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Jagen will gelernt sein

Desingeröder Wald Jagen will gelernt sein

Mehr als 14000 Jahre ist es her, dass sich aus domestizierten Wölfen Hunde entwickelt haben, die mit den Menschen leben. Die Jagd ist dabei eines der ältesten Aufgabengebiete der Hunde. Die heutige Hundeausbildung vereint traditionelles und modernes Wissen.

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Desingerode: Jagdhund in Aktion.

Quelle: aib

Desingerode. Sonntags um 9 Uhr ist Aufregung am Waldrand zu spüren. An der Jagdhütte bei Desingerode hopsen schlappohrige junge Hunde aus den Kofferräumen der parkenden Autos. Fiepend, kläffend und jaulend geben sie ihrer Freude Ausdruck darüber, dass lauter Artgenossen mit von der Partie sind. Mindestens ein Jahr alt müssen die Hunde bei der Prüfung sein, den Lehrgang zur Jagdhundeausbildung aber dürfen auch jüngere Hunde mitmachen.

Gelassenheit üben

Bevor das Training richtig losgeht, wird Gelassenheit geübt. „Einen Grundgehorsam sollten die Hunde schon mitbringen“, sagt Horst Mollenhauer, Hundeobmann der Jägerschaft Duderstadt. Er leitet zusammen mit Josef Dornieden den Lehrgang. Beide Fachmänner sind zudem Verbandsrichter im JGHV (Jagdgebrauchshundeverband Deutschland), dürfen also die Leistungen von Jagdhunden bei den Prüfungen bewerten.

Die Halter stellen sich zunächst mit ihren Wachteln, Deutsch Drahthaar, Terriern oder Schweißhunden in einer Reihe auf und warten geduldig. Nacheinander darf jeder Hund die anderen mit etwas Abstand in Augenschein nehmen. Nachdem alle die Lage sondiert haben, kehrt Ruhe ein. „Jagdhunde sind vom Temperament her schnell nervös, sie müssen erstmal runterkommen, damit sie konzentriert mitmachen“, erklärt Mollenhauer. Einen Rassenachweis braucht kein Hund, auch Mischlinge sind zugelassen. Die einzige Grundvoraussetzung für die Jagdhundeausbildung liegt beim Halter: Der muss nämlich einen gültigen Jagdschein haben. Nach dem mentalen Training werden die Teilnehmer in Gruppen aufgeteilt. Karsten Ley und Christoph Wolf hatten bereits am Vortag eine Fährte gelegt. Dabei sind sie mit einem Wildschweinfuß am Schuh durch das Unterholz marschiert und haben die Strecke mit bunten Flatterbändchen gekennzeichnet. Die Aufgabe für ihre Bayrischen Gebirgsschweißhündinnen Rika und Greta heißt nun, diese Fährte von allen anderen Tierfährten im Wald zu unterscheiden. Sie müssen ihr folgen um am Ziel die Belohnung, ein paar Haare vom Schwein, zu finden.

Mehr als 14000 Jahre ist es her, dass sich aus domestizierten Wölfen Hunde entwickelt haben, die mit den Menschen leben. Die Jagd ist dabei eines der ältesten Aufgabengebiete der Hunde. Die heutige Hundeausbildung vereint traditionelles und modernes Wissen.

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Die „Stöbergruppe“ macht sich derweil auf ins Maisfeld, wo die Hunde nicht auf eine bestimmte Fährte angesetzt sind, sondern selbst suchen dürfen. „Das Stöbern erfüllt nicht nur den Zweck, mögliches Wild herauszutreiben. Die Hunde sollen dort ihren eigenen Geruch hinterlassen. Das schreckt das Wild für eine Weile ab, in den Mais zu gehen und dort Schaden anzurichten“, sagt Mollenhauer.

Die dritte Gruppe geht baden. Der mit Schilf umwachsene Weiher bietet die geeignete Kulisse für die Entenjagd. Die Ente ist in diesem Fall noch aus Plastik. Begeistert werfen sich die unerfahrenen Hunde mit flatternden Ohren und einem Bauchklatscher ins Wasser, paddeln zur Ente und schnappen ihre Beute. „Springen ist gefährlich, weil in manchen Gewässern Äste feststecken. Da könnte sich ein Hund aufspießen. Ins Wasser laufen ist besser“, erklärt Dornieden.

