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Göttinger Verein hilft Flüchtlingen

„Das Elend lindern“ Göttinger Verein hilft Flüchtlingen

Europa steht am Rande der größten Flüchtlingskatastrophe seit Bestehen der Europäischen Union. Das Leid der Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen, ist nach Ankunft auf dem europäischen Kontinent groß, der Göttinger Verein Kali:Mera, der sich am Donnerstag vorgestellt hat, hilft jetzt ganz konkret.

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Göttingen. Kali:Mera (griechisch „Guten Tag“), eine Abkürzung, die etwas um die Ecke gedacht ist:

  Ka tastrophe in Lesbos li ndern: Hilfe für Me nschen am Ra nd. Die bisher acht Vereinsmitglieder haben bereits jetzt, zwei Monate nach Vereinsgründung, mehrere Projekte auf der griechischen Insel Lesbos angestoßen. Lesbos liegt nur wenige Kilometer vor der türkischen Küste, ist deshalb Anlaufpunkt für tausende Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Die Zustände auf der Insel sind mittlerweile katastrophal, manche sprechen von dem „Lampedusa Griechenlands“.

Zu Lesbos haben die Vereinsmitglieder alle eine besondere Beziehung. Ferienhäuser, Urlaube, langjährige Freundschaften - sie fühlen sich mit der Insel verbunden. „Da bricht eine Katastrophe aus, da kann man nicht einfach in der Taverne sitzen und Ouzo trinken“, erklärt Andreas Stephainski, der zweite Vorsitzende des Vereins. „Wir müssen einfach etwas tun und versuchen das Leid zu lindern.“ Es sei nur ein „Tröpfchen auf den sehr heißen Stein“, wie der Journalist und Verleger sagt, dennoch wird klar, wie sehr Stephainski auch selbst von der Situation der Flüchtlinge bewegt ist, wie viel Energie er in die Projekte steckt.

Stephainski, der vor wenigen Wochen in Lesbos war und die ersten Projekte gestartet hat, erzählt: „Täglich kommen 50, 60, manchmal bis zu 100 völlig überladene Boote. Die Menschen erreichen den Strand und sind erschöpft aber jubeln - dabei wissen sie noch gar nicht, was ihnen noch alles bevorsteht.“ Zum Beispiel das Flüchtlingslager Moria im Osten der Insel. Dort herrschen „apokalyptische Zustände“, wie Stephainski erklärt. Hier hilft der Verein bereits und stellt Lebensmittel, vor allem auch für Kleinkinder, bereit. In einem weiteren Lager plant der Verein die Einrichtung einer Krankenstation.

„Aber wir kümmern uns nicht nur um Flüchtlinge“, so Stephainski. „Wir versuchen auch um bedürftige Griechen, für die das soziale Netz bereits gerissen ist.“ Gerade das habe ihnen auf der Insel einige Türen geöffnet.

Und der Verein hat bereits prominente Unterstützung: Rupert Neudeck, der Ende der 70er Jahre mit dem Schiff „Cap Anamur“ tausende vietnamesische Flüchtlinge, sogenannte „Boatpeople“ rettete, begleitet Kali:Mera und sei wie ein Mentor, erzählt Stephainski.

In wenigen Tagen fliegt Stephainski wieder nach Lesbos - noch mehr Projekte, noch mehr Hilfe.

Europa steht am Rande der größten Flüchtlingskatastrophe seit Bestehen der Europäischen Union. Das Leid der Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen, ist nach Ankunft auf dem europäischen Kontinent groß, der Göttinger Verein Kali:Mera, der sich am Donnerstag vorgestellt hat, hilft jetzt ganz konkret. © EF

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Die Helfer

Acht Gründungsmitglieder zählt der Verein Kali:Mera. An der Spitze stehen Werner Gnieser, erster Vorsitzender, und Andreas Stephainski, zweiter Vorsitzender.

Beide sind berufstätig, die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe nimmt den größten Teil ihrer Freizeit ein. „Ich muss mich manchmal selbst mit Gewalt dazu zwingen, überhaupt noch meinem normalen Job nachzugehen“, erzählt Stephainski. „Man sieht das Elend, fotografiert es. Man kann da nicht abschalten, die Bilder bleiben im Kopf.“ Außerdem spüre er eine Verantwortung, aufgrund der Spenden, die der Verein bisher eingenommen hat.

