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Protestmarsch der Griechen bis Friedland

Unzufriedenheit Protestmarsch der Griechen bis Friedland

Die ersten Gastarbeiter in Deutschland waren nach einem Anwerbeabkommen Italiener, die zwischen 1937 und 1943 ins faschistische Deutschland kamen. In den letzten beiden Kriegsjahren wurden sie zu Zwangsarbeitern. Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss die Bundesrepublik während der Wirtschaftswunder-Jahre erneut Anwerbeabkommen: mit Italien 1955, mit Griechenland und Spanien 1960, der Türkei 1961.

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Protestmarsch: Gegen die Arbeitsbedingungen bei einem Göttinger Unternehmen protestierten im November 1963 Gastarbeiter…

Quelle: Museum

Es folgten bis 1968 weitere Abkommen mit Marokko, Portugal, Tunesien und dem ehemaligen Jugoslawien.

Rund 14 Millionen Arbeitskräfte lebten zwischen 1955 und 1973 zeitweise in Deutschland. Mehr als 11 Millionen kehrten in ihre Herkunftsländer zurück, mehr als 2,6 Millionen blieben, heißt es im „Abschlussbericht Migration 2007“ des Integrationsrates Göttingen. Gemäß Auflistung des Göttinger Statistischen Informationssystems (Gösis) waren in den 1950er Jahren im Jahresschnitt rund 900 Menschen aus anderen Ländern in der Stadt untergebracht. Ihre Zahl stieg nach 1958: auf 1169 im Jahr 1960, auf 2787 im Jahr 1965 und bis 1970 auf 4852.

Untergebracht waren die Zuwanderer im gesamten Bundesgebiet sehr bescheiden. Sie lebten in Wohnheimen und Baracken, so auch in Göttingen. Aus dem betriebseigenen Wohnheim eines städtischen Unternehmens zogen am 22. November 1963 griechische Arbeiter unter Protest aus. Unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen gaben sie an, zu Fuß in ihre Heimat zurückkehren zu wollen. „Mit dünnen Stricken und Riemen nahmen die 40 ausländischen Arbeitnehmer ihre Koffer, Taschen und alles, was zu ihrer Habe gehörte, Huckepack, und mitten im Regen setzte sich die Schar in Bewegung“, schrieb das Göttinger Tageblatt. 25 weitere griechische Gastarbeiter blieben an ihrem Arbeitsplatz.

Unter Protesten marschierte die Gruppe bis Friedland, wo es schließlich Vertretern der griechischen Botschaft und des griechischen Arbeitsministeriums bei einem Gespräch im Gasthof „Zum Bahnhof“ gelang, einen Kompromiss auszuhandeln. Dem Exodus zugrunde lagen tarif- und arbeitsrechtliche Unstimmigkeiten sowie die vorangegangene Kündigung von fünf Wortführern der unzufriedenen Arbeiter – und nicht zuletzt eine Ohrfeige, die ein Deutscher seinem griechischen Kollegen verabreicht haben soll. Mit dem Zug – die Fahrt bezahlte die Botschaft – kehrten die Protestler zurück. Es folgten Untersuchungen der Arbeitssituation sowie Arbeitsprozesse gegen vier der Wortführer. Der fünfte hatte Göttingen bereits verlassen.

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