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Behörden-Marathon der Basketballer

Thema des Tages Behörden-Marathon der Basketballer

Bis ein ausländischer Spieler für die BG Göttingen seinen Dienst in der Basketball-Bundesliga antreten darf, muss ein Behörden-Marathon absolviert werden. Allein das Antragsformular zur Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis umfasst acht Seiten.

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In AKtion: BG-Neuzugang Ian Hummer.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Göttingen. Behördengänge lösen wohl bei den meisten Menschen irgendwie ein eher ungutes Gefühl aus. Viel zu viel Lebenszeit hat wohl ein jeder schon in den Wartezimmern von Einwohnermeldeämtern oder Zulassungsstellen vergeudet. Nein, Teammanager Domenik Theodorou und Teamassistent Fabian Schlüter von der BG Göttingen sind wirklich nicht zu beneiden. Sie absolvieren für Neuzugänge jeweils einen strapaziösen Behörden-Marathon, damit die Basketball-Profis für die Veilchen spielen dürfen.

Per ausgestellter Vollmacht erledigt der 29-jährige Theodorou die meisten Behördengänge für die neuen BG-Spieler alleine, sie sind ein wesentlicher Teil seines Aufgabenbereichs. „Es ist wirklich ein Riesenaufwand für uns, wenn ein Spieler neu zum Team stößt. Die ganzen Formulare zu sammeln und auszufüllen beschäftigt mich mindestens einen kompletten Arbeitstag“, sagt der gebürtige Braunschweiger, der in Göttingen seinen Master of Education in den Fächern Sport und Englisch gemacht hat.

Die erste hohe Klippe

Theodorou zaubert mit einem breiten Lächeln eine gut einseitige von ihm erarbeitete Checkliste auf den Tisch. Dort ist in acht Punkten und 32 Untermenü-Punkten fein säuberlich aufgelistet, was abgearbeitet werden muss: Die erste hohe Klippe stelle dabei ein eher unkritisch wirkendes kleines Dokument dar.

„Ich muss mir seit November für die Spieler eine Wohnungsgeber-Bestätigung vom Vermieter ausstellen lassen. Ohne die kann ich gar nicht anfangen“, sagt Theodorou und fügt an: „Viele Dokumente und Behördenschritte bauen aufeinander auf.“ Es komme oft vor, dass sich der Vorgang verzögere, weil ein Dokument nicht richtig ausgefüllt sei. „Liegt die Auskunft des Vermieters vor, kann ich anfangen. Das wichtigste ist dann die Meldebestätigung, dass der Spieler hier gemeldet ist. Danach kann ich auf der Ausländerbehörde sein Visum beantragen.“

„Wir investieren viel Zeit"

Mittlerweile hat Theodorou allerdings einiges an Routine gewonnen. Was auch daran liegt, das BG-Headcoach und Sportdirektor Johan Roijakkers in dieser Saison die maximale Anzahl von Nicht-EU-Ausländern ausnutzen musste, weil nicht alle Transfers glückten. „Wir investieren viel Zeit, damit die Spieler schnell spielen können. Die Zusammenarbeit mit den Behörden ist auch richtig gut geworden, mittlerweile kennt man sich ja“, sagt Theodorou breit schmunzelnd. Zudem habe er festgestellt, dass er einige Vorgänge mit den Behörden per E-Mail regeln kann.

„Anfangs bin ich immer noch persönlich aufs Amt gegangen. Das hat wirklich viel Zeit in Wartezimmern gekostet. Irgendwann habe ich dann ein Tipp vom Einwohnermeldeamt bekommen, dass wir das doch vieles auch per Mail regeln können. Da war ich mächtig dankbar“, sagt Theodorou schmunzelnd.

Echter Stimmungstöter

Gemeinsam mit dem Neuzugang muss Theodorou nur auf die Ausländerbehörde, wenn es kein deutscher Spieler ist, und zur Bank. Alle Akteure benötigen ein deutschen Konto, die BG-Spieler haben dies bei der Volksbank.

Als echter Stimmungstöter habe sich bei der Ausländerbehörde der Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung herauskristallisiert. „Der Antrag ist elendig lang. Wir sagen den Spielern zwar immer, dass sie ihn ausgefüllt mitbringen sollen, aber das hat noch keiner geschafft. Also sitzen wir dann dort und füllen gut eine halbe Stunde den Antrag aus“, stöhnt Theodorou.

Tausendsassa Theodorou

Dieser umfasst 26 Unterpunkte auf acht Seiten – inklusive Anhang. Die Schriftgröße stellt dabei selbst das Sehvermögen von Personen, die bei der Bundeswehr als pilotentauglich gemustert wurden, vor eine echte Herausforderung.  Zum Ritual gehören dort auch das Abnehmen des Fingerabdrucks sowie das biometrische Passbild.

