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Kathi aus Göttingen hat ihre Orthese

Stolz und Dankbarkeit Kathi aus Göttingen hat ihre Orthese

In sechs Wochen hat Kathi Kahrstedt zu Fuß die Stadt umrundet, dabei 316 Kilometer zurückgelegt. Seit Freitag ist die Teilquerschnittsgelähmte, die mit der Aktion Spenden für eine Neuro-Orthese gesammelt hat, buchstäblich am Ziel: Sie hat das Gerät erhalten und kann jetzt fast beschwerdefrei gehen.

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Kathi geht – und Duderstädter gehen mit
Quelle: CH

Göttingen. Als Orthopädie-Techniker Alfred Thies vom Sanitätshaus O.R.T. die Orthese eingestellt und Kathi sie sich angelegt hatte, überzog ein zufriedenes Lächeln ihr Gesicht. „Es ist vollbracht“, sagte die 37-Jährige mit sichtlicher Genugtuung. „Stolz“ sei sie, wenn sie auf die vergangenen Wochen zurückblicke. Da sei aber auch „sehr viel Dankbarkeit“, denn ohne ihre Freunde und Unterstützer hätte sie ihr Vorhaben niemals in die Tat umsetzen können.

 
Rückblick: 2013 erlitt die gebürtige Brandenburgerin durch eine Rückenmarks-Infektion eine Teilquerschnittslähmung, war auf den Rollstuhl angewiesen. Weil ihre Krankenkasse „keine medizinische Notwendigkeit“ für eine Neuro-Orthese sah, beschloss Kahrstedt, selbst initiativ zu werden und sich das erforderliche Geld zu besorgen. Aber nicht, indem sie auf die Tränendrüse drückte, sondern indem sie etwas leistete: mit Hilfe einer geliehenen Neuro-Orthese einmal um Göttingen zu wandern.

 

 
Nichts konnte Kahrstedt dabei aufhalten: kein Sturzregen, keine brütende Hitze, keine Bremsenbisse, kein aus der Ausfahrt schießendes Auto, das sie am Bein erwischte, ja noch nicht einmal ihr mangelnder Orientierungssinn, dem sie 36 zusätzlich gegangene Kilometer verdankt. Kathi ist eben stur – was sie sich einmal in den Kopf gesetzt hat, zieht sie konsequent durch.

 
Aber die Powerfrau hat auch eine andere, eine weiche Seite. Die präsentierte sie am Freitag und gewährte Einblick in ihr Seelenleben: „In den Wochen vor Beginn meines Marsches lag ich nachts oft wach, weil ich Angst hatte, dass mein Körper mich im Stich lassen könnte.“ Und sie macht auch kein Hehl daraus, dass sie – als schon viele Etappen hinter ihr lagen und alles auf ein gutes Ende hinauslief – immer wieder Zweifel überkamen: „Ganz sicher, dass ich es schaffen würde, war ich erst, als ich in Rosdorf ankam und die Leute mich beglückwünschten.“

 
Das Anwaltsbüro, in dessen Obhut Kathis Spendenkonto sich befindet, hat 9405 Euro für die Neuro-Orthese überwiesen. Den überschüssigen Betrag, rund 3000 Euro, will Kathi am 12. August der Häuslichen Kinderkrankenpflege (KIMBU) Göttingen übergeben. Doch das soll noch nicht alles gewesen sein: „Ich habe schon ein weiteres Spenden-Projekt in Planung“, kündigt Kathi an.

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