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Ein Stück Brauereigeschichte

Göttinger Bier im Alten Rathaus Ein Stück Brauereigeschichte

Keine Frage: Bier gehört in den Keller des Alten Rathauses, wie das Rathaus selbst zu Göttingen gehört. Seit Jahrhunderten wird Göttinger Bier im Ratskeller ausgeschenkt und getrunken.

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Zeugnis Göttinger Brauereigeschichte: Steinmetz Christoph Wolf restauriert den Brauereistein (oben). Die Anlieferung des Steines ist ein Kraftakt (oben rechts). Inzwischen steht er an seinem Platz.

Quelle: CH

Mehr als 50 Jahre lang war die Göttinger Brauerei zuletzt selbst Pächter der Gaststätte im Gewölbekeller. Jetzt, mit dem Umbau zum Bullerjahn, zieht auch ein Stück Göttinger Brauereigeschichte in den Keller ein.

Der Brauereistein, der bis zum Abriss der Göttinger Brauerei im Brauweg in deren Turm eingelassen war, wird im Bullerjahn einen Ehrenplatz bekommen – in einer Nische neben dem Haupteingang, gegenüber der Theke. Inzwischen steht der Zeuge Göttinger Braukunst an seinem Platz. Der Weg dahin war steinig.

Der Stein war in keinem guten Zustand. „Er war ziemlich schwarz und verkrustet“, sagt Steinmetz Christoph Wolf. Seit 1889, mit dem Neubau der Brauerei, war der Stein der Witterung und Brauereiluft ausgesetzt. Die Substanz des recht weichen, vermutlich aus der weiteren Region stammenden Sandsteins sei aber durchweg gut gewesen, so Wolf. Hier und da waren kleinere Stücke herausgebrochen.

Der dreigeteilte Stein zeigt in seiner Mitte das Göttinger Stadtwappen, inklusive dem Wappenlöwen der welfischen Herzöge, der Stadtmauer und dreier Türme. Oberhalb sind Ähren dargestellt. Links und rechts ist das Wappen von Hopfen umrankt. Der Stein ist etwa 1,70 Meter breit, rund 1,60 hoch und hat ein Gewicht von knapp 1,2 Tonnen. Für den einstigen Besitzer, Bernhard Gödde vom Einbecker Brauhaus, ist der Stein ein Stück Brauerei- und Markengeschichte: „Die sollte man unbedingt zeigen.“

Im Auftrag von Ratskellerpächter Olaf Feuerstein hat sich Wolf an die Restaurierung des Steins gemacht. Zunächst war eine komplette Reinigung des Stein nötig. Um ihn zu verfestigen, hat Wolf Bindemittel aufgetragen. Erst dann konnte die eigentliche Restaurierung beginnen. „Einfühlsam“ müsse man dabei arbeiten, sagt Wolf, sonst begehe man „Stilbruch“. Akribisch modelliert er etwa eine abgebrochene Pfote oder das Ohr des Wappenlöwens neu. Wolf benutzt dazu einen speziellen Natursteinmörtel. Eine darauf spezialisierte Firma hat diesen anhand von Gesteinsproben des Göttinger Steins hergestellt. So ist sichergestellt, dass die restaurierten Stellen später kaum oder gar nicht mehr zu sehen sind.

Die Restaurierung war nicht nur kostspielig – im niedrigen fünfstelligen Bereich –, sondern auch zeitintensiv. Rund 80 Stunden hat Wolf daran gearbeitet. Am Ende wurde es für ihn und seine Mitarbeiter Fabian Blume, Ralf Brandt und Hermann Magers auch noch schweißtreibend. Mit einem Flaschenzug, einem Gerüst und jeder Menge Muskelkraft haben sie den Stein über die Eingangstreppe zum Keller an seinen künftigen Standort bugsiert. Mit den gleichen Hilfsmitteln also, wie sie vor mehr als 700 Jahren vielleicht von den Arbeitern benutzt wurden, um die Steine des Rathausfundamentes zu bewegen.

In der nächsten Folge: der Innenausbau für den Bullerjahn.

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