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Jugendhilfe Südniedersachsen kümmert sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

„90 Prozent der Jungs sind hochgradig motiviert“ Jugendhilfe Südniedersachsen kümmert sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

120 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben derzeit in Hann. Münden. Unter Obhut des Landkreises Göttingen werden sie von der Jugendhilfe Südniedersachsen (JSN) betreut. „90 Prozent der Jungs sind hochgradig motiviert“, so Heiko Keller, Leiter der JSN-Unterkunft in der früheren Kurhessenkaserne.

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Wollen schnell Deutsch lernen: Mahdi Hajizada (links) und Mehammad Samir Mohammaidi.

Quelle: BE

Hann. Münden. Die Hälfte der jugendlichen Flüchtlinge in Münden lebt in einem umgebauten Gebäude der ehemaligen Kaserne, für die anderen hat der Landkreis Räume in den Hotels Schmucker Jäger und Zur Fulda angemietet. Es sind fast ausnahmslos junge Männer, die ihre Heimatländer verlassen haben und nun in Hann. Münden leben. Sie stammen aus Eritrea, Afghanistan, Syrien und dem Irak. Der jüngste Flüchtling, den die JSN in der Kurhessenkaserne betreut, ist ein Elfjähriger aus dem Irak. Die meisten anderen, die sich hier zumeist zu viert ein Zimmer teilen, sind zwischen 15 und 17 Jahre alt, berichtet Keller.

Unter ihnen sind Mahdi Hajizada (15) und Mehammad Samir Mohammaidi (16). Beide stammen aus Afghanistan und sind seit vier Monaten in Deutschland. Wie die meisten Jugendlichen, die der JSN betreut, hätten auch sie „jede Menge traumatischer Erfahrung“, sagt Keller. Er bittet darum, sie nicht zu den Umständen ihrer Flucht zu befragen. Überhaupt biete die JSN den unbegleiteten Minderjährigen eine geregelte Tagesstruktur. Damit soll vermieden werden, dass sie ständig ins Grübeln kommen über das, was sie erlebt haben, erläutert JSN-Geschäftsführer Jürgen Stierand.

Frühstück, Deutsch-Unterricht, Mittagessen, Sport und Kreativangebote, Nachhilfe, Abendessen – etwa so sieht der Tagesablauf für Mehammad Samir und Mahdi und die anderen aus. Es gibt einen Aufenthaltsraum – nicht gemütlich, aber zweckmäßig. Außerdem stehen ein kleiner Fitnessraum, ein Fernsehraum sowie eine Tischtennisplatte und zwei Kickertischen zur Verfügung. Sehr einfach möbliert sind auch die Zimmer: Doppelstockbetten, ein schlichter Schrank, Tisch, Stühle und jeweils Sessel oder Sofa. Mahdi und Mehammad Samir sind zufrieden. „Wir fühlen uns wohl, weil Deutschland uns Sicherheit bietet“, übersetzt Kulturdolmetscher Atiq Rafiq. Sie seien froh, dass sie die Möglichkeit hätten, Deutsch zu lernen. Regeln und deutsche Tugenden wie etwa Ordnung und Pünktlichkeit akzeptierten und respektierten sie.

Bei der Vermittlung des deutschen Alltags oder der gesellschaftlichen Strukturen spielen Kulturdolmetscher wie Rafiq eine wichtige Rolle. Er vermittle den Flüchtlingen, dass zum Beispiel die Bahn pünktlich um 9.02 Uhr abfahre und nicht erst, wenn sie voll ist, sagt Rafiq.

Keller betont: „90 Prozent der Jungs sind hochgradig motiviert. Sie wollen lernen, eine Ausbildung machen und Geld verdienen.“ Die jungen Flüchtlinge hätten den „randständigen Deutschen einiges voraus“, ergänzt er. Der 15jährige Mahdi möchte später im Journalismus arbeiten, Mehammad Samir will Bauingenieur werden. Beide bitten Rafiq noch zu übersetzen, wie dankbar sie seien, dass sie sich in Deutschland eine Zukunft aufbauen könnten.

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