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Stiftungszentrale mit Strahlkraft

Heinz Sielmann Stiftungszentrale mit Strahlkraft

Ob Regenwurm oder Berggorilla, Arktis oder Afrika. Mit seiner Frau Inge und seinem Filmteam ist Heinz Sielmann in der ganzen Welt zuhause gewesen, das Eichsfeld ist ihm zur zweiten Heimat geworden.

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Tierfilmer: Am 2. Juni 2017 wäre Heinz Sielmann, der 2006 im Alter von 89 Jahren in München gestorben ist, 100 Jahre alt geworden.

Quelle: DPA

Duderstadt. Und es würde anders aussehen, wenn die Zentrale der Heinz-Sielmann-Stiftung nicht auf einem ehemaligen Duderstädter Stadtgut angesiedelt worden wäre. Dafür bemühen sowohl Inge Sielmann als auch Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) immer wieder die Begriffe Schicksal und Fügung.

„Statt sich zur Ruhe zu setzen, sind Inge und Heinz Sielmann 1994 zu einer ihrer längsten und schwierigsten Expeditionen aufgebrochen“, sagte Nolte vor drei Jahren beim Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Stiftung. Immer wieder wird auch die Vision zitiert, die Heinz Sielmann im Abspann seines 1988 gedrehten Filmes „Tiere im Schatten der Grenze“ äußerte: „Denkt man an die Geschichte dieser Grenze mitten durch Deutschland, dann kann man ihr wohl kaum etwas Positives abgewinnen. Vielleicht bietet sie aber uns Naturschützern noch eine Chance. Wie wir gesehen haben, gibt es im Schatten der Grenze noch intakte Lebensräume, Refugien der Natur mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt - ein verlockendes Ziel für ein gemeinsames Naturschutzprojekt von Ost und West.“

Aus der Vision wurde Realität, aus dem einstigen Todesstreifen das Naturschutz-Großprojekt „Grünes Band“, für das die Stiftung Pionierarbeit leistete. Auf Gut Herbigshagen schlägt seit vielen Jahren das Herz der Stiftung, das ständig erweiterte und umgebaute Natur-Erlebniszentrum ist fester Anlaufpunkt für Familien aus der Region geworden.

Hier hat das Projekt „Der kleine Landwirt“ seinen Anfang genommen, hier wurde auch das Baumhaus aus dem Kinderkanal nachgebaut und 2010 mit großem Spektakel eröffnet. Highlights im Jahresprogramm sind die öffentlichen Damwildfütterungen, der Almauftrieb des Harzer Roten Höhenviehs, Kräutermarkt und Weihnachtsmarkt, Kurse zum Obstbaumschnitt und Streubobstwiesenfeste, Fledermausexkursionen und Ferienprogramme. Auf dem Gut haben sich Holzbildhauer getroffen und verewigt, die Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde führt dort ihr jährliches Leistungshüten durch, verbunden mit einem Schäfermarkt.

Die Entscheidung der Stiftung für den Standort Duderstadt hat das ehemalige Rittergut vor dem Verfall bewahrt. Nach mehrjährigem Leerstand waren dort kurzzeitig Asylbewerber einquartiert, zuletzt hatte der stadtbekannte Obdachlose Georg „Schorsch“ Lenzen dort Unterschlupf gefunden. 2003 erwarb die Stiftung das bis dahin gepachtete Gut, ein Jahr später wurde es als Regionales Umweltzentrum anerkannt und als Bioland-Betrieb zertifiziert.

Viele junge Leute haben ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Stiftung absolviert, zahllose Schüler sind dort an „Naturschutz als positive Lebensphilosophie“ herangeführt worden. Nach dem verheerenden Orkan, der 1997 eine breite Schneise durch das Eichsfeld gerissen hat, organisierte die Stiftung Aufforstungsaktionen mit Schülern.

2005 haben Inge und Heinz Sielmann den Ehrenring der Stadt Duderstadt verliehen bekommen. 2005 wurde auch das Projekt Schulbauernhof gestartet, die „Dachsburg“ zu einer festen Unterkunft ausgebaut.

Die regionalen Aktivitäten der bundesweit agierenden Stiftung mit ihren Sielmann-Naturlandschaften beschränkten sich aber nicht auf Gut Herbigshagen. Das Ehepaar Sielmann, das seinen einzigen Sohn Stephan durch einen tödlichen Unfall verloren hat, hat viele Spuren im Eichsfeld gesetzt. Die Duderstädter Realschule trägt den Namen Heinz-Sielmann-Realschule, der nach ihr benannten Fuhrbacher Kindertagesstätte fühlt sich Patin Inge Sielmann emotional besonders verbunden.

Auch nach der Rhumequelle und dem Seeburger See hat die Stiftung in ihren Anfangsjahren die Fühler ausgestreckt, für Geländer, Aussichtsplattformen und ein Natur-Infohaus gesorgt. Es gibt einen Sielmann-Weg und einen Sielmann-Platz.

