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Über Parteigrenzen hinweg verständigt

Erich Heinrich Biederbeck Über Parteigrenzen hinweg verständigt

Wenn Gerhard Biederbeck an seinen Vater zurückdenkt, fällt ihm als Erkennungszeichen ein Bekleidungsstück ein: „Er trug immer einen großen Hut“, erzählt der in Göttingen aufgewachsene Gymnasiallehrer über Erich Heinrich Biederbeck, von 1959 bis 1968 Göttinger Oberstadtdirektor.

Auch eine Charaktereigenschaft seines Vaters ist ihm bis heute gegenwärtig: seine Befähigung zur „Verständigung über Parteigrenzen hinweg“.

So deutet er das 1964 vom niedersächsischen Landtag verabschiedete „Gesetz über die Neugliederung des Landkreises und der Stadt Göttingen“ als Folge überparteilicher Gespräche vor allem zwischen seinem der FDP angehörenden Vater sowie den Sozialdemokraten Klaus Peter Bruns und Hans Kellner, damals Göttinger Landrat und Oberkreisdirektor: „Das waren die Motoren des Göttingen-Gesetzes.“ Auch beim Besuch der Händel-Festspiele in Halle, zehn Jahre vor Willi Brandts neuer Ostpolitik unter dem Motto „Wandel durch Annäherung“, habe sein Vater politische Vorbehalte in der persönlichen Begegnung überwunden.

Einige Fotos aus dem Nachlass des Vaters hat Biederbeck dem Tageblatt für die Geschichtswerkstatt „Göttinger Zeitreise“ zur Verfügung gestellt. So etwa ein 1964 aus Anlass des 50. Geburtstages aufgenommenes Bild, dass ihn mit Gratulanten aus Stadt und Landkreis zeigt. Oder eine Fotografie aus dem gleichen Jahr, entstanden im Umfeld der Rektorenversammlung in der gerade erst eröffneten Göttinger Stadthalle, die auch Bundeskanzler Ludwig Erhard besuchte: In Anwesenheit von Biederbeck und Oberbürgermeister Gottfried Jungmichel trug sich das Staatsoberhaupt in das Goldene Buch der Stadt ein.

Gerhard Biederbeck erinnert sich an weitere Erlebnisse, die mit dem Wirken seines Vaters in Verbindung stehen. An die Reise nach Kairo auf Einladung des ägyptischen Wirtschaftsministers. „Eingeladen waren aber mit 13 Jahren einer meiner Freunde und ich, mein Vater war nur unsere Begleitung“, erzählt der 62-Jährige. Auch Begegnungen mit bedeutenden Wissenschaftlern wie dem Nobelpreisträger Otto Hahn bei Spaziergängen mit dem Vater im Hainberg fallen ihm wieder ein. Der Stadtwald ist auch einer der Gründe, warum es den mittlerweile in Neustadt am Rübenberge lebenden Lehrer immer wieder nach Göttingen und in seine hiesige Zweitwohnung zurückzieht: „Ich hänge sehr an der Stadt und ihrem Wald.“

Für die Göttinger Zeitreise werden Filme und Fotografien aus den 1960er Jahren gesucht. Infos unter Telefon 05 51 / 90 17 66 oder im Internet: goettinger-zeitreise.de.

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