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Auf Stippvisite im Tabalugahaus Duderstadt

Peter Maffay Auf Stippvisite im Tabalugahaus Duderstadt

Deutschrockstar Peter Maffay hat am Freitag Duderstadt besucht. Ziel war es, Ideen und Impulse zu sammeln für ein neues Tabalugahaus in Oberbayern – und der neuen Frau an seiner Seite die Stadt zu zeigen.

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Guten Tag, Tabaluga: Maffay am neuen Wandbild auf dem Rondell im Tabalugahaus.

Quelle: Richter

Duderstadt. Eigentlich fehlte nur die Lederjacke. Hätte Peter Maffay das Kleidungsstück, das über die Jahrzehnte hinweg zu seinem Markenzeichen geworden ist, am Freitagvormittag getragen, hätte er direkt eine Bühne betreten können. Braune Cowboystiefel, schwarze Röhrenjeans, ein enges Hemd mit kurzen Ärmeln und Silberschmuck – all das hätte sich sicher auch im Rampenlicht gut gemacht.

Doch der Deutschrockstar ist am Freitag nicht in Duderstadt zu Gast gewesen, um „So bist du“, „Und es war Sommer“ oder  seine anderen Hits zu spielen. Er war auch nicht da, um Tausende jubelnde Fans um sich zu scharen, Selfies zu machen und Autogramme zu schreiben. Er war da, um sein Stiftungsengagement voranzutreiben und seiner Lebensgefährtin Hendrikje Balsmeyer das Tabalugahaus, die Kunsthalle HGN und die Heinz-Sielmann-Stiftung in Duderstadt zu zeigen. Ganz heimlich, still und leise. Und mit viel Ernsthaftigkeit in der Stimme, wenn es um die Zwecke der Stiftung ging.

„Je schwächer die Gesellschaft wird, desto stärker muss Menschen geholfen werden, die in Not geraten sind“, sagt Maffay, als er mit dem Team des Tabalugahauses im Kaminzimmer sitzt. Bei Kaffee und selbstgebackenen Waffeln besprechen sie, wie sich das Tabalugahaus entwickelt hat seit dem letzten Besuch des Rockstars, dessen Stiftung Einrichtungen wie die in Duderstadt in Deutschland, Spanien und Rumänien betreibt.

Duderstadt stellt dabei eine Besonderheit dar, denn die Spenden werden selbstständig eingeworben, zudem unterstützt Ottobockchef Hans Geog Näder die Idee, Kindern und Jugendlichen aus sozial schwierigen Lebensverhältnissen, Heimkindern oder Mädchen und Jungen  mit körperlicher und geistiger Behinderung einen Ort zu geben, an dem sie für einige Tage zur Ruhe kommen oder etwas erleben können – ohne, dass Kosten für sie anfallen.

„Seit Dezember haben wir einiges umorganisiert“, berichtet Maral Alamdari, die die Sozialpädagogische Leitung des Hauses innehat. So habe das Team die Angebote rund um den Bereich Natur ausgeweitet und den Bereich Entspannungs- und Musiktherapie neu aufgestellt. Ab Mai solle Kinderyoga angeboten werden.

Maffay zeigt sich interessiert, insbesondere daran, was es mit den musiktherapeutischen Ansätzen auf sich hat und regt an, einen Blick in die Räume zu werfen, um sich ein besseres Bild machen zu können. Im Musikzimmer angekommen blickt er sich um und sagt: „Gitarren. Ihr braucht mehr Gitarren.“

Was aus dem Munde eines Sängers und Gitarristen wie ein platter Witz klingt, ist ernst gemeint. Das wird klar, als Maffay berichtet, es gebe Hersteller, die sich auf kindgerechte Vinylsaiten spezialisiert hätten – und deren Instrumente es sogar in Tabaluga-Optik gebe. „Damit schmerzen die weichen Finger der Kinder nicht, wenn sie spielen. Sie sollen Spaß haben, nicht Schmerzen.“ Die Gitarre sei ein Instrument, mit dem die Kinder schnell Erfolgserlebnisse haben könnten: „Kannst Du drei Griffe, kannst Du dazu singen und hast einen Song“, sagt er.

Singen wird Maffay an diesem Tag nicht mehr, obwohl das neu gestaltete Rondell im Tabalugahaus beinahe danach schreit „Ich wollte nie erwachsen sein“ anzustimmen. Über und über hat es ein Göttinger Graffiti-Künstler mit Motiven aus den Tabaluga-Alben versehen. „Es riecht noch nach Farbe“, sagt Maffay, häufig  das Smartphone in der Hand haltend, um Fotos zu schießen. „Superschön gemacht“, sagt er und sieht sich einige Details auf dem großen Wandbild an.
Auch sein Konterfei ist im Tabalugahaus an vielen Stellen zu sehen.

Im Vorbeigehen an einem Bild, das ihn zeigt, fragt Maffay scherzhaft seine Lebensgefährtin: „Kennst Du den jungen Mann?“ Seine lockere Art kommt auch bei denen gut an, die zufällig gerade im Tabalugahaus unterwegs sind. Zwei Reinigungskräfte, die einigermaßen verdattert dreinblicken, als sie dem Rockstar gegenüberstehen, begrüßt Maffay mit einem lockeren Spruch: „Hallo, wir bringen neuen Schmutz herein“, sagt er.

