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125 Jahre Städtisches Museum Göttingen

Vom Grätzelhaus in den Hardenberger Hof 125 Jahre Städtisches Museum Göttingen

Vor 125 Jahren wurde in Göttingen das Städtische Museum gegründet. In zwei Folgen beschäftigt sich das Tageblatt mit der Geschichte der Sammlung. Teil 1: Vom Grätzelhaus in den Hardenberger Hof – die Entstehung eines Museums.
Göttingen.

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Der Hardenberger Hof am Ritterplan auf einer Postkarte von 1909: Hier zog die Altertumssammlung im Jahr 1897 ein.

Quelle: Städtisches Museum

Göttingen. Ein Museum ist ein Ort, in dem dingliche Zeugnisse für die Geschichte lagern und in dem Wissen über die Vergangenheit einer Stadt gespeichert ist.

„Nur weil es dieses kollektive Gedächtnis gibt, können wir uns die Epochen unserer Vergangenheit immer wieder neu vergegenwärtigen“, sagt Ernst Böhme, Leiter des Göttinger Stadtarchivs und des Städtischen Museums. Vor 125 Jahren wurde die „Städtische Altertumssammlung“ im Grätzelhaus an der heutigen Goetheallee eröffnet.

Die Initiative zur Einrichtung einer Altertumssammlung ging von Moriz Heyne aus (1837-1906), seit 1883 Professor für Germanistik an der Universität Göttingen. Neue Techniken und Verkehrsmittel sowie ein gewaltiger Modernisierungsschub in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts sorgten auch in Göttingen für „ein Bewusstsein für die Gefährdung des Alten“, so beschreibt Böhme, warum die Stadt sich entschied, die „Dinge aus einer versinkenden Welt“ zu bewahren.

Die Stadt mietete sechs Räume im Grätzelhaus an. Am 1. Oktober 1889 eröffnete die Städtische Altertumssammlung unter Heynes Leitung ihre Pforten. Es folgte eine Welle von Schenkungen und Spenden aus der Bürgerschaft.

Fußfesseln und Handschellen

Die ersten Objekte waren 14 Straf-Altertümer – Fußfesseln, Halseisen und Handschellen aus dem ehemaligen Gefängnis im Rathaus, die der Magistrat zur Aufbewahrung in die Sammlung übergab.

Die Stadtobrigkeit ging mit gutem Beispiel voran, die Bürgerschaft zog mit. „Je älter desto besser war das Motto“, beschreibt Museumskuratorin Andrea Rechenberg die Sammlungspraxis in den Anfangsjahren. Für das Jubiläumsjahr hat sie die Museumsgeschichte anhand der Eingangsbücher nachvollzogen. 819 Objekte wurden im Gründungsjahr registriert. Nach zehn Jahren umfasste die Sammlung bereits 5658 Stücke.

Vier Jahre später waren die Räume an der Allee zu klein geworden. Das Museum wurde 1893 in das Velguthsche Haus in die Burgstraße 13 verlagert. 1898 musste das Gebäude jedoch dem Bau der Friedrichstraße weichen. Ein Jahr vor dem Abriss zog die Altertumssammlung in den Hardenberger Hof am Ritterplan um, der bis 1902 auch Standort des Stadtarchivs wurde.

Später kamen Räume in der benachbarten alten Post hinzu, die schließlich 1912 durch einen Zwischentrakt mit dem Hardenberger Hof verbunden wurden.

Archäologische Fundstücke aus dem Stadtgebiet fanden in der Altertumssammlung ihren Platz. So etwa Ton- und Ledergeschirr, Buchrücken, Schuhe und Handschuhe, die 1885 bei Ausbau des Physiologischen Instituts aus der ehemaligen Kloake des Barfüßer-Klosters am Wilhelmsplatz aufgetaucht waren. Weitere Exponate stammten aus Rettungsgrabungen rund um Göttingen und reichen zurück bis in die Steinzeit.

„Einmalig in Norddeutschland“

Zu den Schätzen des Museums gehören heute die Zeugnisse kirchlicher Kunst aus dem Mittelalter. „Diese Sammlung gilt aufgrund ihrer regionalen Geschlossenheit und ihres großen zeitlichen Umfangs vom 12. bis ins späte 19. Jahrhundert in Norddeutschland als einmalig“, beschreibt Böhme die Bedeutung der Ausstellung, die als einziger Bereich der vorherigen Dauerausstellung trotz der aktuellen Sanierungsarbeien bis heute zugänglich geblieben ist.

Den Grundstein dafür legten Heyne und der Duderstädter Carl Anton Gläse, seines Zeichens Viehhändler, Sodawasserfabrikant und Antiquitätenhändler, der ausrangierte Devotionalien aus Kirchen im Eichsfeld aufspürte. So kam als erstes Objekt 1895 eine Strahlenkranzmadonna aus Teistungenburg nach Göttingen, gefolgt von rund 200 weiteren Exponaten, die Gläse dem Museum teils schenkte, teils verkaufte.

Das kunsthistorisch bedeutendste ist aus Böhmes Sicht die „Madonna von Bilshausen“ aus dem elften Jahrhundert.

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