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40 Jahre und immer noch nicht leise

Das „KAZ“ am Wochenmarkt ist das Zuhause vieler Initiativen 40 Jahre und immer noch nicht leise

Das „KAZ“: Der Name steht für Kommunikation- und Aktionszentrum. Ein Name, der ein wenig nach  70er-Jahren und Hippiekultur klingt. Kein Wunder, denn das Kaz ist 1976, also vor 40 Jahren gegründet worden. „Trotz aller Kürzungen – wir haben immer überlebt“, sagt Geschäftsführerin Anne Moldenhauer.

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Seit vielen Jahren ein beliebtes Angebot im Kaz: Die Akrobatikgruppe von Alexandra Bühnemann (oben) trainiert und tritt regelmäßig in Göttingen auf.

Quelle: CH

Göttingen. Seit der Gründungszeit sind wohl unzählige Göttinger im Kaz zu Gast gewesen, bei einem Kurs, in einem Proberaum, bei einer Veranstaltung. Oder sie haben einen öffentlichen Auftritt einer der Gruppen erlebt. Rund 30 sind das pro Jahr.

Daran, dass das Kaz ein fester Bestandteil der Göttinger Soziokultur ist, hat sich bis heute nichts geändert.  „Mehr als 20 Veranstaltung finden hier oft pro Tag statt“, sagt Moldenhauer. Es laufen beispielsweise Töpferkurse (die zur Zeit der Renner bei Studenten sind), die Jugend-Buch-Crew trifft sich dort, im Keller werden gemeinsam mit Flüchtlingen Gesellschaftsspiele gespielt, nebenan proben lautstark Göttinger Bands. „Unser Publikum ist total gemischt“, sagt Moldenhauer. Gleiches gilt für die Kurse.

Das Kaz allerdings ist nicht der Anbieter der Kurse, es stellt seit je her die Räume bereit, kümmert sich um die Planung und Organisation. „Die Initiative für die Gruppen muss von den Bürgern ausgehen, sie müssen von selbst zu uns kommen“, so Susanne Passoke,  die andere der beiden Teilzeit-Geschäftsführerinnen des Kaz. Und: „Das Interesse ist groß, wir könnten die Räume zehnmal füllen“, so Moldenhauer. Von morgens bis abends sein das Haus ausgebucht.

Flamenco, Akrobatik, Singen oder ein Instrument lernen: Das alles gibt es im Kaz, und viele der Angebote gibt es bereits vielen Jahren. „Ich bin seit 1985 dabei“, erzählt Susanne Köwing. Begonnen hat sie mit einem Stepptanz-Kurs, Teile der Gruppe, die sie einst leitete, tanzen heute noch. Köwing engagiert sich im Vorstand des Kaz, ebenso wie Alexandra Bühnemann und Metamorfi Bachtserani.

Ebenfalls fast schon ein Urgestein im Kaz ist Ebrima Sallah, besser bekannt als Trommel-Lehrer „Ibs“. Seine Workshops sind bei Kindern wie Senioren gleichermaßen beliebt – Ibs gibt auch Kurse im Seniorenheim. „Mein ältester Schüler war 91 Jahre alt“, erzählt er. Auch die Akrobatikgruppe, die Bühnemann leitet, besteht schon viele Jahre lang, ein Teilnehmer sei seit 30 Jahren als Akrobat im Kaz an Bord.

„Früher gab es mehr politische Angebote“, erinnert sich Bachtserani, die im Kaz singt.  Das Interesse an Politik sei Ende der 80-er, Anfang der 90-er-Jahre zurückgegangen. Allerdings gebe es seit Kurzem wieder verstärkte Nachfrage.

Es gibt die Klassiker und es gibt vieles neues. „Wir greifen gerne Trends auf“, sagt Moldenhauer.  Heute gibt es auch eigene, vom KAZ-Team organisierte Projekte – oft in Kooperation mit anderen Kultureinrichtungen wie dem Städtischen Museum, dem Jungen Theater oder Jugendeinrichtungen. „U 9 ist solche eines unserer eigenen Projekte“, so Moldenhauser. „Theater, trommeln turnen auf Rezept“, heißt die Idee. Kinder, die an einer so genanten U9-Untersuchung beim Arzt teilgenommen haben, bekommen einen Gutschein für einer dieser Angebote.

„Das läuft bereits super an“, sagt die Geschäftsführerin. „Ich hatte gerade drei Kinder mit einem Gutschein“, sagt Ibs. Klassiker und und neue Projekte, einige sind im Laufe der Jahre auch ausgestorben. In den 80er Jahren waren unsere Videokurse der Hit“, so Passoke. Mit einer großen, schweren VHS-Band-Kamera und einem analogen Schnittplatz kann heute natürlich kaum noch jemand etwas anzufangen. Neuerdings wird stattdessen Lindy-Hop getanz. Denn: „Was bei uns stattfindet, bestimmen die Bürger selber“, so Moldenhauer.

Das KAZ

Das Kaz feiert Geburtstag. Es ist – gemeinsam mit dem Jungen Theater – im Ottfried-Müller-Haus zu Hause. Nur: Das klassizistische Gebäude ist sanierungsbedürftig. Es wurde 1836 vom Baumeister Christian Friedrich Andreas Rohns errichtetet und steht unter Denkmalschutz. Immerhin: Es geht voran. Im Treppenhaus und an der Fassade stehen derzeit Gerüste. „Wir bauen zum Geburtstag“, sagt Kaz-Geschäftsführerin Anne Moldenhauer und freut sich.
130000 Euro stünden bei den aktuellen Baumaßnahmen für die Renovierung des Gebäudes zur Verfügung. Unter anderem werden die maroden Fenster ausgetauscht. „Das Theater bekommt neue Augen“, sagt auch der Chef des Jungen Theaters, Nico Dietrich. Unterdessen hat die Stadtverwaltung einen Antrag auf Förderung gestellt, sie hofft auf Bundesmittel in Höhe von knapp 5,9 Millionen Euro für eine umfassende Sanierung des Gebäudes. Das Gebäude gehört der Stadt.

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