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Kuss löst Großalarm im Lager Friedland aus

Bilanz der Polizei Kuss löst Großalarm im Lager Friedland aus

Im Zusammenhang mit dem Großeinsatz auf dem Gelände der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen in Friedland hat die Polizei in Göttingen vier Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung, Körperverletzung und Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung eingeleitet.

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Friedland. 90 Polizeibeamte waren nötig, um am späten Montagabend im überfüllten Grenzdurchgangslager Friedland für Frieden zwischen zwei Gruppen sich gegenseitig bedrohender Bewohner zu sorgen. Rund 160 Afghaner und Iraker standen sich gewaltbereit gegenüber. Auslöser der brenzligen Situation: ein Kuss.

Der unziemliche und sofort mit Ohrfeige quittierte Kuss eines 52 Jahre alten Irakers auf die Wange einer verheirateten 28-Jährigen aus Afghanistan hatte sich bereits gegen 18 Uhr vor dem örtlichen Edeka-Markt ereignet. Gegen Abend wurde der Täter, ebenfalls Bewohner des völlig überfüllten Flüchtlingslagers, von der Frau, ihrem Ehemann und weiteren Landsleuten auf dem Gelände des Lagers zur Rede gestellt. Er sollte, so der Polizeibericht, offenbar gemaßregelt werden.

Beim Aufeinandertreffen trat die junge Frau ihrem unerbetenen Verehrer gleich gegen das Bein. Beamte der Bereitschaftspolizei, die derzeit im Lager dauerhaft anwesend sind, bemerkten die sich anbahnende Auseinandersetzung, in die weitere Flüchtlinge beider Nationen einzugreifen drohten. Sie schritten sofort ein und konnten nach Polizeiangaben Übergriffe des Ehemannes und seiner Begleiter gegen den Iraker unterbinden.

Doch inzwischen hatten sich Landsleute beider Gruppen in großer Zahl eingefunden. Die Stimmung sei aufgeheizt und aggressiv gewesen, so dass die Polizei Verstärkung anforderte. Es wurden sofort alle verfügbaren Einheiten der Göttinger sowie der Nachbarsinspektionen aus Northeim/Osterode und auch vom Polizeipräsidium Kassel angefordert. Insgesamt 90 Beamte waren eingesetzt.

Trotzdem gelang es einem Afghaner, den 52-Jährigen anzugreifen und zu treten. Er wurde von Polizeibeamten überwältigt. Der Iraker wurde schließlich zur Überprüfung und zur eigenen Sicherheit in die Polizeidienststelle nach Göttingen überführt und später in einer anderen Einrichtung untergebracht. Auch die Frau musste versorgt werden. Wegen eines plötzlich auftretenden Schwächeanfalls wurde die 28-Jährige in die Krankenstation des Lagers gebracht.

Noch Stunden mussten Polizisten mit großem Aufgebot und Dolmetschern beruhigend auf die beiden Gruppen einwirken. Der Aufforderung, sich zu entfernen, kamen die Angesprochenen zwar zunächst nach, jedoch rotteten sich beide Gruppen wenig später erneut zusammen. Und wieder habe es gegenseitige Provokationen und verbale Angriffe gegeben, heißt es im Polizeibericht.

Nur mit Schwierigkeiten habe ein Aufeinandertreffen der Kontrahenten verhindert werden können, berichtet Polizeisprecherin Jasmin Kaatz. Es habe schließlich unmittelbaren Zwanges bedurft, um beide Gruppen von körperlicher Gewalt abzuhalten. Kurzfristig sei zweimal gar der „Einsatzmehrzweckstock“, also der Polizeiknüppel eingesetzt worden. Erst als die Polizei die Iraker zum Aufsuchen ihrer Unterkünfte gezwungen hatte, verstreuten sich auch ihre Gegner. Die Polizeipräsenz blieb aber die Nacht über hoch.

Ein 19-jähriger Afghane, der als Rädelsführer der Auseinandersetzung gilt, wurde in Gewahrsam genommen. Er erhielt eine Gefährderansprache und darf nicht zurück in die Landesaufnahmestelle.

Außerdem gab es bei der Auseinandersetzung mehrere Verletzte. Insgesamt wurden die Identitäten von sechs Personen festgestellt, zahlreiche Gefährderansprachen durchgeführt und zwei Platzverweise erteilt. Vier Bewohner wurden durchsucht.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Nach Streit unter Flüchtlingen: Großeinsatz der Polizei in Friedland

Zu einer massiven Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen von insgesamt 100 Flüchtlingen ist es am Montagabend im Grenzdurchgangslager Friedland gekommen.

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