Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Acht Fakten zur Bildung in Südniedersachsen

Thema des Tages Acht Fakten zur Bildung in Südniedersachsen

Erstmals liegt für die Region Südniedersachsen – die Landkreise Göttingen und Northeim – ein ausführlicher Bildungsbericht mit Zahlen und Fakten zur Bildungslandschaft vor. Auf knapp 90 Seiten hat die Gesellschaft „Zoom“ für die „BildungsregionSüdniedersachsen“ in fast zweijähriger Arbeit Daten zusammengetragen. Ziel ist es, so Anna Wucherpfennig, Geschäftsführerin der Bildungsregion, mit den Daten eine solide Grundlage für künftige Entscheidungen und Entwicklungen im Bildungssektor vorzulegen. Das Tageblatt hat acht Fakten aus dem Bereich herausgegriffen. Warum die Zahlen sind, wie sie sind erklärt Wucherpfennig.

Voriger Artikel
Auf Lichtenbergs Spuren
Nächster Artikel
Kränkelnde Pflege
Quelle: dpa (Symbolbild)

#1: Die Schulform hängt oft vom Status und Bildungshintergrund der Eltern ab

Göttingen. Die Entscheidung, ein Kind aufs Gymnasium zu schicken, ist dem Bildungsbericht nach abhängig vom sozialen Status und Bildungshintergrund der Eltern, was auch der „Bildungsbericht Deutschland“ aufzeigt. Das lässt sich in Göttingen anhand der Postleitzahlen nachvollziehen. So gehen mehr als 60 Prozent der Kinder aus dem Göttinger Ostviertel, der Innenstadt, Geismar und der Nordstadt auf ein Gymnasium. Im Bereich Grone sind es weniger als 30 Prozent.
Warum?
Wucherpfennig: „Begründen können wir das nicht, aber der Zusammenhang zum Bezug von Sozialleistungen der unter 18-Jährigen ist deutlich. Hier besteht ein dringender Handlungsbedarf für alle an Bildungsprozessen beteilige Personen und Institutionen, um Bildungsgerechtigkeit herzustellen. Es ist für alle Beteiligten eine Herausforderung, die richtigen Maßnahmen zu entwickeln.“

#2: Viele Sitzenbleiber in Osterode

Im ehemaligen Landkreis Osterode ist die Zahl der Schüler, die eine Klasse wiederholen müssen, laut Bildungsbericht „überproportional“ hoch.  Dort finden sich (mit Ausnahme des dritten Jahrgangs) die höchsten Zahlen in der Region, und fast immer liegen sie über dem niedersächsischen Durchschnitt. 2016 sind 4,6 Prozent der Schüler der siebten Klasse sitzengeblieben. In den Landkreisen Göttingen und Northeim fallen die Werte weitgehend durchschnittlich aus.
Warum?
Hier haben wir Vermutungen: Vielleicht liegt dies an vorsichtigeren Lehrern und Eltern, die den Schülern Misserfolge ersparen wollen und daher eine Klassenwiederholung empfehlen. Vielleicht existieren in den anderen Regionen aber auch andere Förderkonzepte und Beratungsstrukturen, die schon sehr viel frühzeitiger an die betroffenen Schülerinnen und Schüler herangetragen werden (vor allem im Landkreis Northeim sind die Quoten sehr gering (außer in Klasse 7)).

#3: Große regionale Unterschiede bei Abitur-Quote

In Göttingen haben 2016 fast 60 Prozent aller Schüler mit einem Abitur abgeschlossen. Laut Bildungsbericht ein „überragender“ Wert. Im Altkreis Göttingen sind es weniger als die Hälfte, nämlich 26 Prozent.  Im Landkreis Northeim sind es 35 Prozent.
Warum?
Die für diesen Bereich genannten Daten beziehen sich auf den Standort der Schule, nicht auf den Wohnort der Schüler. Da es im Altkreis Göttingen nur zwei Gymnasien gibt, in der Stadt Göttingen jedoch an fünf Gymnasien, drei BBS und zwei Gesamtschulen das Abitur abgenommen werden kann, sind diese Zahlen naturgemäß höher.

#4: Ausländische Schüler oft auf der Hauptschule

Nach der Grundschule besuchen landesweit knapp 45 Prozent aller Schüler ein Gymnasium, nur vier Prozenteine Hauptschule. Im Altkreis Osterode liegt der Anteil der ausländischen Hauptschüler bei mehr als 20 Prozent, nur knapp 17 Prozent der ausländischen Schüler kommen aufs Gymnasium. In der Stadt Göttingen sind es 54 Prozent Gymnasiasten, im Landkreis Northeim 36, im Altkreis Göttingen 18. Im Altkreis Osterode besuchten fast 80 Prozent der ausländischen Kinder des 5. Jahrgangs eine Hauptschule, den Hauptschulzweig einer KGS oder einer Oberschule.
Warum?
Auch hier gibt es leider, wie bei Punkt drei,   keine wohnortbezogenen Daten. Auch deshalb sind die Zahlen der Stadt viel höher als im Landkreis.

