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Adrenalin und abschalten

Helferserie: Freiwillige Feuerwehr Adrenalin und abschalten

Sie sind da, wenn es nachts kracht. Sie helfen Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Während die anderen am Wochenende auf dem Sofa sitzen, kümmern sie sich in ihrer Freizeit um die, die im Auto eingeklemmt sind, deren Keller unter Wasser steht, die neu in Deutschland sind, und die, die einfach im Alltag ein bisschen Unterstützung brauchen. In einer Serie stellen wir Menschen vor, die sich ehrenamtlich in einer Hilfsorganisation engagieren.

Heute: Daniel Grünewald von der Freiwilligen Feuerwehr.

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Feuerwehrmann mit Leib und Seele: Daniel Grünewald engagiert sich in der Freiwilligen Feuerwehr Dransfeld.

Quelle: Wenzel

Dransfeld. Bei Daniel Grünewald steckt es wohl in den Genen: Schon seit Vater hat ihn als kleines Kind mit zur Feuerwehr genommen, als Zehnjähriger ist er in die Jugendfeuerwehr Dransfeld eingetreten. Eine Leben ohne die Freiwillige Feuerwehr ist für den 26-Jährigen kaum vorstellbar. Er ist durch und durch ein Feuerwehrmann. In seiner Freizeit. So wie seine Kameraden auch.

Grünewald ist selbständiger Landwirt, bewirtschaftet einen eigenen Hof. Trotzdem nimmt er sich die Zeit zu helfen, wann immer es geht. „Es kommt schon mal vor, dass ich mit mehreren Kollegen zusammen arbeite und auch nicht einfach zum Einsatz ausrücken kann“, sagt er. Das sei aber eher selten. Seit zehn Jahren ist er nun im aktiven Einsatzdienst, 16 Jahre sind dafür das Mindestalter.

Bei den ersten Einsätzen nur im Hintergrund

Natürlich hat der begeisterte Jugendfeuerwehrmann Grünewald als er alt genug dafür war sofort seine Grundausbildung absolviert. „Meine ersten beiden Einsätze waren Zimmerbrände in Löwenhagen und Jühnde“, erinnert er sich. Wenn das erste Mal der Pieper auslöst, das sei schon ganz schön aufregend. Auch wenn er bei den ersten Einsätzen nur im Hintergrund gearbeitet habe.

Hilfe nach Verkehrsunfall: Feuerwehr Dransfeld im Einsatz.

Quelle: EF

Feuer, Unfälle, Hochwasser: Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren sind es, die in den Gemeinden zu jeder Tages- und Nachtzeit bei Wind und Wetter in ihre Einsatzkleidung steigen um Menschen – oder auch mal Tieren –  in Not zu helfen.

Bei der Arbeit im Hintergrund blieb es bei Grünewald nicht. Er absolvierte weitere Ausbildungen: Sprechfunker, Atemschutzgeräte-Träger,  Chemieschutz-Träger, Maschinist und Truppführer ist er, hat viele Einsätze absolviert. Wenn man als junger Feuerwehrmann das erste Mal mit einem Atemschutzgerät durchs Feuer geht, dann sei das schon so eine Art Mutprobe. „Das wird ganz schön warm“, sagt er. Aber, und das ist es wohl auch, was ein wenig die Faszination dieses Ehrenamtes ausmacht, manchmal, da sei ein Einsatz eben „Adrenalin pur“, sagt Grünewald.

