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Rosdorfer helfen Flüchtlingen mit Spenden

Thema des Tages Rosdorfer helfen Flüchtlingen mit Spenden

200 Flüchtlinge mussten am Montag in der Nacht aus der gefluteten Sporthalle Groß Schneen gerettet werden. Nun leben sie vorübergehend in der Sporthalle der Anne-Frank-Schule in Rosdorf. Die Menschen, die überwiegend aus Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea kommen, sollen dort zwei Wochen lang bleiben. Die Bereitschaft, ihnen das Leben dort mit Spenden etwas erträglicher zu machen, ist bei den Bürgern groß.

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Edeltraut Keppler bringt am Dienstagmorgen Spenden ins Rosdorfer Gemeindebüro. Kleines Bild: Finn Schollmeyer verschenkt sein Spielzeug an Flüchtlingskinder.

Quelle: ch/bib

„Die Spielsachen brauchen meine Enkel nicht mehr, sie sind zu alt dafür“, sagt Christel Schuchardt. „So erfüllen sie doch noch einen guten Zweck“. Die Rosdorferin ist eine von mehr als 50 Bürgern, die am Dienstag im Bürgerbüro der Gemeinde Rosdorf Spenden vorbeigebracht haben. Schuchardt ist schon am Morgen dort. Kaum, dass sie im Tageblatt davon erfahren hat, dass Spielzeug und Duschartikel benötigt werden, suchte sie die Spenden heraus und fuhr los.

 
Die Bereitschaft, den Flüchtlingen, die am Montag in die Turnhalle der Anne-Frank-Schule eingezogen sind, zu helfen, ist groß. „Das sind doch arme Leute, das Schicksal ist doch furchtbar“, sagt Schuchardt. Knapp 200 Menschen, überwiegend aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Eritrea und Somalia, müssen vorübergehend in der Halle leben – auf engem Raum. In der Nacht zum Montag sind sie Opfer einer Hochwasserwelle geworden, die durch ihre Unterkunft in Groß Schneen spülte. Viele der Habseligkeiten der Menschen wurden dadurch zerstört. Edeltraut Keppler  war eine der ersten, die ihre Spende im Bürgerbüro vorbei gebracht hat – unter anderem Duschgel. „Reinlichkeit ist doch auf so engem Raum besonders wichtig“, sagt sie.

 
Schnell sammeln sich Spenden um Spenden, zwei Mal fährt ein Fahrzeug des Bauhofs die  Waren zur Halle. „Wir mussten schon die Möbel verrücken“, so Melanie Obracaj aus dem Bürgerbüro.

 
Wie groß die Hilfsbereitschaft der Rosdorfer ist, zeigt auch das Beispiel von Finn Schollmeyer. Vater Schollmeyer fährt am Vormittag vor dem Bürgerbüro vor – im Kofferraum eine Kiste, randvoll gefüllt mit Kuscheltieren und Spielsachen. Von denen  hat sich Finn extra für die Flüchtlingskinder getrennt. bib

 

Internet für Flüchtlinge

 

Fünf Router für die Flüchtlinge: Die Freifunk-Initiative Göttingen hat am Dienstag dafür gesorgt, dass die Menschen in der Rosdorfer Turnhalle kostenlos ins Internet gehen können. „Wir haben die Router installiert und nutzen das Netz der Kindertagesstätte und von Nachbarn“, sagt Frank Richardt von der Initiative.  Die Resonanz war enorm. „Die Flüchtlinge kamen sofort zu uns und wollten wissen, wie das funktioniert“, so Richardt. Einige der Flüchtlinge sprechen Englisch, einige nicht. „Ein Mann hat mir sein Telefon unter die Nase gehalten, um das W-Lan zu installieren. Es zeigte aber nur arabische Schriftzeichen“, berichtet Richardt. Ein Wort zeigte das Telefon dann aber auf Deutsch an, nämlich „Freifunk“. Kurze Zeit später waren bereits 40 Telefone im Freifunknetz eingeloggt.

 
Nach Ansicht der Freifunk-Initiative sei eine der wichtigsten Verbindungen zu Freunden und Familien in aller Welt für die Flüchtlinge das Internet und damit ihr Mobiltelefon. Dafür, dass sie kostenlos Kontakt in ihre Heimat halten können, setzt sich die Initiative unter anderem ein. „Der Zugang zum Internet ist für Flüchtlinge elementar wichtig. Sie können so per Email oder Skype Kontakt zu Familienmitgliedern halten und müssen dazu nicht die teuren Mobilfunkkarten kaufen“, so Richardt weiter.  Richardt hat gleich am Dienstagmorgen Kontakt mit Rosdorfs Bürgermeister Sören Steinberg (SPD) aufgenommen, um zu helfen. Wenige Stunden später stand das Netz schon bereit. Die Initiative sucht weitere Unterstützer. bib

 

Beengt

 

Alle 200 Flüchtlinge aus der am Montag überfluteten Sporthalle Groß Schneen sind in der Sporthalle der ehemaligen Anne-Frank-Schule in Rosdorf untergekommen. Die Verhältnisse dort sind allerdings deutlich beengter als in Groß Schneen.

