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Wie halten Sie es mt dem Islam, Michael Täuber?

Der 56-jährige Ex-Polizist kandidiert als Landrat für ALFA Wie halten Sie es mt dem Islam, Michael Täuber?

„Gegen Gewalt und Extremismus“ heißt es auf einem Wahlplakat der Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA). Von beidem ist in Tettenborn-Kolonie nichts zu spüren. In einer Sackgasse des abgelegenen Ortsteils von Bad Sachsa, in dem selbst die Plakate seiner Partei unbeschädigt bleiben, wohnt Landratskandidat Michael Täuber.

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Michael Täuber mit seinem Hund.

Bad Sachsa . Der Garten mit Obstbäumen, Sitzecken und Stockrosen hinter dem Doppelhaus aus den 1960er-Jahren im Dreiländereck Niedersachsen/Thüringen/Sachsen-Anhalt liegt fernab vom Schuss. Zivilisationsgeräusche hört man hier nicht. Über dem Gartenhäuschen hängt eine Deutschlandfahne, die Wohnung mit einer in die Jahre gekommenen Landhausküche ist klein und schlicht, im Wohnzimmer stehen Aquarien und eine Hängematte für „Bruce“.

Der gutmütige Labrador („Der freut sich sogar über Einbrecher. Hauptsache, er hat wen zum Spielen“) gehört ebenso zur Familie wie drei Katzen, die sich in der Sonne aalen. Täuber hat auch ein Herz für Kleintiere. In einem geräumigen Gehege tummeln sich 15 Meerschweinchen. Zu Spitzenzeiten waren es 45. Der 56-jährige Ex-Polizist arbeitet mit der Tiernothilfe Bad Lauterberg zusammen, nimmt Meerschweinchen auf, lässt sie auf eigene Kosten kastrieren und bei ihm ihr Gnadenbrot fristen.
Ferienwohnung geschaffen

Im vergangenen Jahr hat Täuber die andere Doppelhaushälfte seines Wohnhauses im nordöstlichen Zipfel des neuen Kreises erworben. Der passionierte Heimwerker hat dort eine „auf Harz getrimmte“ moderne Ferienwohnung mit Möbeln aus gebürstetem Holz und Ofen eingerichtet, vor einer Woche die ersten Gäste aus Berlin empfangen. Im sanften Tourismus für Familien sieht Täuber Potenzial.

Der Trend gehe zum Deutschlandurlaub, der Westharz sei eine Perle und müsse sich noch mehr um den Fremdenverkehr bemühen. Mit seiner Frau hat Täuber im vergangenen Jahr noch Urlaub in Ägypten gemacht, jetzt plant er eine Hausbootfahrt auf der Havel.
Seit sechs Jahren ist der Sohn eines Waldarbeiters in zweiter Ehe verheiratet. Zur Patchworkfamilie gehören vier Kinder im Alter von 21 bis 31 Jahren, die in München, Hamburg und Berlin arbeiten und studieren.

Er selbst kommt nicht viel zum Lesen. Und wenn, dann sind es Naturbücher und Sozialgesetze. Täuber ist vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus dem Polizeidienst ausgeschieden, wollte aber „keine ruhige Kugel schieben“ und arbeitet jetzt als Betreuer für das Herzberger Amtsgericht, kümmert sich um pflegebedürftige Senioren und psychisch labile Menschen. „Polizist war mein Traumberuf, mit zunehmenden Alter aber belastend vor allem für das Privatleben“, sagt er nach 37 Jahren Schichtdienst.

Respektlosigkeit und Gewalt gegenüber der Polizei hätten leider extrem zugenommen, meint Täuber: „Alles wird auf dem Rücken des kleinen Polizisten ausgetragen, der auf der Straße steht“, sagt er und plädiert für eine personelle Aufstockung und den Erhalt auch kleiner Polizeistationen auf dem Land als Ansprechpartner für die Bürger und Sicherheitsfaktor. „Zu wenig bürgernah, zu groß, zu lange Wege“, bemängelt er auch die Kreisfusion, mit der man jetzt aber leben und das Beste daraus machen müsse. Zu befürchten seien eine weitere Zentralisierung und Kostensteigerungen.

Für Bürgermeisteramt  kandidiert

„Politisch interessiert war ich schon immer, hatte aber keine Zeit und keine politische Heimat gefunden“, sagt der gebürtige Osteröder, der sich als liberal-konservativ und ALFA als „durch und durch bürgerliche Partei“ versteht. Als Parteiloser hat er 2013 für das Bürgermeisteramt in Walkenried kandidiert, war dann ein halbes Jahr AfD-Mitglied, wollte „den Rechtsruck aber nicht mitmachen“ und ist am selben Tag wie Bernd Lucke ausgetreten.

