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Johannes Heesters den Rücken eingerieben

Stern-Filmtheater Johannes Heesters den Rücken eingerieben

Es ist einer der großen Kinoklassiker: Sieben Oscars hat „Der mit dem Wolf tanzt“, das dreistündige Westernepos von und mit Kevin Costner, abgeräumt. 20 Jahre ist das nun her, und noch immer schwärmt Jutta Lübcke von „ihrem Lieblingsfilm“.

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Blumen und Kuchen 1957: Kurt Krause dankt dem Schauspieler Hans Holt.

Quelle: Sammlung Lübke

Die Schwärmerei für das Kino hat die Göttingerin bereits als junges Mädchen entwickelt. Lübcke ist die Tochter von Kurt Krause, dem ehemaligen Kino-Zar von Göttingen und langjährigem Betreiber des Sterntheaters. Die Kino-Affinität liegt in der Familie. „Mein Großvater hat 1935 in Falkensee bei Berlin das erste Kino aufgemacht“, berichtet Lübcke. Und gerne erinnert sie sich heute an ihre Kindheit zwischen Leinwand und Kinosesseln, zwischen Stars und Kinobesuchern in der Filmstadt Göttingen.

Im Jahr 1955, Jutta Lübcke ist gerade acht Jahre alt, übernimmt ihr Vater das Sterntheater. Jeden Abend bilden sich lange Schlangen an den Kassen, häufig ist das Haus ausverkauft. Die Göttinger gehen gerne aus. Theater, Kino oder Tanzabende stehen auf dem Programm. „Das war damals einfach die Zeit, die Leute kamen massenweise“, so Lübcke. Sie selbst wird als Kind vom Kinofieber gepackt. „Wenn es irgendwie möglich war, hab‘ ich alle Filme geguckt – am Wochenende auch schon mal drei Vorstellungen hintereinander“, sagt sie. Bei einer Filmpremiere darf die gerade Zehnjährige auch spät abends noch auf die Bühne, trotz Schulzeit. „Ich habe Blumensträuße an die Schauspieler überreicht“, so Lübcke. Auch sonst hilft sie gerne im Familienbetrieb, reißt Karten ab oder weist mit einer Klassenkameradin Plätze an.

Neben den üblichen Filmvorführungen werden damals im Stern auch „Bunte Abende“ gefeiert. Bei den Musik- und Tanzveranstaltungen mit Titeln wie „Melodie und Rhythmus – ein Musikabend froher Unterhaltung“ tobte das ganze Viertel. Über einen Auftritt von Zarah Leander schreibt das Göttinger Tageblatt im Januar 1958: „Ein bis in den letzten Winkel besetzter Zuschauerraum, ausgezeichnete Stimmung, reicher Beifall, das waren die Merkmale des Kabarett-Abends im Stern-Theater, dem mit dem effektvollen Auftritt Zarah Leanders der unbestrittene Höhepunkt gegeben wurde.“

Viele weitere Namen reihen sich in die Gästelisten ein: Curd Jürgens, Conny Froboess, Rex Gildo, Udo Jürgens, Roy Black, Klaus Kinski, Johannes Heesters, Uschi Glas – die Stars der Film- und Musikszene geben sich im Stern über Jahrzehnte die Klinke in die Hand. „Wir hatten fast alle Berühmheiten da“, sagt Lübcke. In Gästebüchern wurden die Auftritte mit Autogrammkarten und persönlichen Grüßen dokumentiert. Schauspieler Hans Holt schreibt zur Premiere von „Die Trapp-Familie“, einem der erfolgreichsten deutschen Heimatfilme der 1950er Jahre: „Unter einem guten Stern stand unsere Trapp-Familie in Ihrem Stern.“ Neben den Begegnungen im Sternkino kommt Jutta Lübcke den großen Stars des Filmgeschäfts auch privat nah. Denkt sie an eine bestimmte Geschichte zurück, muss die Tochter des Kino-Zaren auch heute noch schmunzeln: „Ich habe Johannes Heesters beim Skilaufen den Rücken eingerieben“.

  Premiere am 26. September
 

Das Tageblatt hat aus Filmen und Fotos von Lesern einen Film mit dem Titel „Die 50er Jahre in Göttingen produziert. Premiere ist am Sonntag, 26. September, um 12 Uhr im Stern-Filmtheater, Sternstraße 7. Eben dort, wo auch in den 50er Jahren glanzvolle Filmpremieren gefeiert wurden. Der 40-minütige Film beleuchtet (mal auf ernste, mal auf humoristische Art) ein Jahrzehnt voller Widersprüche in Göttingen.
Karten gibt es in der Tageblatt-Geschäftsstelle in Göttingen, Jüdenstraße 13c, und in Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11, sowie im Stern-Filmtheater, Sternstraße 7, und an der Abendkasse zum Preis von 2,50 Euro.
Die 40-Minuten-DVD „Die 50er Jahre in Göttingen“ mit umfangreichem Bonusmaterial wird ab Montag, 27. September, zum Preis von 14,90 Euro in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen und Duderstadt und bei der Premiere im Stern-Kino erhältlich sein.

mr

Mehr zur Geschichte des Stern-Kinos lesen Sie in der nächsten Zeitreise-Folge.

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