Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Göttinger Diakonie qualifiziert Ehrenamtliche für Flüchtlingsarbeit

Helfen will gelernt sein Göttinger Diakonie qualifiziert Ehrenamtliche für Flüchtlingsarbeit

Viele Menschen in Deutschland wollen Flüchtlingen zur Seite stehen und sie etwa bei Behördengängen unterstützen. Doch bei vielen Detailfragen stoßen sie an Grenzen. Ein Kurs in Göttingen will Interessierten das nötige Hintergrundwissen vermitteln.

Voriger Artikel
Schlapeit-Beck berichtet über Flüchtlingsunterbringung in Göttingen
Nächster Artikel
Flüchtlingsunterricht am Duderstädter Gymnasium

Qualifizierung für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer am 12.11.2015 im Petri-Haus in Göttingen.

Quelle: epd

Göttingen. Tagsüber büffelt die Göttinger Jura-Studentin Christina Haeseler für das Examen. Abends in der "Tagesschau" sieht sie die Bilder von zerbombten syrischen Städten und von Flüchtlingstrecks auf dem Balkan. An der Universität "hat man das Gefühl, man lebt an der Realität vorbei", sagt sie. "In Syrien kann man ja nicht so ohne weiteres helfen", fügt die 25-Jährige an. "Den Flüchtlingen hier helfen kann man schon."

 

Helfen will aber gelernt sein. Die Studentin kann sich vorstellen, Flüchtlinge bei Behördengängen oder Arzt- und Anwaltsbesuchen zu begleiten oder Kinder zu betreuen. Um sich auf ihr Engagement vorzubereiten, nimmt Haeseler an einer Qualifizierung für ehrenamtliche Unterstützer teil. Träger des Angebotes ist das Göttinger Migrationszentrum, eine Abteilung im örtlichen Diakonieverband. Der erste Kurs läuft seit Anfang Oktober mit rund 30 Interessierten. "Wir hätten ein Vielfaches davon aufnehmen können", erzählt Kursleiterin Indira Khalikova. "Doch das lassen die begrenzten Räumlichkeiten nicht zu."

 

Bei den in der Regel wöchentlichen Treffen vermitteln Referenten den Teilnehmern unter anderem Grundlagen zum Asyl-, Ausländer- und Aufenthaltsrecht. "Die gesetzlichen Regelungen in dem Bereich ändern sich ja fast halbtäglich", sagt Konrad Kelm, einer der wenigen Männer in der Gruppe. In anderen Sitzungen beschäftigen sich die Teilnehmer mit Flucht und Traumatisierung. Und mit interkultureller Kompetenz - also der Fähigkeit, mit Menschen aus anderen Kulturkreisen umzugehen und zusammenzuarbeiten.

 

An diesem Abend geht es um das Thema soziale Leistungen, 23 Frauen und drei Männer aus dem Kurs sind ins evangelische Petri-Haus im Stadtteil Grone gekommen. Joachim Bons von der IG Metall spricht über Arbeitslosengeld und Sozialhilfe, wirft Folien mit Tabellen zu Wohngeld und Kinderzuschlag auf den Projektor, kritzelt Berechnungen zu Regelleistungen, Extra-Ausstattung und Mehrbedarf auf das Flipchart. Immer wieder unterbricht die Runde den Vortrag. "Wann haben Flüchtlinge Anspruch auf Hartz IV?", will eine Teilnehmerin wissen. "Wie ist das denn nun mit den Sachleistungen für Asylbewerber?", fragt eine andere. "Wer zahlt die Schulsachen?", erkundigt sich eine Frau, die einen jugendlichen Flüchtling bei sich aufgenommen hat. Nicht auf alles weiß der Gewerkschaftsmann eine befriedigende Antwort. Manches Gesetz sei vor Ort noch gar nicht umgesetzt, und viele Regeln würden von den Sachbearbeitern unterschiedlich ausgelegt. "Auch für diejenigen, die einen Flüchtling zum Amt begleiten, gilt als Faustregel, sich nicht abwimmeln zu lassen", sagt Bons. "Und immer auf einen schriftlichen Bescheid bestehen."

 

Der von der Klosterkammer Hannover geförderte Kurs dauert noch bis Ende November. Dann erhalten alle Absolventen ein Zertifikat, das sie als qualifizierte Flüchtlingshelfer ausweist. Für Christina Haeseler hat sich die Teilnahme schon jetzt gelohnt. "Ich fand bislang alles sehr, sehr spannend und habe viel gelernt", erzählt sie. Das gelte nicht nur für das Fachliche. "Es ging und geht hier ja auch darum, eigene Verhaltensmuster und Fehler zu erkennen und zu überprüfen." Gerade für den Umgang mit Flüchtlingen sei dies besonders wichtig. epd

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Vor 25 Jahren erhielt der Göttinger Wissenschaftler Erwin Neher den Nobelpreis