Kennengelernt haben sich Inge und Heinz Sielmann in der Nachkriegszeit beim Nordwestdeutschen Rundfunk in Hamburg. Von ihrem ersten Date - „Der Glöckner von Notre Dame“ im Kino - war Inge nicht gerade begeistert, bei der Birkhahnbalz in der Heide hat es dann zwischen den beiden gefunkt. Nach der Heirat 1951 zogen sie nach München, Jahrzehnte später gründeten sie gemeinsam die Stiftung und entschieden sich für Duderstadt als Zentrale.

Zurzeit sind sowohl die Stiftung als auch ihre Zentrale im Umbruch. Gut Herbigshagen wird ausgebaut und modernisiert, an der Spitze des Stiftungsrates löst am 1. Juni Fritz Brickwedde, der Gründer und ehemalige Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Inge Sielmann ab.

Mahner und Weltenbummler

Seine sonore, stets unaufgeregte Stimme hat Generationen von Fernsehzuschauern und Kinobesuchern die Welt der Tiere und die Achtung vor der Natur nähergebracht. Am 2. Juni wäre Heinz Sielmann, der 2006 im Alter von 89 Jahren in München gestorben ist, 100 Jahre alt geworden.

Mit mehr als 170 Folgen seiner „Expeditionen ins Tierreich“ zwischen 1960 und 1991 hat sich der Kameramann, Autor, Filmproduzent und Regisseur ins kollektive Gedächtnis der Nation eingebrannt. Für sein filmisches Schaffen hat der „TV-Dinosaurier“ zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, immer wieder vor der Maßlosigkeit der Menschheit und dem Raubbau an der Natur gewarnt.

Schon in seiner Kindheit in Ostpreußen erkundete Sielmann mit seinem Vater die Natur. Seinen ersten Dokumentarfilm „Vögel über Haff und Wiesen“ drehte er 1938 mit der Filmkamera, die er zum Abitur erhalten hatte. Mit „Quick, das Eichhörnchen“ und „Zimmerleute des Waldes“ begann in den 1950er-Jahren seine beispiellose Karriere mit langen Expeditionen in die ganze Welt – von den Galapagos-Inseln bis zu den Gorillas im Kongo.

„Die Tierfilmerei avancierte immer mehr zum Lebensinhalt und zur Passion meines Mannes und nahm eher den Charakter einer Berufung als eine Berufes an“, sagte seine Frau Inge, die ihn stets produktiv begleitet hat, im Tageblatt-Interview zu ihrem 75. Geburtstag. Aus dem Vorhaben der Heinz-Sielmann-Stiftung, auf Gut Herbigshagen einen Naturfriedhof anzulegen, ist nichts geworden.

Aber Heinz Sielmann hat an der Franz-von-Assisi-Kapelle seine letzte Ruhestätte gefunden. Das Flurstück an der kleinen Fachwerkkapelle, die auch ein beliebter Trauort geworden ist, wurde von der Stadt Duderstadt als „Friedhof für die Beisetzung der Familiengemeinschaft Sielmann“ gewidmet.

Gut ein Jahrzehnt nach dem Tod Sielmanns beschreitet die Stiftung neue Wege, um das Erbe des Gründers fortzusetzen. Die Zeit der Tarnzelte und der großen Tierfilmer ist Vergangenheit, die Digitalisierung bietet für den Tier- und Naturfilm neue Möglichkeiten. Insekten mit Mikrokameras, Satellitenbilder und Discovery Channel haben das Genre entscheidend verändert. ku

Briefmarke für Sielmann

Am heutigen 2. Juni, dem 100. Geburtstags Heinz Sielmanns, stellt das Bundesministerium der Finanzen im Duderstädter Rathaus offiziell die neue Briefmarke zu Ehren des Tierfilmers vor. Während eines Festaktes wird das Sonderpostwertzeichen seiner Bestimmung übergeben. Die 45-Cent-Marke kann bundesweit beispielsweise zur Frankatur von Postkarten verwendet werden, die über die Deutsche Post verschickt werden.

Das geht allerdings erst ab dem 8. Juni, dem Erstverkaufstag der Marke. Am kommenden Donnerstag schickt die Deutsche Post deshalb ein sogenanntes „Erlebnis: Briefmarken“-Team nach Duderstadt. In der Kundenhalle der Sparkasse wird die neue Marke dann am Erscheinungstag von 9 bis 18 Uhr verkauft – und auf Wunsch auch gleich noch mit dem eigens aufgelegten Sonderstempel verziert. Diesen hatte Udo Unzeitig vom örtlichen Briefmarkensammlerverein bei der Deutschen Post angeregt.

Das Bundesfinanzministerium gibt jährlich rund 50 verschiedene Sondermarken heraus. Die Anzahl der Vorschläge für konkrete Ausgabeanlässe übersteigt diese Zahl in der Regel etwa um das Zehnfache. Welche Anlässe gewürdigt werden, entscheidet ein Programmbeirat. Danach werden die ausgewählten Themen zur Gestaltung ausgeschrieben; ein Kunstbeirat wählt schließlich das Markenmotiv aus, welches dann in einer Millionenauflage an die Postschalter kommt. Auch die Sielmann-Marke wird ab dem 8. Juni bundesweit in Postfilialen, online sowie über die Briefmarken-Versandstelle der Deutschen Post erhältlich sein. mr

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