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Der 3. Tag: Witzenhausen

Witzenhausen Der 3. Tag: Witzenhausen

Heute soll der heißeste Tag der Woche werden... hallte es aus dem Radio. Na dann werden wir wenigstens braun, andere müssen dafür viel Geld zahlen.  Meine größte Sorge lag darin, ob die Haare richtig sitzen und wie das Make Up aussieht?!

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Schließlich macht sich auch  SAT1 Regional auf den Weg, um einen Bericht über mein Projekt  zu drehen.

Ich war beruhigt, als meine Freundin Bianca klingelte. Sachen waren alle gepackt und ich war Startklar. Heute ging nicht alles so fließend, denn ich durfte meine Neuro-Orthese noch nicht anlegen, Sat1 wollte noch eine Rolliszene im Kasten haben. Ich wusste ja, es würde nur noch einmal für einen kurzen Moment sein. Mein Herzblatt  fuhr uns wieder zum Restaurant Biewald, wo wir ja vorgestern ankamen.

Auch diesmal hatte Familie Raub wieder alles ganz süß vorbereitet, Kaffee stand für alle da und kleine Leckereien. Ich dachte noch, wenn ich jetzt zu viel esse, müsste ich vor der Kamera die ganze Zeit den Bauch einziehen, also blieb es erst einmal beim Kaffee. Danach ging alles ziemlich schnell.

Erst hatte ich ein sehr entspanntes Telefoninterview mit Radio 21, und als wir fertig waren, stand schon das Kamerateam in den Startlöchern. Meine Freundin Susi war auch wieder mit am Start und sie traf ein. Völlig geduldig und sehr respektvoll war die Arbeit mit diesem tollen Team und wir konnten eine Szene nach der anderen abhaken. Dann hatte ich sie wieder am Bein! Mein Baby! Und schon ging es los, endlich...

Das Kamerateam begleite uns noch eine ganze Weile, aber das seht ihr Montag oder Dienstag um 17.30 auf Sat1 Regional, ich bin auch schon gespannt.

Wir waren gerade in Marzhausen angekommen, da hielt ein Auto mitten auf der Straße und eine Frau kam auf uns drei zu, und wir hatten ein tolles und emotionales Gespräch mit Frau Burose. Sie hat uns dann noch eine Spende in die Hand gedrückt und uns die Daumen gedrückt, dass wir diesen Tag gut durchhalten. Zu der Zeit waren wir sowas von überzeugt davon.

Wir machten uns aber zügig auf den Weg, wir wollten irgendwo noch ein leckeres Eis essen :-)  Weiter ging es in der Sonne nach Hermannrode (dieser Ortsname wollte einfach nicht in meinem Kopf bleiben), und am Ortseingang warteten schon Herr Enders und Frau Fahrenholz. Wie sich dann herausstellte, holte Frau Fahrenholz ihren Nachbarn  (Herr Enders) vom Rasenmäher, denn schließlich erscheine KATHI ja gleich, sie hatte uns auf der Landstraße mit dem Auto überholt. Also standen die zwei dort ganz lieb mit einer kühlen Flasche Wasser, die tatsächlich in wenigen Minuten leer war.

Das war göttlich. Wir haben mit den beiden noch eine Weile geplauscht - auch die beiden haben uns eine Spende in die Hand gedrückt - und sind dann weiter gezogen. Wie gern hätte ich all die lieben Menschen, die wir trafen, einfach mitgenommen. Wir hatten zu der Zeit etwa 30-35 Grad in der Sonne, jaaaa das war schon mal flauschig warm. Wir waren noch nicht durch den Ortskern, als uns wieder eine Frau skeptisch ansprach und wir Drei meinten, wir könnten uns im Schatten gern weiter unterhalten, aber schön wäre eine sanitäre Entspannungsanlage (Toilette klingt so hart).

Tatsächlich, Bianca überzeugte, und wir durften alle mal bei ihr daheim ins Bad. Hände waschen kann bei dem Wetter so grandios wie selten sein. Wir sind dann zu viert an einen Brunnen an der Kirche, und da haben wir drei unsere Pause eingelegt, während wir mit der netten Frau weiter sprachen. Was die wohl von uns dachte? Sie kannte das Projekt nicht, wunderte sich nur über die Aufmerksamkeit, die uns zuteil wurde. Fertig geschlemmt und getrunken, kam die Ansage von Susi und Bianca: " Eincremen!"

Alles klar, es war wieder so weit. Hier Öl hingesprüht, dort Sonnenschutz hingeschmiert, und alle haben gegenseitig geholfen. Klebrig ging es wieder in die Sonne... Ich mochte die gerade nicht so gern sehen, ein Wölkchen oder ein Tröpchen wäre jetzt echt traumhaft.

Es ging plötzlich nur bergauf, es muss der kleine Bruder vom Mount Everest gewesen sein, es hörte nicht mehr auf, aber irgendwann kam ein Waldstück. Schatten! Danke! Aber es wurde nicht besser, wir sprachen auch nicht mehr, es war echt anstrengend und ich dachte nur  'gleich sind wir an den Wolken, da wird´s kühler...'  Nee, es wurde immer heißer. Wir unterhielten uns über Christian, einen jungen Mann aus meinem Freundeskreis, der kürzlich an Krebs erkrankte und seinen Kampf gegen diesen Fiesling erst begann. Wir wussten, aufgeben zählt heute erst recht nicht.