Die Behördengänge mit Ian Hummer waren übrigens die letzten für diese Spielzeit. Ein neuer Ausländer darf erst wieder in der kommenden Serie verpflichtet werden. „Ich bin schon froh, dass das jetzt erst mal ein Ende hat. Der Job macht mir aber gewaltig Spaß. Das komplette BG-Team, sowohl Spieler und Trainer als auch die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle, ist klasse“, sagt Tausendsassa Theodorou, der neben dem Teammanagement auch noch als Athletik-Trainer für die BG-Profis tätig ist.

Viel Bürokratie bei Liga und Verband

Göttingen . Es sind nicht nur die staatlichen Behörden, die den bürokratischen Aufwand verursachen. Auch die Basketball-Bundesliga (BBL) und der Deutsche Basketball-Bund (DBB) müssen kontaktiert werden, damit ein neuer Spieler eingesetzt werden darf. Darum kümmert sich bei der BG Teamassistent Fabian Schlüter.

So müssen beim DBB etwa Anti-Doping-Vereinbarung und Schiedsvereinbarung vorgelegt werden. Zudem der Antrag auf Erteilung einer Teilnahmeberechtigung. Auch bei der BBL muss die Anti-Doping-Bescheinigung vorgelegt werden. Hinzu kommen der Teilnehmerausweis (so nennt die Basketball-Verwaltung den bei Fußballspielern geläufigeren Begriff Spielerpass), Schiedsgerichtvereinbarung, Deckblatt für die sportmedizinische Untersuchung sowie der aktualisierte Mannschaftsmeldebogen, dort sind alle Spieler des Klubs gelistet, die in der Liga eingesetzt werden dürfen. Maximal dürfen pro Saison 18 Akteure eingesetzt werden.

„Das ist schon ne Menge Arbeit, und man muss sehr viele Formulare bearbeiten. Zudem gibt es verschiedene Ansprechpartner, an die man sich sowohl beim Basketball-Bund als auch bei der BBL wenden muss. Am Anfang bin ich denen mit meinen Nachfragen ganz schön auf die Nerven gegangen. Jetzt haben wir aber einen fixen Ablauf, sodass alles recht unproblematisch abläuft“, sagt Schlüter.

BG-Teamassistent Fabian Schlüter

Quelle:

Bis ein Akteur alle Unterlagen vorliegen hat, könne das bis zu drei Tagen dauern, berichtet Freiwilligendienstler Schlüter. Am schnellsten sei der Vorgang abgeschlossen, wenn der neue Spieler bereits in Deutschland gespielt habe. „Dann schafft man das an einem Tag. Kommt ein Spieler frisch vom College, dauert es am längsten“, so Schlüter. Bei Klubwechseln aus dem Ausland verzögere sich die Spielerlaubnis häufiger, weil die Freigabe des abgebenden Vereins – der sogenannte Letter of Clearance – nicht vorliege.

Richtig stressig ist es, wenn mehrere Spieler in kurzer Zeit verpflichtet werden. Oder aber, wenn alles ganz schnell gehen muss, weil der Profi  gerade ankommt und das nächste Spiel bald ansteht“, sagt Schlüter. Wie beim Blitztransfer von Chris Jones, der lediglich das Spiel in der Lokhalle gegen den Deutschen Meister Brose Baskets im BG-Dress bestritten hat und danach nach Frankreich gewechselt ist. „Da steht man mächtig unter Spannung. Aber es ist ein super Gefühl, wenn man die Profis dann spielen sieht“, sagt Schlüter.  bam

Wer braucht was?

Die Ausländerbehörde

  • Visum beantragen
  • Mitgliedsbescheinigung der Krankenkasse vorlegen
  • Kopie des Arbeitsvertrags
  • Kopie des Mietvertrags
  • Ausgefülltes Antragsformular
  • biometrisches Passfoto
  • Fingerabdrücke

Die Krankenversicherung

  • Personalausweis
  • Bankkonto
  • Familienstand
  • Geburtsort
  • Passfoto
  • Meldebescheinigung

Das Einwohnermeldeamt

  • Vollmacht des Spielers vorlegen
  • Reisepass des Spielers vorlegen
  • Wohnungsgeber-Bescheinigung vorlegen
  • Meldebescheinigung wird dann ausgestellt

Die Bank

  • Reisepass
  • Meldebescheinigung
  • Social Security Number
  • Familienstand
  • E-Mail-Adresse
  • Handynummer
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