#5: Nicht alle Kitas in der Region sind ausgelastet

Gemäß der Studie sind die meisten Kitas im Altkreis Göttingen  mit circa 90 Prozent und darüber ausgelastet. Einige Gemeinden stechen jedoch durch eine  deutlich geringere Auslastung hervor. So liegt die Auslastung der Kitas in Gleichen nur bei 78 Prozent, in Friedland bei rund 82 und in Gieboldehausen bei 81 Prozent. Der Landkreis Northeim weist fast durchweg eine Auslastung von mehr als 90 Prozent auf. Im Kreis Osterode ist einzig Walkenried mit 82 Prozent deutlicher Ausreißer.
Warum?  
Problem hierbei ist die Stichtagsbetrachtung der Daten. Wegzüge beispielsweise sind nicht berücksichtigt. Die monatlichen Daten, die von den Verwaltungen erhoben werden, weisen  höhere Quoten auf. Außerdem ist zu beachten, dass die Daten aus dem Jahr 2014 stammen und der Bevölkerungszuwachs der Null- bis Dreijährigem erst jetzt  in den Kitas ankommt. Angesichts steigender Geburtenzahlen und steigender Betreuungsquote steigt auch der Bedarf an neuen Plätzen, unklar ist noch wo.

#6: Kinder in Northeim werden häufiger zurückgestellt

Der Anteil zurückgestellter Kinder im Landkreis Northeim ist mit knapp  13 Prozent  im Schuljahr 2015/16 deutlich höher als in der Stadt Göttingen (5 Prozent) und im Altkreis Göttingen (7). Auch der Altkreis Osterode weist mit knapp 6 Prozent zurückgestellten Kindern eine niedrigere Zahl auf.  Entsprechend der hohen Zahl an Zurückstellungen ist auch der Anteil von verspätet eingeschulten Kindern im Kreis Northeim mit knapp 11  höher als in den übrigen Landkreisen. Zum Vergleich: Stadt Göttingen: 4, Altkreis Göttingen ohne Stadt Göttingen: 5, Altkreis Osterode: 6 Prozent.
Warum?
Northeim werden vom Gesundheitsamt deutlich mehr Rückstellungen empfohlen. Unklar ist, ob eine unterschiedliche Beurteilungspraxis vorliegt,  denn es ist wenig verständlich, dass die Kinder im Landkreis Northeim so viel weniger schulgeeignet sein sollen als im Rest der Region. Allerdings kann eine Rückstellung den Kindern auch positive Potenziale bieten.

#7: Ausländische Schüler haben häufiger keinen Schulabschluss

Am niedrigsten sind die Zahlen für Schüler ohne Schulabschluss oder mit Förderschul-Abschluss in der Stadt Göttingen (3,6 Prozent)  und den Altkreis Osterode (3 Prozent). Der Altkreis Göttingen (5,3) und der Landkreis Northeim (4,5) liegen  im Schuljahr 2014/15 merklich höher. Die Verfasser der Studie stellen fest, dass ausländische Schüler die Schule häufiger ohne Abschluss verlassen, als ihre deutschen Mitschüler. Den deutlichsten Ausschlag zeigt hier der Landkreis Northeim gefolgt von der Stadt Göttingen. In der Stadt Göttingen erhalten aber mehr ausländische Schüler einen Abschluss an einer Förderschule, Northeim folgt knapp dahinter.
Warum?
Mögliche Gründe können vielschichtig sein: eine mangelhafte Integration und fehlendes Wissen der Eltern zum Schulsystem oder substanzielle Probleme wie  Probleme mit dem Bleiberecht. Wir sehen hier einen großen Handlungsbedarf, vor allem,  wenn man sich bewusst macht, dass im Kreis Northeim in Klasse 5 etwa  36 Prozent der ausländischen Schüler auf ein Gymnasium gehen, aber lediglich 10 Prozent Abitur machen.  Unbestritten ist, dass solch hohe Quoten von Schülern ohne Abschluss, ob nun deutsch oder ausländisch, für eine Region nicht hinnehmbar sein sollten. Eine Region sollte alles daran setzen, dass Schüler die bestmöglichen Startbedingungen bekommen.

#8: Kleinkinderbetreuung von 15 bis 36 Prozent

Landesweit werden 28,1 Prozent (2014) der Kinder unter drei Jahren in einer Kita betreut. In den meisten Kommunen Südniedersachsens finden sich ähnliche Werte. Überdurchschnittlich hoch liegt der Anteil in Walkenried mit einer Betreuungsquote von 36 Prozent, in der Stadt Göttingen und in Kalefeld mit etwa 35 Prozent. Schlusslichter sind  Herzberg mit  15 und Katlenburg-Lindau mit 16 Prozent. Bei drei- bis sechsjährigen Kindern liegen Herzberg, Hann.Münden, Walkenried und Göttingen an der Spitze. Schlusslichter hier sind Friedland, Bodenfelde, Moringen und Katlenburg-Lindau.
Warum?
Diese regionale Disparität ist für uns auch unklar. Natürlich werden Betreuungsangebote eher dort geschaffen wo die Nachfrage vorhanden ist. Aber auch hier sollte die Region diskutieren, ob eine flächendeckende Erhöhung der Betreuungsquoten zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf angestrebt werden sollte.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die wechselvolle Geschichte des Gasthaus Waterloo