Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -7 ° wolkig

Navigation:
Junger Afghane erzählt in Mingerode seine Lebensgeschichte

Sechs Jahre auf der Flucht Junger Afghane erzählt in Mingerode seine Lebensgeschichte

Nach sechsjähriger Odyssee ist Bashir Momand (19) im Eichsfeld angekommen. Seit einem halben Jahr lebt er in Mingerode. Dort hat er am Freitagabend bei der offenen Kneipe der Initiative Mingerode 2030 rund 40 Zuhörern aus dem Duderstädter Ortsteil seine Lebensgeschichte erzählt.  

Voriger Artikel
Duderstadt2020 publiziert online Informationen zur Flüchtlingsintegration
Nächster Artikel
Brandwachen an Unterkünften: „Wir sind langsam am Ende“

Bashir Momand und Rahima Valena

Quelle: ku

Mingerode. Momand gehört zu den 350 Flüchlingen, die auf Dauer im Landkreis bleiben. Gut 100 von ihnen sind dem Raum Duderstadt zugewiesen worden. Momand lernt zurzeit an der Volkshochschule Deutsch, ist bei der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB) tätig, strebt einen Schulabschluss und eine Ausbildung an. Zur Schule gehen konnte er in Afghanistan nicht. Seine Mutter hat er früh verloren, sein Vater ist Bauer und lebt in einem Dorf in der Nähe von Kundus. Dort zwangen die Talliban jede Familie, ihnen einen Sohn zur Verfügung zu stellen.

 

Mehrere Wochen lang musste der damals 13-Jährige für die Extremisten Waffen transportieren und erlebte schreckliche Szenen. Dann erlaubten ihm die Talliban, zwei Tage mit seiner Familie zu verbringen. Das nutzte sein Vater, um ihn gegen Geld aus dem Land zu schmuggeln. Damit begann ein jahrelanger Irrweg, der ihn über Pakistan, Iran und die Türkei nach Griechenland führte. Dort schlug er sich ein Jahr lang für wenig Geld als Landwirtschaftshelfer durch, bevor es weiterging nach Mazedonien, Serbien und Rumänien.

 

In Rumänien wurde er aufgegriffen und zwei Jahre lang in einem Jugendheim untergebracht. Nach seinem 18. Geburtstag fuhr er mit dem Bus nach Bulgarien, dann nach Frankreich weiter und fand in Paris eine Mitfahrgelegenheit nach Frankfurt, wo er Asyl beantragte. Über die Erstaufnahmeeinrichtungen Gießen und Friedland kam er schließlich nach Mingerode. Hier fühlt er sich wohl, bekommt viel Hilfe und hofft, dass er im Eichsfeld ein Zuhause findet. Zurück zu seinem Vater und seinem jüngeren Bruder, zu denen er seit Monaten keinen Handy-Kontakt mehr hat, kann er nicht. Die Talliban haben seinem Vater gedroht, den Sohn umzubringen.

 

Einen ganz anderen Weg hinter sich hat die Grünen-Politikerin Rahima Valena, die nach einem Exkurs über die Geschichte Afghanistans Momands Geschichte übersetzte. Nach einem Stipendium in den USA hat die bei amnesty international engagierte Akademikerin, die sich gegen den politischen Islam positioniert, in Deutschland geheiratet und war an der Göttinger Uni tätig. Viel Beifall gab es in der Kneipe für Momand, dessen Freundlichkeit ihm Türen in Mingerode geöffnet hat. „Ich wünsche mir mehr solcher Begegnungen, die auch die Dümmsten in Deutschland zum Denken anregen dürften“, sagte Guntram Czauderna. Hans-Georg Schwedhelm überreichte Valena eine Flasche Eierlikör – „mit wenig Alkohol, aber das Einzige, was es beim Schlachter ohne Schweinefleisch gab“.         ku

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Gemeinsames Weihnachtssingen