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Ibrahim Ammar musste Syrien verlassen

Flüchtlinge im Porträt Ibrahim Ammar musste Syrien verlassen

Eigentlich wollte Ibrahim Ammar seine Heimat in Syrien nicht verlassen. Bis sein Name auf einer Liste des Nachrichtendienstes auftauchte und er wusste, dass er keine andere Wahl hat, als zu fliehen.

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Der 22-jährige Ammar lebt seit mittlerweile neun Monaten in Göttingen und arbeitet als fest angestellter Übersetzer bei verschiedenen Sozialdiensten.

Quelle: EF

Göttingen. Der 22-jährige Ammar lebt seit mittlerweile neun Monaten in Göttingen und arbeitet als fest angestellter Übersetzer bei verschiedenen Sozialdiensten.

Der junge Mann floh vor dem IS, vor der Nusra-Front, vor Assad. „Eigentlich vor jedem, der eine Waffe hat“, meint Ibrahim Ammar. „Man kann nicht einfach jemanden umbringen, nur weil er nicht deiner Meinung ist.“ Freiwilligenarbeit, ähnlich wie er sie in Göttingen macht, kostete Ammar in Syrien seine Heimat.

Gemeinsam mit einem Freund organisierte er Blutspenden für Menschen mit Leukämie. „Die Blutbanken in Syrien geben den Großteil der Reserven an das Militär, sodass für die Kranken nichts übrig bleibt“, berichtet Ammar. Es war alles legal, dennoch nahm ihn der Nachrichtendienst zweimal fest. „Anscheinend hatten sie Angst, wir würden ihnen etwas wegnehmen.“ Bei der zweiten Festnahme wurde er bedroht. Beim nächsten Mal würde er ins Gefängnis kommen, sagten sie ihm. „Aus dem Gefängnis kommt man lebend nicht so einfach raus“, erzählt Ammar. Wenig später erhielt er den Anruf, dass sein Name auf der Abschussliste des Nachrichtendienstes stand.

Nach einer Odyssee durch mehrere Länder gelangte Ammar schließlich ins Durchgangslager Friedland. Seinem Asylantrag gaben die deutschen Behörden schnell statt. Schon während der Wartezeit begann er, freiwillig als Übersetzer zu arbeiten. Mittlerweile hat er eine eigene Wohnung in Göttingen. Auch seine Mutter und sein Bruder, die nach ihm geflohen sind, wohnen mittlerweile dort.

Nach Syrien zurückkehren würde er nicht, auch wenn die Lage dort sich verbesserte. „Ich habe mir hier ein Leben aufgebaut, ich habe einen Job, ich habe Freunde. In Syrien ist niemand, mit dem ich ein Leben aufbauen könnte. Die meisten meiner Freunde, die dort geblieben sind, sind tot.“

Von Flora Hallmann

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