Trainingsweiher gefällt den Hunden

Im Trainingsweiher steckt natürlich nichts fest, aber manchem Hund gefällt es dort so gut, dass er noch ein paar Runden dreht. Dornieden erklärt: „Eine gesunde Ente im Wasser kriegt ein Hund nie. Die taucht ab und ganz woanders wieder auf.“ Von April bis September treffen sich die Lehrgangsteilnehmer jeden Sonntag. Die Ausbildungsschwerpunkte für die Hunde sind das Apportieren, Schweißarbeit (Fährtensuche) und Schussruhe. „Nicht jeder Hundehalter ist auch ein guter Hundeführer. Man muss einen Draht zu seinem Tier haben“, sagt Mollenhauer. Die Ziele werden erreicht, indem kleine Ausbildungsschritte zu einem großen zusammengefügt werden. Das funktioniere nicht mit Gewalt und Prügel, sondern nur mit Konsequenz des Halters, erklärt Mollenhauer. „Ein gut abgeführter Hund bleibt auf Kommando unterm Hochsitz, auch wenn das Wild rennt“, sagt der Hundeobmann. Bis die Junghunde alles können, was einen guten Jagdhund ausmacht, müssen sie noch etwas üben. Aber sie ernten schon kräftiges Lob für jeden erreichten Fortschritt.

Geschichte der Jagdhunde

Höhlenmalereien aus der Jungsteinzeit zeigen bereits Menschen, die mit Hilfe von Hunden jagen. In Mesopotamien  gehörte bereits um 3500  vor Christus das Zeichen für den Jagdhund zu den ältesten Schriftzeichen. Im antiken Ägypten wurden Windhunde zur Hetzjagd eingesetzt, und auch die Vorläufer der Bracken wurden schon für die Suchjagd abgerichtet. Hunde und Jagdtechniken verbreiteten sich von Ägypten über Griechenland bis ins Römische Reich. Seit Xenophon (Griechischer Schriftsteller, lebte 426 bis 355 vor Christus) ist die Züchtung von Rassetypen bei Jagdhunden bekannt. Im frühen Mittelalter wurden die Jagdhunde verstärkt in verschiedene Nutzungsgruppen eingeteilt. Deren gesellschaftliche Wertschätzung bezeugen schon  die germanischen Stammesrechte, die hohe Strafen für Diebstahl oder Tötung eines Jagdhundes festlegten.

Im Hochmittelalter verfeinerte sich an den Adelshöfen die Hundezucht zunehmend. Im England des 18. Jahrhunderts wurde es schließlich Standard, für jede Jagdart eine andere Hunderasse einzusetzen. Der Niedergang des Adels nach der französischen Revolution bedeutete allerdings auch das Ende für viele Jagdhunderassen. In Deutschland wurde 1899 der Jagdgebrauchshundeverband gegründet, der sich bis heute für eine Qualitätssicherung bei der Hundeausbildung einsetzt.

Jagdhundearten und Rassen

Vorstehhunde: Die Anlage des Vorstehens (der Hund erstarrt vor dem Wild) ist bei diesen Hunden genetisch gefestigt. Entwicklungsgeschichtlich sind sie die jüngste Gruppe der Jagdhunde. Bekannte Vorstehhunderassen sind Deutsch Drahthaar, Deutsch Langhaar, Weimaraner, Münsterländer, Setter.

Stöberhunde: Mittelgroße, langhaarige Hunde, deren ursprüngliche Hauptaufgabe darin besteht, Spuren oder Fährten zu verfolgen und Niederwild aus dichter Deckung aufzustöbern. Zu den Stöberhunderassen zählen Spaniel und Wachtelhunde.

Apportierhunde: Stämmige, wasserfreudige Hunde, die zuerst in England als Spezialisten gezüchtet wurden, um Niederwild zu apportieren. Alle Retrieverrassen zählen zu den Apportierhunden.

Erdhunde: Kleine Hunde, die Raubwild (Fuchs, Dachs) aus dem Erdbau treiben. Zu den bekannten Rassen gehören Terrier und Teckel.

Schweißhunde: Spezialhunde für die Nachsuche von Schalenwild (Rehe, Hirsche, Wildschweine), die sehr fährtentreu suchen. Es gibt den Bayerischen Gebirgsschweißhund und den Hannoverschen Schweißhund.

Bracken (Jagende Hunde): Älteste Jagdhundeform, von der alle anderen Rassen abgeleitet wurden. Bracken verfolgen die Spur oder Fährte des Wildes laut über weite Entfernungen und werden daher besonders für die Nachsuchenarbeit eingesetzt. Vertreter sind neben allen Brackenrassen auch der Beagle und der Foxhound.

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