installiert. Jetzt sei die Halle zu 90 Prozent fertig, sagt Schäfer. Nur die Container für Duschen und Toiletten fehlten noch.

 
Ebenso konzentriert und zügig möchte die Stadtverwaltung auch die neuen Bauprojekte angehen. Baubeginn soll so früh wie möglich im nächsten Jahr sein, die Bauzeit jeweils sechs Monate betragen. Das werde die Stadt vor „große Herausforderungen stellen“, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Bei der Suche nach weiteren Standorten für Flüchtlingsunterkünfte bemühe sich die Stadt um eine „Verteilung im gesamten Stadtgebiet“.

 
Wichtig sei dabei der Aspekt der Nachnutzung: für sozialen Wohnungsbau an den neuen Standorten Europaallee, in Grone und am Hagenweg, für Studenten an der Nohlstraße, für ein weiteres Gründerzentrum in der Telekom-Immobilie. „Die Nachnutzungsmöglichkeiten machen die Investitionen selbst für das auf fünf Jahre begrenzte Projekt Zietenterrassen, das anschließend an anderem Standort wieder aufgebaut werden kann, wirtschaftlich“, erklärt Johannson.
Eines müssten die Zahlen erwarteter Flüchtlinge aber jedem klar machen: „Wir brauchen unbedingt Notfallplanungen, Stichwort Turnhallen, um jederzeit reaktionsfähig sein zu können.“ Und natürlich das Verständnis und die Mithilfe der Bürger.

 

Kommentar: Kein Platz für Krämerseelen

Unterkünfte für mehr als 1000 Flüchtlinge in diesem Jahr, mindestens ebenso viele im nächsten Jahr. Für Göttingen, in dem das Thema Wohnraum ohnehin mehr Problem als Potenzial ist, bedeutet das eine große Herausforderung. Für Rat, Verwaltung und die Bürger. Auf den Akteuren in der Kommunalpolitik lastet immenser Druck, und die angespannte Situation verträgt weder Nickeligkeiten, taktische Geplänkel noch kleinliches Getue. Unabhängig vom Stand aktueller Debatten in der sogenannten "großen Politik" um Flüchtlingsströme, Asylgründe, Herkunftsländer und Zuwanderungskritierien: Es geht um Menschen, die unserer Hilfe bedürfen und Unterkunft benötigen. Nicht abstrakt, nicht theoretisch, nicht irgendwo, sondern ganz konkret hier und jetzt. Hier gibt es genügend Platz für Menschen auf der Flucht, aber nicht für Krämerseelen und Wirrköpfe.

 

Christoph Oppermann

E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @tooppermann

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