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Schlicht und schmucklos

Bauen in 1960er Jahren Schlicht und schmucklos

Der Wille zur Modernität bestimmte in den 1960er Jahren die Bautätigkeit in vielen deutschen Städten. Auch in Göttingen wandten sich Bauherren von althergebrachten Formen ab, die an die jüngste Vergangenheit erinnerten. Die Vorbilder für „neues Bauen“ lieferten seit den 20er Jahren berühmte Architekten wie Walter Gropius oder Ludwig Mies van der Rohe und ihre dem Prinzip des Funktionalismus untergeordneten Gebäude.

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Altes weicht Neuem: 1963 wird für den Sparkassen-Neubau alte Bausubstanz abgerissen. Im Jahr darauf wird am Hauptgebäude Richtfest gefeiert.

Quelle: Städtisches Museum

Die Stilrichtung unterstellt die Gestalt eines Gebäudes ihrer Funktion. Die Formen wurden vereinfacht, was vor allem beim Siedlungsbau von Vorteil war. Auch in Göttingen entstanden Großwohnquartiere, um Flüchtlinge unterzubringen und die damals vorherrschende Wohnungsnot zu lindern. In der Nachkriegsmoderne spiegelten sich Fortschrittsglauben und Technikbegeisterung auch in den Baustoffen wieder: Die schmucklosen Konstruktionen waren aus Beton, Stahl und Glas.

Allerdings, stellt Maren Christine Härtel in ihrem Beitrag „Architektur und Stadtentwicklung“ in Band drei von „Göttingen – Geschichte einer Universitätsstadt“ fest, gingen die Göttinger wie auch andere deutsche Stadtplaner in der Nachkriegszeit überwiegend konzeptionslos ans Werk. „Der Glaube an die Zweckarchitektur unter Vernachlässigung eines durchdachten Konzeptes ließ eine Moderne entstehen, deren Ausdruckslosigkeit das Bild vieler Städte in den kommenden Jahren prägen sollte“.

Das Bombardement des Zweiten Weltkriegs hatte die Stadt Göttingen weitgehend verschont – die Bausünden der Nachkriegszeit aber kosteten die Stadt viel historische Bausubstanz. „Die Innenstadt Göttingens wird also nach und nach mit Geschäfts- und Bürohäusern durchsetzt und umbaut (eingemauert) und das wenige soziale Leben, das sich hier bisher abspielte, vordergründigen Kapitalinteressen geopfert ... Kann man in Göttingen unter den gegebenen Umständen überhaupt noch von einer Bauplanungskonzeption sprechen“, fragte etwa der Schriftsteller Wolfgang Bittner in der von ihm 1974 herausgegebenen Anthologie „Wem gehört die Stadt?“.

Moderne Bauten sollten den Weg zur Großstadt symbolisieren. Dafür wurden alte Gebäude geopfert. So am Weender Tor, wo für den Bau des Opelhauses und des Grotefend-Baus gründerzeitliche Wohnhäuser weichen mussten. Unter Protesten aus der Bevölkerung wurde wenige Jahre später unter anderem das aus der Frührenaissance stammende ehemalige Gasthaus zu den drei Lilien abgerissen, um der Städtischen Sparkasse den Bau ihrer Hauptstelle zu ermöglichen. Am Geismar Tor stand bereits seit Mitte der 50er Jahre das klotzig wirkende Kreishaus. Ende der 60er Jahre kam ein Volksbank-Neubau hinzu. Am Albaniplatz wurde 1956 das Stadtparkgebäude abgerissen. Zwischen 1962 und 1964 entstand dort die Stadthalle. In der Innenstadt musstenzwischen 1956 bis 1965 mehrere Fachwerkhäuser, Putzbauten und das neubarocke Armbrusterhaus dem Karstadt-Neubau samt Erweiterungsbau weichen. Überall in Göttingen finden sich weitere Bauwerke des Jahrzehnts. Das Institut für den wissenschaftlichen Film etwa wurde 1961 eröffnet. 1965 entstand die Gewerbeschule am Ritterplan. Das Kaufhaus Kepa wurde 1969 am Markt gebaut.

Wer hat laufende Bilder aus den 60ern?

Gemeinsam mit der Stadt Göttingen unternimmt das Tageblatt eine Zeitreise durch die Nachkriegsjahrzehnte. 2011 stehen die 1960er Jahre auf dem Programm. Gesucht werden vor allem Filmaufnahmen – von den Veränderungen im Stadtbild und in der Landschaft, aus Vereinen und Verbänden, dem Arbeitsleben, den Familien und anderen Lebensbereichen der Menschen in der Stadt Göttingen. Auch Fotografien tragen dazu bei, das Jahrzehnt zu erkunden. Wie schon bei der vorherigen Etappe, den 50er Jahren, soll am Ende der Reise eine DVD entstehen. Informationen über die Geschichtswerkstatt sind im Internet unter www.goettinger-zeitreise.de, telefonisch unter 05 51 / 90 17 66 erhältlich.

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