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Wie gut schwimmt Göttingen?

DLRG im Gespräch Wie gut schwimmt Göttingen?

59 Prozent der Zehnjährigen sind nach einer bundesweiten forsa-Umfrage keine sicheren Schwimmer. 52 Prozent der Gesamtbevölkerung könnten nicht oder unsicher schwimmen. Die Zahlen seien auch für Stadt und Landkreis Göttingen repräsentativ, sagt Michael Lieff von der DLRG-Ortsgruppe Göttingen.

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Quelle: dpa

Göttingen. Als sicherer Schwimmer werde bezeichnet, wer mindestens die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze (Freischwimmer) erfülle. „Alle Experten, Sportwissenschaftler und unsere Ausbilder sind sich einig, dass die Prüfungsanforderungen des Seepferdchens dafür zu gering sind“, sagt Achim Haag, Vizepräsident der DLRG.

Die forsa-Umfrage besagt auch, dass die Schwimmausbildung in der Grundschule rückläufig sei. Mittlerweile hätten rund 25 Prozent der Grundschulen keinen Zugang zu einem Bad. Das kann Lieff, der Leiter der Verbandskommunikation bei der DLRG-Ortsgruppe Göttingen ist, zumindest für die Stadt Göttingen so nicht bestätigen. „Meines Wissens nach bieten alle Schulen in Göttingen Schwimmunterricht an“, sagt er. Allerdings schaffe der Großteil der Grundschüler nur das Seepferdchen. Was sich wiederum mit der Aussage von Haag deckt, dass nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen haben.

„Das ist auch für die weiterführenden Schulen ein Problem“, sagt Lieff. Denn die Lehrer müssten dort vielen Schülern erst einmal richtig das Schwimmen beibringen, es gebe eine große Schere - vom Nichtschwimmer bis zum leistungsstarken Schwimmer. Dabei habe die Stadt Göttingen noch gute infrastrukturelle Voraussetzungen für Schwimmunterricht und -kurse. Alle Hallenbäder - das Badeparadies Eiswiese, das Schwimmbad im Zentrum für ältere Menschen und die Schwimmhalle des Sportzentrums der Universität Göttingen - werden für Schwimmunterricht genutzt, im Sommer außerdem Freibäder.

„Es braucht eine gewisse Infrastruktur für die Abzeichen“, erklärt Lieff. So seien beispielsweise ein Sprungturm und ein Sprungbrett Voraussetzung dafür. Auch erfordere der Schwimmunterricht viel Organisation an den Schulen: Meist müssten zwei extra für den Schwimmunterricht ausgebildete Lehrer dabei sein, mit Hinfahren, Umziehen und Schwimmen müsse mindestens eine Doppelstunde eingeplant werden. Es gebe zwar verbindliche Kerncurricula für den Sportunterricht an Grundschulen und Schulformen des Sek 1 Bereiches, darunter das Lernfeld „Schwimmen, Tauchen, Wasserspringen“, wie Bianca Schöneich, Pressesprecherin der Landesschulbehörde mitteilt, aber die Verantwortung der Umsetzung liege bei der Schulleitung.

„Im Landkreis sieht es da wohl schlechter aus mit der Infrastruktur“, sagt Lieff. Weniger Bäder und längere Anfahrtszeiten von den Schulen zum Schwimmbad stellten Probleme dar. „Manche Schulen haben den Schwimmunterricht aufgegeben“, sagt Jörg Ullrich vom DLRG Bezirk Göttingen generell über die drei Landkreise Holzminden, Northeim und Göttingen, für welche die Bezirksgruppe zuständig ist. Gründe dafür seien Kosten, fehlende Lehrer und Bäder sowie zu lange Fahrzeiten, aber auch mangelnder Einsatz von Eltern.

Die Gemeinde Adelebsen hat da noch Glück: „Die DLRG Adelebsen-Dransfeld hat sich frühzeitig mit einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des Adelebser Schwimmbades eingesetzt“, sagt Margret Reinecke, Vorsitzende der DLRG Ortsgruppe Adelebsen-Dransfeld. So sei der Schwimmunterricht der Grundschule Adelebsen dort gesichert. Außerdem biete die DLRG wöchentlich 26 Wasserangebote dort an.

Trotzdem geht die Entwicklung der Schwimmfähigkeiten bundesweit zurück. Das gilt nicht nur für Schüler, sondern für alle Altersklassen: 61 Prozent der 14- bis 29-Jährigen bezeichnen sich als sichere Schwimmer, ebenso 52 Prozent der 30- bis 44-Jährigen. In der Altersklasse 45 bis 59 sind es nur noch 47 Prozent, bei den Befragten ab 60 Jahren lediglich 36 Prozent. Dem versuchen die DLRG-Ortsgruppen und andere Vereine unter anderem mit speziellen Kursen auch für Erwachsene entgegenzuwirken.

Schwimmkurse bieten in Göttingen unter anderem DLRG, TWG, Förderverein Freibad Weende und ASC an. „Der DLRG bietet für Anfänger vier Kurse im Jahr auf Seepferdchen-Niveau an“, sagt Michael Lieff von der DLRG-Ortsgruppe Göttingen. Diese könnten von Kindern ab fünf Jahren zwei mal wöchentlich für jeweils ein Vierteljahr besucht werden. 20 Plätze seien pro Kurs angedacht. Die Eiswiese bietet beispielsweise einwöchige Intensivkurse für Anfänger ab sechs Jahren an. Was Erwachsenenschwimmkurse für Erwachsene angeht, hat ebenfalls die DLRG etwas im Angebot: einen Kurs zum Erlangen des „Schwimmzeugnis für Erwachsene“ analog zum Seepferdchen für Kinder. hsc

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