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Mit herzlichsten Grüßen an das Fräulein Erika

Filmstadt Göttingen, Teil 3 Mit herzlichsten Grüßen an das Fräulein Erika

Persönlich die Hand gegeben und gedankt“: Kindliche Zufriedenheit klingt aus der Anmerkung, die Erika Träger aus Geismar im August 1952 in ihr Fotoalbum geschrieben hat – neben ein Autogramm, auf dem der junge Schauspieler Walter Giller das Wort „herzlichste Grüße“ mit einem gemalten Herz einleitet. Für die Geschichtswerkstatt des Göttinger Tageblattes, Stadtarchivs und Städtischen Museums ist die 71-Jährige in die Filmstadt Göttingen zurückgereist.

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Dreharbeiten mit Regisseur Veit Harlan (r.) zu „Die blaue Stunde“: Die Schauspielerin Kristina Söderbaum (l.) hat sich an zerbrochenem Porzellan geschnitten, die Szene wird gestoppt.

Quelle: EF/Träger

Dass die junge Erika als 13-Jährige beinahe täglich mit der Glitzerwelt des Films in Kontakt war, kam nicht von ungefähr. Der erste Grund war familiäre Vorbelastung, der zweite die Begeisterung einer Jugendlichen, damals Backfisch genannt. Ihr Bruder arbeitete als Aufnahmeleiter für die Filmaufbau, der Vater war Edelkomparse laut Statistenkartei vom „Typ Hindenburg“. In „Liebe 47“ spielte er etwa den Schwiegervater von Hilde Krahl, „in der Hochzeitsszene stand er neben dem Brautpaar und beugte sich später über eine Wiege“, erzählt Träger. Gestorben ist er 1966, „und noch heute entdecke ich ihn manchmal in einem der alten Filme“.

Ihr Bruder brachte von seiner Arbeit Szenenfotos und Autogramme für die kleine Schwester mit, zu deren täglicher Lektüre täglich erscheinende Filmzeitschriften gehörten, „ich war sehr filmbegeistert“. Manchmal durfte sie sich Außenaufnahmen ansehen. So kam es etwa zur Begegnung mit Walter Giller, dem herzlichsten Gruß und dem Händedruck. In Göttingen drehte auch ihr Schwarm Hardy Krüger einen seiner ersten Filme, „Mein Freund, der Dieb“.
Nicht nur Giller gab sich Mühe beim Beschriften der Autogrammkarte. Familiär schrieb Hanna Rucker „der kleinen Erika, der Schwester ihres großen, freundlichen und liebenswerten Bruders…“. Kurz und schlicht („Mit besten Wünschen“) unterzeichnete Hans Söhnker ein Szenenfoto aus „Mein Freund, der Dieb“. Etwas formell klang der Gruß von Johannes Heesters an „Fräulein Erika“.

Auch selbst mitspielen durfte Träger 1952 in einem Film mit dem Titel „Ich warte auf dich“, in dem ein Lehrer mit einer Schülerin anbandelt. Es war eine winzige Sprechrolle: „Wir kriegen heute hitzefrei!“, lautete ihr einziger Satz. „Das musste ich rufen, während ich durch die Schule lief“, erinnert sich die Geismaranerin. Gedreht wurde im Oktober im Hainberggymnasium, „das Laub war schon bunt gefärbt“. Ansehen durfte sich die junge Erika den Film aber nicht, zumindest nicht offiziell im Kino. Er war nicht jugendfrei, „wegen des prekären Themas“. Aber auch hier halfen die Familienkontakte: „Mein Bruder hat mich mit den Filmleuten eingeschleust.“

Für die Göttinger Zeitreise werden alte Fotografien aus der Stadt Göttingen, dem privaten Album und dem Berufsalltag gesucht. Kontakt: unter Telefon 0551 / 90 17 66 oder per E-Mail unter redaktion@goettinger-tageblatt.de.

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