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Situation der Flüchtlinge in Breslauer Straße Göttingen verbessert

„Es geht voran“ Situation der Flüchtlinge in Breslauer Straße Göttingen verbessert

Die Situation der Flüchtlinge in der Breslauer Straße 1 hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten enorm verbessert. Jetzt stehen die jungen Männer und die Freiwilligen, die ihnen helfen, vor neuen Herausforderungen.

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Die Situation der Flüchtlinge in der Breslauer Straße 1 hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten enorm verbessert. Jetzt stehen die jungen Männer und die Freiwilligen, die ihnen helfen, vor neuen Herausforderungen.

Quelle: dpa

Göttingen. Ulf Salomon ist zufrieden: „Es geht voran.“ Der 65-Jährige ist einer von rund zehn Bürgern, welche die etwa 25 Eritreer und Somalier tatkräftig und mit großem Einsatz unterstützen.

Anfänglich sei die Situation „katastrophal“ gewesen, sagt Salomon. Die Stadt habe die Flüchtlinge einfach nur untergebracht und sich anschließend kaum noch um sie gekümmert. In der Unterkunft habe es teilweise am Notwendigsten gefehlt, darüber hinaus seien immer wieder Fremde in das Gebäude spaziert, um einfach mal zu gucken.

Mittlerweile, so Salomon, seien die Wohnverhältnisse jedoch in Ordnung. Die Helfer hätten für eine angemessene Ausstattung gesorgt, ein bekannter Göttinger Einzelhändler habe mit einer Spende geholfen. Gaffer gebe es keine mehr. Ärgerlich sei nur, dass Leute immer wieder defekte elektrische Geräte vorbeibrächten, vor allem Fernseher.

Und schlimm sei, dass Diebe den Flüchtlingen regelmäßig abgeschlossene Fahrräder vom Hof stehlen würden.

Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung habe sich stark verbessert. „Wahrscheinlich ist die Stadt zu Anfang überfordert gewesen“, sagt Salomon. Aber mittlerweise gebe es genügend Ansprechpartner, die freundlich und hilfsbereit seien. Von der Stadt ernten die Freiwilligen für ihr Engagement viel Lob.

Die Verwaltung könne die Grundbedürfnisse der Flüchtlinge zwar decken, erklärt Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Aber die Menschen in die hiesige Kultur einführen, „das können Bürger besser als jede Verwaltung“.

Auch die Stadt Göttingen habe sich am Anfang in einem Lernprozess befunden, was den Umgang mit den Flüchtlingen in den Unterkünften betraf. „Es wurden anfangs Erfahrungen gesammelt, die dann durch entsprechende Anpassungen in den Abläufen offensichtlich erfolgreich dazu geführt haben, dass  die Zusammenarbeit sich positiv entwickelt.“ Indira Khalikova, Leiterin des Migrationszentrums, betont in diesem Zusammenhang, dass der Staat mit der Flüchtlingsarbeit allein überfordert sei: „Ohne ehrenamtliches Engagement läuft nichts.“

Salomon und die anderen Unterstützer der Breslauer Straße widmen sich unterdessen in erster Linie zwei Aufgaben: die jungen Flüchtlinge bei Firmen unterzubringen und ihnen Wohnungen zu verschaffen. Erstgenanntes funktioniere ganz gut. Die Betriebe seien an Praktikanten, die dort später vielleicht eine Ausbildung absolvieren, durchaus interessiert.

Die Wohnungssuche verlaufe allerdings extrem schleppend, sagt Salomon. Der Grund: Viele Vermieter wollten keine Flüchtlinge und sagten dies häufig auch ganz offen. Und die wenigen Wohnungen, die angeboten werden, seien größtenteils unakzeptabel, so Salomon: „Überteuert, verdreckt, häufig in einem erbärmlichen Zustand.“

Von Hauke Rudolph

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