Unterstützung bekommen die Flüchtlingshelfer auch von Rupert Neudeck. „Er ist wie ein Mentor für mich“, berichtet Stephainski. Die beiden kennen sich seit über 30 Jahren, Stephainski war 1979 auf Neudecks Boot „Cap Anamur“ dabei, mit dem vietnamesische Flüchtlinge im südchinesischen Meer gerettet wurden. Von Neudeck stammt auch der Satz, der zur inoffiziellen Leitlinie von Kali:Mera wurde: „Kauf einen Sack Reis, aber sorge auch dafür, dass 100 Prozent davon auf dem Teller der Flüchtlinge landet“ - kein Cent soll für Verwaltung aufgewendet werden, jegliche Arbeit ehrenamtlich erledigt werden, alle Spenden komplett an die Flüchtlinge gehen, erklärt Stephainski.

Für die Organisation vor Ort greift den Vereinsmitgliedern der Deutsch-Grieche Theo Valakos unter die Arme. Valakos lebt in Lesbos, hat aber zuvor jahrelang in Göttingen gewohnt und als Radio- und Fernsehtechniker gearbeitet. Er öffnet in Lesbos viele Türen für den Verein, vereinbart Termine mit Politikern und Organisationen, knüpft neue Kontakte.

Sie alle treibt laut Stephainski eines an: „Göttingen hat eine tolle Willkommenskultur. Wir wollen ein Stück der Göttinger Hilfe nach Lesbos bringen.“

Die Projekte im Überblick

Moria und Karatepe – so heißen die zwei großen Flüchtlingslager in Lesbos. Die Zustände vor Ort sind laut Andreas Stephainski katastrophal. Medizinische Versorgung und sanitäre Einrichtungen seien dringend verbesserungswürdig. Der griechische Staat sorge hier ebenfalls nur für eine karge Grundversorgung mit Lebensmitteln. Hier hat Kali:Mera auch das erste Projekt gestartet. In Zusammenarbeit mit einem lokalen Catering-Unternehmen sorgt der Verein für eine Versorgung der Flüchtlinge. Dabei legt der Verein ein besonderes Augenmerk auf Babynahrung, Milch und Obst. Vor allem die Versorgung von Kleinkindern und Babys war vorher nicht sichergestellt, erklärt Stephainski.

Ein weiteres Projekt treibt der Verein im „Dorf für Alle“ voran. Das Dorf ist ein privat organisiertes kleines Flüchtlingslager, in dem viele kranke Flüchtlinge unterkommen. In dem Lager arbeiten eine Ärztin, sowie eine Krankenschwester, allerdings unter „rudimentären Bedingungen“, wie Stephainski erläutert. Ziel von Kali:Mera ist es, im „Dorf für Alle“ eine Krankenstation einzurichten, um die medizinische Versorgung dort zu sichern.

Ein drittes Projekt richtet sich an die verarmte Einheimische. Stephainski spricht von der „verborgenden Not“ der Griechen. „Der überforderte griechische Staat kann mit seinen ökonomischen Problemen nicht mehr die Versorgung ärmerer Menschen sicherstellen“, so Stephainski. Kali:Mera unterstützt daher die griechisch-orthodoxe Kirche in der Stadt Mytilini in Lesbos, die dort eine Armenspeisung betreibt. Der Verein stellt der Kirche einen neuen Dampfofen zur Verfügung, durch den die Anzahl der Essensportionen stark gesteigert werden könne. In Kürze soll der Ofen angeliefert werden, Stephainski wird dann wieder nach Lesbos reisen.

Mehr Informationen zu Kali:Mera gibt es im Internet unter kali-mera.org.

Spenden können an folgendes Konto gerichtet werden:

KALI:MERA e.V.
Sparkasse Göttingen
Kto.Nr. 560 529 21
BLZ: 260 500 01
IBAN: DE79 2605 0001 0056 0529 21
BIC : NOLADE21GOE

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