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Göttingen, Osterode, Eichsfeld: Wohnungen für Geflüchtete fehlen

Pestel-Institut legt Analyse vor Göttingen, Osterode, Eichsfeld: Wohnungen für Geflüchtete fehlen

Der Landkreis und die Stadt Göttingen benötigen in diesem Jahr rund 1200 zusätzliche Wohnungen für Geflüchtete. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover im Auftrag der Industriegewerkschaft Bau. Auch in den Landkreisen Osterode, Northeim und Eichsfeld fehlten Wohnungen.

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Der Landkreis und die Stadt Göttingen benötigen in diesem Jahr rund 1200 zusätzliche Wohnungen für Geflüchtete. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover im Auftrag der Industriegewerkschaft Bau.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steige der gesamte Wohnungsbedarf für Göttingen im laufenden Jahr auf rund 2460 Wohnungen.

In den vergangenen Jahren seien in Kreis und Stadt Göttingen allerdings im Schnitt nur rund 310 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt worden. „Um eine handfeste Wohnungskrise zu vermeiden, muss dringend neuer Wohnraum her. Immerhin braucht der Landkreis Göttingen in diesem Jahr 7,9-mal so viele Wohnungen wie bislang jährlich überhaupt neu gebaut wurden“, sagte Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. Auch in den kommenden Jahren müsse sich der Landkreis Göttingen auf einen „hohen Wohnraumbedarf einstellen“. 

Auch im Landkreis Osterode werden Wohnungen für Geflüchtete benötigt: 350 noch in diesem Jahr. 640 Wohnungen muss nach der Studie der Landkreis Northeim für Geflüchtete zur Verfügung stellen. Der Gesamtbedarf an Wohnungen liegt in Northeim bei 420 und in Osterode bei 150. 

"Gut" 500 Wohnungen für Geflüchtete fehlen 2015 nach Untersuchungsergebnissen im Eichsfeldkreis. 

Für die vier Kreise sieht es Günther als dringend erforderlich an, mehr in den Bereichen Neubau und Sanierungen von leerstehenden Wohnungen zu tun. So seien im Landkreis Osterode in den vergangenen Jahren im Schnitt nur rund 60 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt worden. Im Eichsfeldkreis waren es nur rund 210, in Northeim 80. Während in Göttingen der Bedarf hauptsächlich durch Neubauten gedeckt werden könne, könne dies in Osterode und Northeim durch Sanierungen geschehen.

Weder in Osterode, Northeim, Göttingen oder im Eichsfeldkreis dürfe es ein "Weiter so " geben, warnte Günther: Bleibe es bei dem starken Flüchtlingszuzug, müssten sich die Kreise auch in den kommenden Jahren darauf einstellen, "dass noch mehr Wohnungen gebraucht werden“, sagte Günther.

Zwei „Mangelerscheinungen“ haben die Wissenschaftler für die drei Kreise erkannt: bezahlbare Wohnungen und vor allem Sozialwohnungen. "Also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen in der Regel nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, sagte Günther.

Hinter der Untersuchung steht die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Die IG BAU hat gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) die Wohnungsmarkt-Analyse in Auftrag gegeben.

Gemeinsam sprechen sich die Vertreter der Baubranche für eine Ankurbelung vom Wohnungsneubau und für eine Offensive bei der Sanierung leerstehender Wohnungen aus. Ebenso für einen Neustart des sozialen Wohnungsbaus. Erreicht werden könne dies, so das Pestel-Institut, durch zinslose Darlehen und Investitionszulagen für genossenschaftliche und kommunale Wohnungsunternehmen.

Um private Investoren zu gewinnen, schlagen die Pestel-Wissenschaftler steuerliche Anreize wie schon bei der letzten großen Zuwanderungswelle in den 90er-Jahren vor. „Wenn private Investoren bezahlbare Wohnungen bauen sollen, dann wird das ohne steuerliche Anreize nicht funktionieren“, sagte Günther.

Die 500 Millionen Euro, die der Bund bis 2020 an die Länder für den sozialen Wohnungsbau zahle, würden nicht reichen, sagte Günther. Bestenfalls könnten bundesweit dadurch zwischen 10000 und 12000 Wohnungen neu entstehen. "Das ist eine Kapazität, die eine Großstadt nur so wegschluckt. Der Landkreis Göttingen wird davon nicht wirklich spürbar profitieren“, sagte Günther.

Er appellierte an die Bundestagsabgeordneten: „Es muss dringend etwas passieren. Andernfalls droht eine Wohnungskrise, die das Potenzial hat, an vielen Orten zu erheblichen sozialen Spannungen zu führen.“ Politisch müsse der Neubau und das Sanieren von Wohnungen als Konjunkturmotor neu entdeckt werden.

"Ein Mangel an Wohnraum für Flüchtlinge besteht derzeit nicht."

Ulrich Lottmann, Sprecher des Landkreises Göttingen, bemängelt die fehlende „differenzierte Betrachtung der Stadt Göttingen und den Mittel- und Grundzentren des Landkreises“ in der Pestel-Analyse. Sowohl hinsichtlich des Bedarfs an Wohnraum und beim Angebot als auch mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Instrumente beim Wohnungsneubau gebe es „große Unterschiede“.

Mit der aktuellen Quote vom September seien dem Landkreis Göttingen bis Dezember 170 Flüchtlinge zugewiesen worden, kommentierte Lottmann die Aussage, es würden allein 1200 Wohnungen für Flüchtlinge zusätzlich gebraucht „Davon wurden 43 bereits zuvor untergebracht, sodass rund 130 Menschen in diesem Zeitraum unterzubringen sind.

Dies ist möglich über eine dezentrale Unterbringung mit Angeboten auf dem freien Wohnungsmarkt. Ein Mangel an Wohnraum für Flüchtlinge besteht derzeit nicht.“ Für das kommende Jahr sei die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge noch nicht vorhersehbar, so Lottmann. Dies könnten bis zu 1000 Menschen sein. Auch dann werde versucht, weiter auf Angebote auf dem freien Markt zurückzugreifen.

Gegebenenfalls werde auch eine – zumindest zeitweise – zentrale Unterbringung in größeren Objekten notwendig, sagte Lottmann. "Ob und in welchem Umfang dies eintritt, ist aktuell aber reine Spekulation." Deshalb sei an diesem Punkt eine Stellungnahme zu den Zahlen der Pestel-Studie kaum möglich. Über eine eigene Wohnungsbaugesellschaft verfüge der Landkreis Göttingen nicht.

"Fragen der Ankurbelung des Wohnungsneubaus beziehungsweise des sozialen Wohnungsbaus müssen auf Bundes- beziehungsweise Landesebene geklärt werden", sagte Lottmann.

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