Im Esszimmer lobt Maffay die große Tafel, an der alle Gäste zugleich Platz nehmen können. „Gemeinsam kochen und essen halte ich für ganz wichtig“, sagt er und sagt einer Gruppe Hallo, die ihren letzten Besuchstag in Duderstadt hat. „Wie gefällt es Euch?“, fragt er und beginnt einen Smalltalk. Als sich ein Jugendlicher traut, um ein Foto zu bitten, steht der Musiker sofort professionell parat.

Maffay sieht die kleinen Dinge um ihn herum, selbst eine Kuckucksuhr an der Wand fällt ihm ins Auge. Er hört zu, als Oliver Weng von der Haustechnik davon berichtet, dass er gemeinsam mit den Kindern Pizza backt und selbst im Dezember Stockbrot herstellt. Er lobt die restaurierte Treppe, die durch das Tabalugahaus führt, hält aufmerksam die Tür auf, wenn jemand eintreten möchte. Und das alles, obwohl er ein ziemlich straffes Programm in kurzer Zeit zu absolvieren hat. Denn nach dem Besuch des Tabalugahauses stehen noch eine Stippvisite in der Kunsthalle HGN und ein Besuch des Natur-Erlebniszentrums auf Gut Herbigshagen an.

Dass er von bildender Kunst nicht die größte Ahnung habe, gibt der Musiker zu. „Dafür kenne ich mich mit der Kunst des Lebens aus“, sagt er. Der „Infinity mirrored Room“ der Künstlerin Yayoi Kusama beeindruckt ihn aber schon. Auch der „Giro Triangular“, die hölzerne Installation vor dem Eingang der Kunsthalle zieht sofort die Blicke des Rockstars auf sich – und nicht nur das: Schwungvoll platziert er sich mitten im Kunstwerk. „Das ist ja gigantisch“, sagt er.

Den Hausherrn der Kunsthalle, den Maffay nur HG nennt, sieht er an diesem Tag nicht, obwohl sich die seit Jahren befreundeten Männer vorgenommen hatten, sich zu treffen. „Wir kommen einfach im Sommer noch einmal wieder“, sagt Maffay und Balsmeyer stimmt ihm zu.

Auch sie scheint angetan. „Landschaftlich ist das Eichsfeld wirklich wunderschön“, sagt die Lehrerin auf dem Weg zur Heinz-Sielmann-Stiftung. „Hier kann man sicher tolle Touren mit dem Motorrad machen.“ Bereits im Tabalugahaus hatte sich die Lehrerin für Sport und Biologie bereits beherzt in die Gespräche über pädagogische Konzepte eingebracht. Begeistert zeigte sie sich unter anderem von der Idee, das vor vier Monaten durch die Peter-Maffay-Stiftung gekaufte Areal Gut Dietlhofen zu einem Sommercamp zu machen und eine Kooperation mit den Duderstädtern einzugehen.

In Oberbayern hat Maffay ein Anwesen mit rund 70 Hektar Ländereien erworben. Später einmal soll es zum „physischen Zentrum“ für die Aktivitäten der Stiftung werden, sagt Maffay. Derzeit stellt er das Gebäude Flüchtlingen zur Verfügung.

Auf Gut Herbigshagen ist Maffays Partnerin ganz in ihrem Element: „Von Hendrikje habe ich gelernt, was es heißt, Kindern die Natur nahezubringen“, sagt der Sänger. Sie begleitet Rómulo Aramayo Schenk, der bei der Sielmann-Stiftung für die Umweltbildung zuständig ist, sogar in einen Ziegenstall und harrt mit ihm und seinen Kollegen aus, bis sich endlich das erste der Tiere nähert.

Interessiert hören sie Aramayo Schenk und Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) zu, als diese von den Gruppen aus den dem Tabalugahaus berichten, die regelmäßig auf Gut Herbigshagen zu Gast seien. Auch die Ferienfreizeiten, die die Sielmann-Stiftung für die Kinder der Otto-Bock-Angestellten anbietet, interessieren den Intitiator der „Schutzräume für Kinder“ und seine Lebensgefährtin. Eine Woche verbringen Kinder dann jeden Tag bei verschiedenen Programmpunkten, lernen den Kreislauf auf dem Bauernhof kennen und erfahren, was es mit nachhaltiger Landwirtschaft auf sich hat.

„Aber wir sind kein Streichelzoo“, stellt Aramayo Schenk klar. Kika-Baumhaus, Lehmwerkstatt, Streuobstwiesen und Erlebnisbauernhof seien eine gute Möglichkeit, Kinder spielerisch an das Thema Naturschutz heranzuführen, lobt Maffay. „Außerdem werden sie selbst aktiv.“

„Die Anlage ist wie gemacht für außerschulische Angebote“, zeigt sich Balsmeyer beeindruckt. Vieles lasse sich auf das Gut Dietlhofen beziehen.
„Wenn man Beispiele wie diese sieht, liegt es nahe, Impulse mitzunehmen“, pflichtet Maffay ihr bei. Er plane, in den nächsten Monaten, vielleicht im Sommer, noch einmal nach Duderstadt zu kommen, um weitere Eindrücke zu sammeln. Außerdem denke er darüber nach, wieder ein Symposium zu veranstalten, ähnlich dem 2012 in Duderstadt, aber mit mehr „praktischem Anstrich und durch die Kinder bestimmt.“

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