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Landtag debattiert über Richters Brief zu Göttinger Zietenterrassen

Brief gegen Wohnheim Landtag debattiert über Richters Brief zu Göttinger Zietenterrassen

Ein Brief des Informatik-Professors Harald Richter, in dem er sich gegen das von der Stadtverwaltung geplante Flüchtlingswohnheim auf den Zietenterrassen ausspricht, wird im Februar den niedersächsischen Landtag beschäftigen. In seinem Schreiben an die Mitglieder des Sozialausschusses des Rates sorgt sich der Wissenschaftler an der Technischen Universität in Clausthal um den Wissenschaftsstandort Zietenterrassen.

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Die Zietenterrassen in Göttingen.

Quelle: Meder/Archiv

Göttingen. Ein eigenständiges Fraunhofer werde es dann nicht geben, argumentiert Richter. Dieses müsse sich sich zu 70 Prozent durch Industrieaufträge selbst finanzieren. „Nach der Errichtung eines Wohnheims für Flüchtlinge und Asylsuchende in unmittelbarer Nachbarschaft der Fraunhofer-Aussenstelle wird ein eigenes Institut wirtschaftlich nicht mehr darstellbar sein. Kein Industriepartner wird es der Außenstelle angesichts von in Gruppen herumstehenden Afrikanern, die nicht arbeiten dürfen, sowie verschleierten Frauen mit zahlreichen Kindern glauben, dass an diesem Standort Hochtechnologie gemacht wir“, schreibt Richter an die Ratsmitglieder. Er habe den Brief, versehen mit seiner Dienstadresse, als Wissenschaftler und Professor mit 30-jähriger Berufserfahrung geschrieben, sagt der „Prof. Dr.-Ing. Dr. rer. nat. habil.“ gegenüber dem Tageblatt. „High-Tech wächst nicht in der Nähe von Flüchtlingsheimen“, sagt Richter. Den dort schon ansässigen Firmen könnten ihren Kunden nicht glaubwürdig vermitteln, „dass die Zietenterrassen ein High-Tech-Standort sind.“ Die Entwicklung des Wissenschaftstandortes Zietenterrassen werde torpediert. Die Stadt Göttingen solle eher etwas für den Technologiepark GoeTech, die benachbarte Hochschule oder das Fraunhofer-Institut tun. „Ein Asyl- und Flüchtlingswohnheim in deren unmittelbarer Nachbarschaft beendet die Expansion der Wissenschaft und der Hochtechnologie auf den Zietenterrassen und schadet den Einrichtungen.

Als „ungeheuerlich und intolerabel“ bezeichnet die Göttinger Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta (SPD) die Formulierungen Richters. Sie bereitet eine Anfrage im Landtag vor.  Auch, um in Hannover eine Öffentlichkeit für das Thema zu erreichen. Von der Landesregierung will Andretta unter anderem wissen, ob sie Richters Auffassung teilt, dass Flüchtlinge in Nähe von Hochschul- und Forschungseinrichtungen potenzielle Investoren, Gründer und Forschungsgesellschaften abschrecken? Die Leute sollen wissen, dass sie mit ihrem latenten Rassismus nicht durchkommen, kommentiert Andretta.

Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck kommentiert Richters Brief: „Wir haben kein Interesse daran, dem Wissenschaftsstandort Göttingen zu schaden.“ Oberbürgermeister Rolf Georg Köhler (SPD) sagte am Dienstag, dass die Stadt nach Absprache mit HAWK-Vizepräsident Wolfgang Viöl das Gelände für fünf Jahre nutzen könne.

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