Wir haben viel über Christian geredet und wir waren uns einig, dass wir mit diesem Weg ihm viel Kraft geben können! Und deswegen war der Name für diesen Weg mehr als perfekt in meinen Augen, auch wenn wir ihn Tage vorher aussuchten und entschieden hatten. Ich hoffe, er konnte etwas davon spüren.

Irgendwann dachte ich nur, wo zum Teufel sind wir, und da tat sich vor uns ein imposantes Gebäude auf, das konnte doch nicht... doch, wir waren am Schloss Berlepsch. Es war schon sehr beeindruckend, und wir verharrten kurz und schossen ein paar Bilder. Die Sonne brannte gnadenlos. Inzwischen brach unsere Elektronik zusammen, Handyakkus, GPS und Navi verabschiedeten sich nacheinander.

Herr je, wir verlaufen uns doch wieder, meinte ich zu den Mädels, aber im Gegensatz zu mir waren die beiden bestens vorbereitet. Wir sind dann einen kleinen Weg runter, was für mich sehr schwierig ist, an dem "Hexenhäuschen" vorbei, und dann waren wir mitten im Wald. Der Weg war irgendwie weg. Ach, Brennnessel ist gut gegen Rheuma, aber sorry, so viele?!  

Ich wollte es nicht mehr spüren, ich wollte ein Eis und einen Pool und überhaupt. Auf einmal, mitten im Wald, ein Knirschen, das wurde sofort zum lauten Knacken und Poltern... ich war noch damit beschäftigt, meine Herzklappe festzuhalten, und wie ich sah, meine beiden Mädels auch, als ein riesiges Reh panisch an uns vorbei lief. Das arme Tier! Ob es sich von diesem Schock irgendwann erholt?

So wie das schaute, hat das arme Ding noch nie, wirklich nie, so etwas wie uns gesehen. Aber jetzt, wo ich darüber nachdenke, wie sollte es auch? Dort kamen das letzte mal Menschen lang, da war das arme Reh noch gar nicht geboren.

Gefühlte 8 Kilometer später, es waren sicher nur 2, kamen wir wieder an die Landstraße. Und es ging weiter, endlich Sonne... ich wollte kein Eis mehr, ich wollte nur noch ein Bett und 15 Liter in Eiswürfel verpackt... Wir blieben hart, wir sind am nächsten Café vorbei und liefen stramm weiter...  Jede träumte von anderen Sachen. Eine von einem eiskalten Alster, ich von Döner mit Kaffee und Schatten und die nächste vom Meer.

Ich hatte das Gefühl, dass wir uns wieder verlaufen haben, wir mussten inzwischen in Afrika sein, anders war es gar nicht möglich auf einer Landstraße mit meinen Schuhen Abdrücke im Teer zu hinterlassen. Davon waren wir echt geschockt, und ich hatte das Gefühl, die Sonne versucht uns in die Knie zu zwingen.

Wenn doch nur Schatten käme. Inzwischen tat auch das Atmen weh und man hatte das Gefühl, nur noch Teer zu atmen. Die Haut hat gebrannt, die vorbeifliegenden Autofahrer nahmen immer weniger Rücksicht, der Schweiß lief. Uns fiel auf, das wir gar nicht mehr Pipi mussten, obwohl wir so viel tranken. Da vorn, da ist ein Gebüsch, kurz vor Gertenbach! Da ist Schatten! Wir brauchten eine Pause. Mein Leberwurstbrötchen war unterwegs sauer geworden, kann ich ihm auch nicht verdenken. Susi hat mir dann ihr Käsebrötchen angeboten, und nun kommt mein persönlicher Hammer.

Ich nahm sehr dankbar das Brötchen, wickelte es aus, will rein beißen, da tropft mir doch tatsächlich der Käse auf die Hand. Es war kein Schmelzkäse. Ich musste so doll lachen. Wer hat so was schon einmal erlebt? Ich nicht. Wir waren viel zu spät dran, aber der letzte Kampf, und wir sahen ja das Ziel schon, als wir uns umdrehten und am Horizont den Minibau des Schloss Berlepsch sahen, wussten wir, was wir da gerade geschafft haben.

Kurz vorm Ziel befanb sich eine Weide mit Pferden und Susi im Glück. Bianca ging mit zu ihr und wir genossen die Zeit mit diesen friedlichen Wesen, vielleicht gewöhne ich mich doch mal an diese Tiere. Jetzt wollten wir aber ankommen und eigentlich nur noch sitzen. Da haben wir es gesehen!

Mit Kreide auf die Straße geschrieben " noch 100 m",  etwas später "Kathi GO GO" , dann ein paar Meter weiter "Endspurt", und da sahen wir die ganzen Menschen, die da auf uns warteten, und plötzlich ging ein riesiger Applaus los. Die letzten aufgemalten Zeichen "Ziel" ..

Der Applaus, die Bürgermeisterin von Witzenhausen Frau Fischer, Mike und Sarah und ihre Eltern vom Erlebnispark, alle  Besucher, Familie Eikenberg von Imprints .... alle applaudierten, und die ganze Anspannung, dieser brutale Weg, diese Hitze, alles fiel ab, und bei uns drei liefen die Tränen vor Rührung und Erleichterung, es geschafft zu haben! Es war unglaublich und wollte nicht aufhören. Was für ein emotionaler Empfang!

Lieber Christian, du schaffst diesen Weg auch! Dein Weg wird viel härter, aber wir stehen hinter Dir, möchten dir ganz viel Kraft mit auf diesen steinigen Weg geben und Dir zeigen, Du gehst den Weg nicht allein! Ich drück´ dich!

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Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016