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„Emotionen waren da, als wir die Tür abgeschlossen haben“

26 Jahre als Pächter „Emotionen waren da, als wir die Tür abgeschlossen haben“

„Ich habe geheult wie ein Schlosshund.“ Nein, der Abschied von ihrem „Rathskeller“ ist Karin Ollhoff nicht leicht gefallen. Am 11. Februar 1984 haben sie und ihr Mann Peter den Schlüssel für die historische Gaststätte im Alten Rathaus als neue Pächter von der Stadt bekommen. Exakt 26 Jahre später, am 11. Februar 2010, haben sie ihn zurückgegeben. Ihr Mann pflichtet bei: „Die Emotionen waren da, als wir das letzte Mal die Tür abgeschlossen haben.“

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Schwelgen in Erinnerungen: Peter und Karin Ollhoff.

Quelle: Hinzmann

1984 kam das Ehepaar aus dem Rheinland zurück in die Geburtsstadt von Peter Ollhoff und übernahm als Unterpächter des damaligen Göttinger Brauhauses den Ratskeller. „Wir waren uns bewusst, dass es ein Haus mit Historie war. Der Ratskeller war immer die gute Stube der Stadt“, sagt Peter Ollhoff. Und Karin Ollhoff: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“
Ihre Konzeption für den Ratskeller war schnörkellos: „Wir haben ihn als Gesellschaftshaus geführt. Als Haus für den Göttinger Bürger“, sagt Peter Ollhoff. Für ihn hieß das: „À la carte und kleine und große Feiern machen den Braten fett.“ Eine Konzeption, die man „über 26 Jahre gefahren habe“.

Gerade in der „hochkonjunkturellen Phase“ Mitte der 90er Jahre brummte der Laden. Es sei die Zeit gewesen, in der die Ollhoffs als „klassische Wirte“ immer mehr zu Managern werden mussten, erklärt Peter Ollhoff. Bis zu 50 Vollzeitbeschäftigte hätten damals im Ratskeller gearbeitet, selbst zum Schluss seien es noch zwischen 30 und 40 gewesen. Trotz vieler Angestellter, eines hat sich die Chefin in den 26 Jahren nicht nehmen lassen: Die Gänse, die im Herbst serviert wurden, hat sie bei den Gästen am Tisch immer selbst tranchiert. Pro Saison rund drei Tonnen. Sie behielt auch die Nerven, wenn sich rund 200 ehemalige Schüler des Felix-Klein-Gymnasiums zum Gänseessen angemeldet hatten.

Einen Ruhetag hat es im Ratskeller in der Ära Ollhoff nicht gegeben. „Wir hatten 365 Tage im Jahr geöffnet.“ 365 Tage mit durchgehend warmer Küche von 11.30 bis 22 Uhr. Bis 1997 sei der Umsatz pro Jahr um 25 Prozent gestiegen. Wieviel Gäste die Ollhoffs im Ratskeller bewirtet haben, wissen sie nicht. Es habe Jahre gegeben in denen die Zahl der Rechnungen die 100 000er-Marke überschritten habe. „Ein deutlicher Einbruch kam mit der Einführung des Euros“, sagt Karin Ollhoff.

Auch wenn ihre Zeit im Ratskeller inzwischen der Vergangenheit angehört, das Inventar längst unter den Hammer gekommen ist, und sie ihre Energie in das Hotel „Zum Stresemann“ ihres Sohnes stecken – etwas Ratskellernostalgie haben sich die Ollhoffs bewahrt. Mehrere dicke, in Leder gebundene Gästebücher, für jedes Jahr eins, haben sie behalten. Verewigt sind darin unzählige Familienfeiern, Betriebsfeste. Stammgäste haben einen Spruch hinterlassen. Promis wie Alfred Biolek, Suzi Quattro, die Tremoloes oder Rita Süssmuth haben sich bereitwillig fotografieren lassen. „Ich schaue sie mir oft an“, sagt Karin Ollhoff. Er ergänzt: „Die Zeit im Ratskeller hat uns erfüllt und ausgefüllt. Und sie ist schnell vergangen.“

Für die Zukunft des Ratskellers wünschen sich die Ollhoff, dass es „das Traditionshaus“ der Stadt bleibt. Peter Ollhoff fragt mit Blick auf den künftigen Pächter: „Werden jetzt Manager wieder zu Wirten?“

mib

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