„Mit der AfD will ich nichts mehr zu tun haben“, distanziert er sich: „Rechte Brüller sind genauso schlimm wie linke Brüller“. Zugleich bedauert er ein politisches Klima, in dem „man von vornherein ausgeschlossen und in die rechte Ecke gestellt wird“. In Göttingen sei man auf dem linken Auge blind. Die CDU sei ihm zu weit nach links gerückt – „und die CSU gibt es hier nicht.“ Bei der Zuwanderung fordert der ALFA-Kandidat „atmende Obergrenzen, die die Kommunen selbst setzen sollten“. Integration gelinge nur durch Dezentralisierung, sagt er und verweist auf Problemviertel in Großstädten.

Auch Burkini-Badetage lehnt der Harzer ab: „Getrennte Welten und Parallelgesellschaften, Zwangsehen mit Minderjährigen und andere Auswüchse dürfen wir nicht zulassen, müssen unsere freiheitlichen Grundrechte und das Grundgesetz durchsetzen, radikalen Tendenzen im Islam entschieden entgegentreten. Die Frauen haben sich ihre Rechte hier schwer erkämpft.“
Der Berufsbetreuer und Verfahrenspfleger beklagt das Fehlen einer „gesunden Opposition“, vermisst in der Politik „Charakterköpfe wie Helmut Schmidt, Herbert Wehner und Franz-Josef Strauß, die auch mal Tacheles reden“.

Täuber legt Wert darauf, „unverstellt“ aufzutreten, sich nicht vor einer Wahl zu profilieren, bei der der Fokus sehr auf den beiden Spitzenkandidaten liege, die täglich durch den Wahlkreis tourten und um eine positive Außendarstellung bemüht seien: „Das ist nicht mein Ding.“

Dass er als Landratskandidat einer marginalisierten und öffentlich wenig wahrgenommenen Partei keine Chance hat, stört ihn nicht: „Ich will nicht den Kopf in den Sand stecken. Die Kandidatur trägt dazu bei, dass wir bekannter werden.“

Mit Komparsenrollen ist der Tettenborner, der auch Münzen sammelt, vertraut. Im Flur hängt ein großformatiges Foto, das ihn mit Götz George zeigt. In Georges letzten Film „Böse Wetter“, in dem es um den Bergbau im Harz geht, hat Täuber bei Dreharbeiten in St. Andreasberg einen Montagearbeiter im Blaumann gemimt, als Komparse im Harz-Krimi „Harter Brocken“ und in der Serie „Tierärztin Dr. Mertens“, die im Leipziger Zoo spielt, mitgewirkt.

Der 56-Jährige bedauert, dass „im Digitalzeitalter das Zwischenmenschliche auf der Strecke bleibt“ und hat ein Faible für die 1950-er und 60er-Jahre. Heinz Erhard schätzt er ebenso wie James Dean, dessen Konterfei im Gartenschuppen neben nostalgischen Emailleschildernmit Pez- und Maggi-Werbung hängt. James Dean hatte er schon in seinem Kinderzimmer hängen – als Bravo-Starschnitt.

Vita

Michael Täuber ist in Osterode geboren und mit seinem Bruder in Wieda aufgewachsen. Nach dem Besuch der dortigen Grundschule und der Orientierungsstufe in Walkenried hat er in Bad Sachsa seinen Realschulabschluss gemacht und gleich nach der Schule als 17-Jähriger beim Bundesgrenzschutz angefangen, der heutigen Bundespolizei. Von 1977 bis 1983 war er beim Bundesgrenzschutz in Goslar stationiert, wechselte dann zur Landespolizei Nordrhein-Westfalen.

Bis 1991 war er in Bonn eingesetzt, ist dann über Hannover 1998 wieder in seine Harzer Heimat zurückgekehrt und nach einem Aufstiegslehrgang für den gehobenen Dienst in Bad Lauterberg als Polizeikommissar vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus dem Dienst ausgeschieden. Heute arbeitet er als Berufsbetreuer für das Amtsgericht Herzberg. 2013 trat Täuber als parteiloser Kandidat bei der Bürgermeisterwahl in der Samtgemeinde Walkenried an und erzielte 6,5 Prozent der Wählerstimmen.
Im vergangenen Jahr trat er in die AfD ein, verließ die Partei aber nach wenigen Monaten, weil sie ihm zu weit nach rechts gerückt war, und folgte Bernd Lucke zur Allianz für Fortschritt und Aufbruch.

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