Steckbrief: Feuerwehr

- Organisation: Die Freiwilligen Feuerwehren sind Mitglieder des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen. In Südniedersachsen gibt es die Kreisfeuerwehrverbände Göttingen, Northeim und Osterode. Fast in jedem Ort gibt es eine Ortsfeuerwehr, die wiederum zu einer Gemeindefeuerwehr gehört. Im Landkreis Göttingen  gibt es zwei Verbände: den Kreisfeuerwehrverband Göttingen und den Feuerwehrverband Duderstadt-Eichsfeld. Im Kreisfeuerwehrverband Göttingen gibt nach Angaben des Verbandes 111 Feuerwehren mit rund  4200 aktiven Mitgliedern. Die 111 Feuerwehren teilen sich auf in 109 Freiwillige Feuerwehren, eine Werkfeuerwehr und eine Berufsfeuerwehr. In den 91 Jugendfeuerwehren gibt es etwa 1500 Mitglieder.
- Ziel und Zweck: „Retten, Löschen, Bergen“, so lautet ein alter Slogan der Feuerwehren. Die Aufgaben der Freiwilligen Helfer, die 365 Tage im Jahr rund um die Uhr für ihre Mitbürger da sind, sind vielfältig. Natürlich löschen sie Brände, sie retten verletzte Menschen, beispielsweise bei Verkehrsunfällen aus Autowracks. Oft sind es auch sogenannte Hilfeleistungen, die die Einsatzkräfte fordern. Hochwasser, Sturmschäden, Ölspuren, Türöffnungen bei Gefahr oder Tierrettungen sind nur einige davon.
- Standorte: In fast jedem Ort der Region gibt es eine Freiwillige Feuerwehr.
- Wichtige Einsätze:  
Die Dransfelder  Feuerwehr rückte 2015 zu 114 Einsätzen aus. Es galt es 21 Verletzte zu retten und zwei Tote zu bergen. Unter den 55 Hilfeleistungseinsätzen waren 21 wetterbedingte Einsätze und 16 Verkehrsunfälle. Zudem mussten zehn Brände gelöscht werden.

Die positiven Erlebnisse sind es, die den Feuerwehrmann immer wieder motivieren. Beim Hochwasser-Einsatz vor zwei Jahren standen in Dransfeld 25 Keller unter Wasser – und die Feuerwehr war im Dauereinsatz. „Wenn sich die Leute dann bedanken und einem fest die Hand drücken, dann ist das schon toll.“

"Ich komme damit klar"

Manchmal aber, das vergisst auch ein Feuerwehrmann einen Einsatz nicht so schnell. Die freiwilligen Helfer werden auch gerufen, wenn eine Tür zu öffnen ist oder die Polizei andere technische Unterstützung braucht. Einen Selbstmörder vom Strick zu schneiden, das sei schon schwer, so Grünewald. Nicht jeder soll zu solchen Einsätzen hinaus fahren. Aber: „Ich komme damit klar, ich schalte schnell ab.“

Mit acht Freunden hat Grünewald einst seine Ausbildung begonnen, vier davon sind wie er noch in der Dransfelder Feuerwehr aktiv. Nicht immer spielen die Arbeitgeber mit, wenn die Männer und Frauen während der Arbeitszeit zum Einsatz gerufen werden.

Mitmachen? So geht es

- Ausbildung: Um aktiv im Einsatzdienst mitarbeiten zu können, muss man eine Ausbildung durchlaufen –  die dreiteilige so genante Truppausbildung. Diese wird meist bei der Feuerwehr vor Ort angeboten. „Der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr kann angehören, wer Einwohner der Gemeinde ist, für den Einsatzdienst gesundheitlich geeignet ist und das 16. Lebensjahr, aber noch nicht das 63. Lebensjahr vollendet hat“, so steht es im Gesetz.  Da die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr ihren Dienst ehrenamtlich ausüben, dürfen ihnen laut Gesetz auch keine Nachteile in ihrem Arbeitsverhältnis entstehen.
- So werde ich Mitglied: In nahezu jedem Ort gibt es eine Freiwillige Feuerwehr, in Göttingen sind es die Orts(teil)-Feuerwehren. Viele Feuerwehren bieten zudem Kinderfeuerwehren und Jugendfeuerwehren an. Informationen darüber erteilt die jeweils zuständige Ortsfeuerwehr. Oft gibt es auch Feuerwehrvereine, deren Mitglieder die Arbeit finanziell unterstützen.

Die Kameradschaft untereinander und auch mit den Mitgliedern der anderen Feuerwehren im Landkreis wird nicht nur bei Einsätzen und Dienstabenden gepflegt. Auch regelmäßige Wettkämpfe für Jugendliche und Aktive, Osterfeuer, Weihnachtsmarkt oder gemeinsame Unternehmungen erhalten die Freundschaft. Denn: „Jeder muss sich jederzeit auf jeden verlassen können.“

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