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Erste Flüchtlinge auf den Göttinger Zietenterrassen

Herzliches Willkommen Erste Flüchtlinge auf den Göttinger Zietenterrassen

Die ersten Flüchtlinge haben ihre neue Unterkunft auf den Zietenterrassen bezogen. Am Mittwoch kamen die ersten 15 jungen Männern und eine fünfköpfige Familie aus Syrien an. Weitere Flüchtlinge folgen am Donnerstag. Ab Oktober soll das Haus mit 180 Menschen voll besetzt sein.

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In der neuen Unterkunft auf den Zietenterrassen angekommen: Am Mittwoch wurden die ersten Zimmer belegt.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Es war ein herzliches Willkommen, das das Team um Unterkunftsleiterin Bettina Briesemeister und viele ehrenamtliche Helfer der Initiative „Göttingen hilft“ den Flüchtlingen aus dem Grenzdurchgangslager bereiteten. Zur Begrüßung gab es Blumen. Die Wohnungen waren frisch mit Küchenutensilien und Wäsche ausgestattet. Schnell wiesen die Helfer den Neuankömmlingen ihren Platz in einer der Sechser-Wohngemeinschaften zu. Rechtzeitig hatten Nachbarn aus dem Ehrengard-Schramm-Weg ein Freifunk-Netz aufgebaut, um den Flüchtlingen freien Zugang zum Internet zu ermöglichen.

 

 
Noch wird an dem Wohnheim, in dem künftig 180 Menschen unterkommen sollen, gebaut. Lediglich einer von drei Gebäudetrakten ist bezugsfertig. Dann stehen dort 30 Wohnungen zur Verfügung. Jede ist für sechs Bewohner ausgelegt und verfügt neben drei Schlafzimmern über ein Bad, eine Küche und eine Waschmaschine. Einige sind barrierefrei. Ebenso wird es einen größeren Gemeinschaftsraum geben. Derzeit haben Briesemeister und die Erzieherin Julia Schneeweiß und Hausmeister Shefqet Imeri ein provisorisches Büro in einer Wohnungen bezogen. Ab Oktober sollen zwei Sozialpädagogen mit dem Dienst beginnen.

 

©Hinzmann

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Das Betreuungskonzept sieht vor, dass die Flüchtlinge in drei Stufen betreut werden: Orientierungs-, Integrations- und abschließend eine Ablösungsphase. Die Mitarbeiter stehen ihnen etwa bei Beratungen zu Anträgen, Behördengängen, Kinderbetreuung, Rechtsfragen, Gesundheitsfragen oder bei der Organisation des täglichen Lebens zur Seite.

 
Die Unterkunft wird von der neugegründeten, gemeinnützigen Gesellschaft Bonveno (Esperanto: Willkommen) betrieben. In ihr haben sich AWO, Caritas, Diakonie, DRK und der Paritätische Wohlfahrtsverband zusammengeschlossen.

 

1000 Dollar für die Schleuser

„Es gab für mich keine andere Möglichkeit“, sagt der Syrer Ali. Seine Heimatstadt Homs sei ein gefährlicher Ort geworden. Vor mehr als zwei Monaten hat sich der Hochschuldozent für Musik auf die beschwerliche Flucht ins sichere Deutschland gemacht. Für seine Flucht haben seine Eltern das Auto verkauft, Ersparnisse zusammengekratzt, um die 1000 Dollar zu bezahlen, die Schleuser für die Überfahrt in einem überfüllten Schlauchboot von der Türkei zur griechischen Insel Samos verlangen. Seine Frau musste der 28-Jährige in Syrien zurücklassen. Jetzt hofft er, sie nach Deutschland zu holen. Zu Fuß und mit dem Zug führte Alis Route über Mazedonien, Ungarn und Österreich bis nach Deutschland.

 
„Es war dunkel und regnerisch. Die Wellen auf dem Mittelmeer sehr hoch und unser Schlauchboot war mit 50 Menschen völlig überladen“, berichtet Quteba von seiner Flucht aus Syrien über das Mittelmeer. Der 20-jährige Abiturient ist seit Mitte Juni in Deutschland und teilt sich mit Ali ein Zimmer.

 
Aus der südsyrischen Stadt Daraa, wo 2011 erste Proteste gegen die Assad-Regierung aufflammten, stammt Yaser Alsaadi. Der 39-jährige Ingenieur und Computerexperte saß wegen kritischer Äußerungen einen Monat in Syrien im Gefängnis. Er hat Frau und vier Kinder zurückgelassen. Wie Ali, Quteba hält er über das Internet Kontakt zu seiner Familie. „Wenn es in Syrien funktioniert“, sagt Yaser. mib

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