Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Göttinger Ornithologe Hans-Heinrich Dörrie über Eulenvögel

Gutes Mäusejahr ist gutes Eulenjahr Göttinger Ornithologe Hans-Heinrich Dörrie über Eulenvögel

Als Familie Vogel­saenger vor Jahren zum ersten Mal die nächtlichen Schreie hörte, befürchteten die Groß Lengdener eine Notsituation und rückten zur Tierrettung aus. Aber der laute Vogel, eine junge Waldohreule, flog davon. Seitdem erhält die Familie regelmäßig Besuch. Tagsüber verstecken sich die Jungvögel, nachts erbetteln sie lautstark Futter von den Eltern.

Voriger Artikel
Neuer Fotokalender von Carsten Linde aus Bösinghausen
Nächster Artikel
Gut geschnüffelt, fest gewickelt

Auch der Sperlingskauz ist in Südniedersachsen heimisch. Tageblatt Leser Wolfgang Kühn hat dieses Beweisbild fotografiert.

Quelle: Kühn

Göttingen. In diesem Jahr saßen in der Haselnuss neben der Terrasse gleich zwei der großäugigen Tiere. Beweisfotos schickten Stefanie und Wolfgang Vogelsaenger ans Tageblatt.
„Das ist typisch für Waldohreulen“, sagt der Göttinger Hans-Heinrich Dörrie. „Die Jungvögel klingen wie rostige Türangeln, und sie fiepen die ganze Nacht.“

Erfreulich viele Gartenbesitzer in der Region hätten in diesem Jahr solche Besucher registriert. „Wir haben ein gutes Mäusejahr“, sagt Dörrie. Und gute Mäusejahre seien in der Regel auch gute Eulenjahre.

Als „spektakulär“ empfand Dörrie eine Waldohreulenfamilie, die im Wassergewinnungsgelände neben der Göttinger Drachenwiese ihre Jungen aufzog. „In dem umzäunten Areal fühlten sich die Tiere offenbar sehr sicher.

Viele Menschen haben vom Zaun aus zugesehen, wie die Jungtiere gefüttert wurden und fliegen lernten“, erzählt Dörrie, „die hatten einen richtigen Fanclub.“ Ein Eulenfreund filmte die Tiere sogar und stellte sein Werk unter dem Titel „Junge Waldohreulen in Göttingen“ über das Videoportal Youtube ins Internet.

Waldkäuze gehen spazieren

Häufiger als die vor allem in Ortsrandlagen und in Feldgehölzen lebende Waldohreule sei in der Region der Waldkauz vertreten, so etwa auf der Göttinger Schillerwiese. Den direkten Siedlungsbereich mieden die Vögel. Die Jungtiere spazierten häufig auf der Erde umher, was nicht bedeute, dass sie verwaist seien: „Die Mutter überwacht und füttert ihren Nachwuchs die ganze Zeit“, berichtet Dörrie.

Viele junge Waldkäuze landeten aus diesem Missverständnis heraus unnötigerweise in Wildtierpflegestationen.

Selten zu sehen, aber dennoch vor allem in den Offenlandbereichen im Eichsfeld zu Hause sei die Schleiereule. Durch den vergangenen sehr kalten Winter, gefolgt von einem schlechten Mäusejahr, habe diese Art 2013 große Verluste erlitten. „Aber dafür ziehen sie in guten Mäusejahren wie diesem manchmal bis zu drei Bruten nacheinander auf“, sagt Dörrie.

Als Tageblatt-Leser Wolfgang Kühn ein kleines Gesicht mit leuchtend gelben Augen aus einer Baumhöhle herausblinzeln sah, drückte der Eddigehäuser auf den Auslöser seiner Kamera – Beweis dafür, dass der Sperlingskauz, „die kleinste Eulenart Mitteleuropas“, auch in Südniedersachsen heimisch ist.

2014 ein gutes Mäusejahr

Rund zehn Brutpaare soll es in der Region geben, unter anderem bei Reinhausen und in den Hochlagen des Kaufunger Waldes, Bramwaldes und Sollings. „Der Sperlingskauz brütet in Buntspechthöhlen und ist etwas größer als ein Star“, charakterisiert Ornithologe Dörrie den auch liebevoll „Spauz“ genannten Vogel.

So harmlos wie sein Kosename klingt, ist der Sperlingskauz allerdings nicht. Vogelexperte Dörrie beschreibt ihn als eher rabiaten Gesellen, „der nicht nur Mäuse, sondern auch Vögel erbeutet, die genauso groß sind wie er“.

Schlechte Zeiten hatte mangels Mäusen der Raufußkauz, sonst häufiger und ein wenig größer als der Sperlingskauz.

Er bewohnt ausgediente Schwarzspechthöhlen. Auch dieser Eulenvogel bevorzugt die Hochlagen von Waldgebieten. In Solling, Harz und Kaufunger Wald leben Raufußkäuze, sagt Dörrie, „aber die Zeiten großer Populationen scheinen vorbei zu sein.“ Selbst wenn 2014 ein gutes Mäusejahr war: „Der Raufußkauz hat sich nicht vom vorherigen Mangeljahr erholt.“

ornithologie-goettingen.de
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Reisen mit den Kranichen
Kraniche im Winterquartier: aufgenommen in der spanischen Extremadura.

Carsten Linde  reist mit den Kranichen. Seit Jahren setzt sich der Bösinghäuser für den Schutz der grauen Zugvögel ein und dokumentiert ihr Leben mit dem Fotoapparat. Die schönsten Fotografien hat Linde für das Jahr 2015 zu einem Kalender zusammengestellt.

mehr
Tierische Bilder von Lesern des Göttinger Tageblatts

Regelmäßig sind auf der Tierseite im Göttinger Tageblatt Bilder von felligen, gefiederten oder schuppigen Weggefährten der Leser zu sehen. Möchten auch Sie uns ein Foto schicken? Senden Sie ihr Bild per Mail an tierisch@goettinger-tageblatt.de.

Die Zahl der Einbrüche steigt - auch in Niedersachsen. Was ist das beste Mittel dagegen?

Städtewetter
Tagestemperatur
°
Tiefsttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug