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Als Südniedersachsen noch ein Meer war

Thema des Tages Als Südniedersachsen noch ein Meer war

Ein stinknormaler Stein? Oder vielleicht doch ein Bote aus der Urzeit – ein echtes Fossil? Für Laien ist es nicht ganz einfach zu erkennen, was man da gerade aus dem Boden gezogen hat. Dafür gibt es die Fundberatung im Geowissenschaftlichen Museum der Universität Göttingen

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Alexander Gehler, Leiter des Geowissenschaftlichen Museums.

Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Die Zeit des Trias

Göttingen. Vor 240 Millionen Jahren, in der Zeit der Trias, lag die Erdplatte, auf der später  Göttingen gebaut wurde, noch etwa auf Höhe des heutigen Senegals – damals als tropisches Meer. In diesem Urzeitmeer lagerten sich dicke Kalkbänke ab, ähnlich der heutigen Korallenriffe. Das erklärt, warum in den Schichten des Muschelkalks in der Region zahlreiche maritime Fossilien zu finden sind. Beispielsweise die Hexenpfennig genanten versteinerten Stilglieder von Seelilien, die im Göttinger Wald recht häufig zu finden sind. bib

„Manchmal kommen Leute vorbei, die glauben einen Meteorit gefunden zu haben“, erzählt Alexander Gehler, Leiter des Geowissenschaftlichen Museums. „Aber meistens ist es dann doch nur ein normaler Stein, der etwas schwerer ist.“ Gehler ist einer der Experten, die immer am letzten Donnerstag des Monats zwischen 17 und 18 Uhr im Geowissenschaftlichen Museum in der Goldschmidtstraße Gesteinsfunde genauestens unter die Lupe nehmen. Vor allem in der Urlaubszeit herrsche Hochkonjunktur. „Viele Göttinger kommen vom Strandurlaub zurück und bringen einen vermeintlichen Bernstein mit“, erklärt Kollege Frank Langenstrassen. „Da muss man die Sammler dann leider oft enttäuschen.“

Die Experten prüfen mit Lupe und Hilfs-chemikalien gewissenhaft jeden Fund und sind so in der Lage, genau zu bestimmen, was vor ihnen auf dem Tisch liegt. „Das ist ein Beruf, den man aus Berufung macht“, findet Gehler. „Als Schüler bin ich erstmals mit der Geologie in Berührung gekommen, habe später dann in diese Richtung auch studiert“, erzählt der Wissenschaftler.

Geo-Wissenschaftler Frank Langenstrassen (links) hilft Horst Kneip , Elma Schröder und Karl Ludwig Haase (Mitte) bei der zeitlichen und räumlichen Einordnung der Fundstücke (rechts).

Quelle: Theodoro da Silva

Aber es muss nicht immer gleich der große bedeutende Sensationsfund sein. In der Region Göttingen kann man mit etwas Glück nämlich zuhauf Fossilien in den Schichten des  Muschelkalks finden, darunter allerlei Meeresgetier. Meeresgetier in Göttingen? Ja, denn in der Triaszeit, also vor etwa 250 bis 200 Millionen Jahren war die gesamte Region von einem großen Flachmeer bedeckt, wie Gehler erklärt.

Für Hobbysucher bieten sich deshalb viele Gelegenheiten, auf Fossiliensuche zu gehen. „Fossilien kann man hier überall finden“, meint auch Langenstrassen. „Nikolausberg, Hetjershausen, überall.“ Vor allem an Baugruben lohne sich ein Blick, zuweilen finde man Fossilien aber auch auf einem frisch gepflügten Acker.

Tipps vom Experten

Dr. Alexander Gehler, Kustos der Sammlungen am Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen: „Mit etwas Glück bieten die Felder westlich von Elliehausen und auch bei Diemarden Fundmöglichkeiten für Fossilien des oberen Muschelkalks, wie zum Beispiel Ceratiten und Seelilienreste, meistens isolierte Stielglieder.

Ammonit Ceratites

Quelle: dpa

An einigen Stellen in der Billingshäuser Schlucht ist der untere Muschelkalk aufgeschlossen, hier können beispielweise Funde von Spurenfossilien oder Muscheln gemacht werden. Beim Fossiliensammeln generell gilt natürlich immer, auf die eigene Sicherheit zu achten und zum Beispiel steilen Bruchkanten nicht zu nahe zu kommen, ebenso wie beim Betreten von Privatgelände vorher eine Genehmigung des Besitzers einzuholen.“ bib

1885: Sensationsfund am Kreuzberg

Die Arbeiter dürften gestaunt haben, als sie im Jahr 1885 bei Bauarbeiten am Göttinger Kreuzberg auf riesige Dinosaurierskelette gestoßen sind. Es handelte sich um die Knochen  eines Plateosauriers. Die Pflanzenfresser, die bis zu zehn Meter groß werden konnten, lebten vor etwa 220 Millionen Jahren in Mitteleuropa, das im Erdzeitalter der Trias vermutlich einer weiten Savannenlandschaft glich.

Zum Vergleich: Der Tyrannosaurus Rex, spätestens seit dem Hollywood-Blockbuster Jurassic Park der wohl bekannteste Dinosaurier, lebte vor 65 Millionen Jahren und ist somit vergleichsweise „jung“. Gehört der ausgestorbene Plateosaurus aufgrund zahlreicher Fossilienfunde heute zu einer der am besten erforschten Saurierarten, war der damalige Fund eine Sensation. Erst wenige Jahrzehnte zuvor, 1834, wurden erstmals Überreste eines solchen Dinosauriers entdeckt.

Der Fund, es konnte schließlich ein Drittel des Plateosaurierskelettes gefunden werden, wurde jahrelang im Göttinger Zoologischen Institut ausgestellt, wo das Skelett aber im Zweiten Weltkrieg bis auf zwei Wirbelknochen verbrannte. Einer der verbliebenen Knochen befindet sich heute im Geologischen Institut Göttingen, der andere im Naturkundemuseum Kassel.

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