 
Zusammen mit der Rosdorfer Gemeindeverwaltung besuchte Göttingens Landrat Bernhard Reuter (SPD) am Dienstagnachmittag das Schulgelände – auch, um sich über das dort geplante Familienzentrum für die Gemeinde Rosdorf zu informieren. Reuter war voll des Lobes über die schnelle Reaktion der Rosdorfer Gemeindeverwaltung nach dem schweren Unwetter, das die Groß Schneer Halle unbenutzbar gemacht hatte. Das Rosdorfer Beispiel gebe ein außerordentlich gutes Vorbild ab angesichts der Schwierigkeiten, die vielen Flüchtlinge unterzubringen, meinte Reuter.

 
Der Landrat konnte sich schnell ein Bild davon machen, dass die neue Unterkunft gut angenommen wird: Dutzende Jugendliche spielten auf dem ehemaligen Schulhof Fußball, Kinder probierten gespendetes Spielgerät aus. Ältere versuchten, über das kurzfristig installierte Freifunk-Netz Kontakt mit Angehörigen aufzunehmen.

 
Rosdorfs Bürgermeister Sören Steinberg (SPD) versicherte, die Halle am Mühlengrund werde nach dem Ende der Sommerferien wieder den Rosdorfer Bürgern und seinen Vereinen zur Verfügung stehen. Was dann mit den Flüchtlingen geschieht, sei unklar, erklärte Landrat Reuter: Die Sporthalle in Groß Schneen sei nach der Überflutung für mehrere Monate unbenutzbar. hein

 

Zwölf Duschen für 200 Menschen

Die Gemeinde Rosdorf hat plötzlich die Aufgabe übernommen, knapp 200 Flüchtlinge in der Sporthalle der Anne-Frank-Schule unterzubringen. Wie geht das? Bürgermeister Sören Steinberg gibt Antwort.

 
Wann haben Sie davon erfahren, dass die Flüchtlinge kommen?
Montagfrüh kam der Anruf der Technischen Einsatzleitung des Landkreises. Ich war gerade aus dem Urlaub zurück und hatte meinen ersten Arbeitstag vor mir. Nachmittags waren die Menschen bereits da.

 
Wie kam es, dass die Flüchtlinge, die aus der geflutete Halle in Groß Schneen umziehen mussten, nach Rosdorf gebracht wurden?
Die Idee war, dass die Flüchtlinge möglichst in der Nähe von Friedland und möglichst alle an einem Ort unterkommen sollen. Die Betreuung der Menschen wird ja weiterhin vom Lager Friedland übernommen. Das ist für sie zuständig.

 
Gab es eine Alternative zu der Anne-Frank-Sporthalle, dort ist der Platz ja sehr begrenzt?
Die Sporthalle des Landkreises am Siedlungsweg ist größer, hat auch mehr sanitäre Anlagen. Aber: Dort gibt es derzeit eine große Baustelle. Nach dem Starkregen hat es durchgeregnet, sie ist nicht benutzbar. Auch das Rosdorfer Gemeindezentrum ist keine Alternative, dort stehen keine Duschen zur Verfügung.

 
Wie viele sanitäre Anlagen stehen denn in der Anne-Frank-Halle zur Verfügung?
Jeweils sechs Toiletten und sechs Duschen für Männer und sechs für Frauen. Das reicht natürlich für knapp 200 Menschen bei weitem nicht aus, die Halle ist für so viele Personen nicht ausgelegt. Am Donnerstag soll auf dem Gelände ein Sanitärcontainer aufgestellt werden. Dennoch bin ich der Meinung, dass zu viele Flüchtlinge dort untergebracht sind. Das Lager Friedland sollte die Zahl reduzieren. 

 
Wie läuft die Versorgung der Flüchtlinge?
Wie gehabt. Auch in Groß Schneen hat bereits ein externer Betrieb das Essen für die Flüchtlinge angeliefert. Das geschieht auch weiterhin. 

 
Wird die Halle denn nicht gebraucht?
Wir wussten ja, dass die Unterbringung nur für die nächsten zwei Wochen geplant ist. Das, was in Groß Schneen in der Nacht geschehen ist, gleicht einer humanitären Katastrophe, da muss natürlich sofort geholfen werden. Momentan werden in der Halle nur Ferienprogramme  angeboten.  Das ist also gut verkraftbar.

 
Was passiert denn, wenn die zwei Wochen rum sind?
Wohin die Flüchtlinge dann umziehen, weiß ich nicht, das liegt in der Zuständigkeit des Lagers. In der Halle beginnt dann wieder der Sportbetrieb. Die Turnhalle wird intensiv genutzt – unter anderem vom MTV Rosdorf und den Kindertagesstätten. 

 
Welche Resonanz auf die Aufnahme der Flüchtlinge haben Sie bislang bekommen?
Nur gute. Eine Bürgerin hat sich bereits gestern um die Kinder eine Flüchtlingsfrau gekümmert, die einen Schwächeanfall erlitten hatte. Auch heute wurde ich wieder mehrfach gefragt, wie sich Bürger engagieren können. Wir werden prüfen, wo Hilfe sinnvoll ist und wie wir das organisieren können.

 
Was kann die Gemeinde Rosdorf leisten?
Wir versuchen dort zu helfen,  wo wir helfen können – beispielsweise durch die Sammlung der Sachspenden. Wir werden zudem sehen, ob wir vielleicht ein paar Fußballtore, Basketballkörbe oder ähnliches aufstellen können. Wir können an der schweren Situation wenig ändern und nur versuchen, die Lage für die Flüchtlinge etwas erträglicher zu machen. bib

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