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Von der Reithalle zum größten Kino Göttingens

Stern-Filmtheater, Teil 2 Von der Reithalle zum größten Kino Göttingens

Es war jahrzehntelang größtes Lichtspielhaus der Stadt Göttingen und bestimmte die Kinolandschaft in der Filmstadt wesentlich mit: das Sterntheater. Seit seiner Gründung hat das Haus eine wechselhafte Geschichte erlebt.

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Besucheransturm zur „Schwarzen Narzisse“: Lange Schlangen bilden sich zur Eröffnung des Sterntheaters im September 1949.

Quelle: Lübcke

„Göttingen steht eine Überraschung bevor. Am vierten September öffnet das neu errichtete Stern-Theater seine Tore, um dem filmfreudigen Göttinger Publikum gute Lichtspielkunst zu bieten.“ So beric htet die Göttinger Presse im September 1949. Tatsächlich stellte die Eröffnung des Kinos in der Sternstraße 7 einen Meilenstein in der Göttinger Kino-Unterhaltung dar. Mit 960 Sitzplätzen ist es das größte Filmtheater der Stadt, die Technik ist auf dem neuesten Stand.

Die Auswahl des Standortes macht ein Kino mit solchen Ausmaßen erst möglich. Die ehemalige Reithalle der Wörthkaserne bietet genügend Platz für ein gediegenes Filmtheater. Den Umbau des großen Backsteinbaus führt der Heidelberger Architekt Alfred Farnik durch. Erster Betreiber und Geschäftsführer des Sterntheaters ist Joachim Bernau. Als Eröffnungsfilm läuft der Farbfilm „Schwarze Narzisse“. In den Hauptrollen des 100-minütigen Dramas Deborah Kerr und Jean Simmons. Die Menschen strömen in Scharen zum Kino und stehen Schlange bis auf die Straße.

Sechs Jahre später, am 1. Juli 1955, übernimmt Kino-Mogul Kurt Krause das Sterntheater. Der Besitzer des Kinos Krone hat keine Schwierigkeiten, sich gegen die starke Kino-Konkurrenz (unter anderem Capitol, Central, Kammerspielen, Eden, Casino) in Göttingen durchzusetzen. In der Zeit als Göttingen Filmstadt ist, hat Krause die großen Stars des Filmgeschäfts zu Gast. Schauspieler wie Heinz Rühmann, Maria Rökk oder Klaus Kinski kommen zu Filmpremieren und tragen sich in das Stern-Gästebuch ein.

Bereits zwei Jahre später wird im Sterntheater ein zweiter Saal angebaut. Innerhalb von nur vier Wochen wird das Sternchen mit 400 Sitzplätzen hochgezogen und im Dezember 1957 mit der Aufführung von „Krieg und Frieden“ mit Audrey Hepburn und Henry Fonda eröffnet. Im Wintersemester 1960 dient das Sterntheater als Vorlesungssaal für die überfüllte Universität. Kein Saal der Uni war groß genug, 1000 Studenten unterzubringen. Im Stern ist genügend Platz für die überlaufenen Anglistik- und Germanistikvorlesungen. In Studentenkreisen wird schnell vom „Filmer-Auditorium“ gesprochen.
1986 zieht sich Krause, damals 68 Jahre alt, aus dem Filmgeschäft zurück. Die elf Krause-Kinos, darunter auch das Sterntheater, werden von Hans-Joachim Flebbe übernommen. Flebbe baut in Göttingen ein neues Kino-Imperium auf. Herzstück wird 1996 das Cinemaxx auf der Westseite des Bahnhofs mit Platz für 1700 Besucher in neun Sälen. Das Sterntheater will Flebbe mit 712 Plätzen als zweitgrößtes Kino der Stadt weiterbetreiben.
Krause, immer noch in Besitz des Sterngebäudes, befürchtet jedoch, dass die Vielfalt der Kinolandschaft in Göttingen durch den neuen Multiplex abnehmen wird. Er verlängert den Mietvertrag mit Flebbe nicht und kommt nach zehn Jahren zurück ins Kinogeschäft. Im Februar 1996 flimmern unter Regie von Krause die Filme „Sieben“ und „Abbuzze“ über die Leinwände von Stern und Sternchen.

Neue Mieter werden die Hamburger Union-Kinobetriebe. Im Sterntheater laufen weiterhin große Filmproduktionen aus Hollywood. Die gleichen Blockbuster, die auch im Cinemaxx laufen. Um diese Konkurrenzsituation zu entschärfen, übernimmt die Cinemaxx AG im Herbst 2003 das Sterntheater von der Union. Das Kino wird zum Programmkino für Filmkunst. Innerhalb der nächsten Jahre sinken die Besucherzahlen. Das Unternehmen Filmkunsttheater in den Händen des Cinemaxx-Konzerns funktioniert nicht.

Am 1. Januar 2009 übernehmen Sybille Mollzahn und Torben Scheller als Vereinigte Kinobetriebe GmbH das Sterntheater. Sie führen seitdem das Konzept des Programmkinos in den zwei Sälen Stern und Sternchen mit heute rund 700 Plätzen fort – mit aktuellen Filmen, Previews, Kurzfilmen sowie Frühstückskino und Kinderfilm-Programm.

  Premiere am 26. September
 

Das Tageblatt hat aus Filmen und Fotos von Lesern einen Film mit dem Titel „Die 50er Jahre in Göttingen produziert. Premiere ist am Sonntag, 26. September, um 12 Uhr im Stern-Filmtheater, Sternstraße 7. Eben dort, wo auch in den 50er Jahren glanzvolle Filmpremieren gefeiert wurden. Der 40-minütige Film beleuchtet (mal auf ernste, mal auf humoristische Art) ein Jahrzehnt voller Widersprüche in Göttingen. Karten gibt es in der Tageblatt-Geschäftsstelle in Göttingen, Jüdenstraße 13c, und in Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11, sowie im Stern-Filmtheater, Sternstraße 7, und an der Abendkasse zum Preis von 2,50 Euro.
Die 40-Minuten-DVD „Die 50er Jahre in Göttingen“ mit umfangreichem Bonusmaterial wird ab Montag, 27. September, zum Preis von 14,90 Euro in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen und Duderstadt und bei der Premiere im Stern-Kino erhältlich sein.

mr

Von Björn Dinges

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