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Der Biber ist zurück

Südniedersachsen Der Biber ist zurück

In Westdeutschland galt er als ausgestorben, jetzt erobert er sich auch Südniedersachsen zurück: Im Landkreis Northeim und im Landkreis Osterode ist er bereits angekommen, der Biber. Im Landkreis Göttingen wurde bislang nur ein einziges Exemplar gefunden – im März, tot auf der Straße.

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Der europäische Biber ist das größte Nagetier Europas, er wird bis zu 30 Kilo schwer und  von Kopf bis Schwanz-Ende etwa einen Meter lang.

Quelle: dpa

Northeim/Bad Sachsa. Im Landkreis  Northeim allerdings wurden bereits Tiere und deren Fraßspuren gesichtet. Das bestätigt Claudia Hiller aus dem Büro der Northeimer Landrätin. „Die Frage, ob der Biber  derzeit im Landkreis Northeim vorkommt, kann seitens der Unteren Naturschutzbehörde bejaht werden“, teilt sie auf Tageblatt-Anfrage mit. Und zwar seien Tiere im Bereich der Leine zwischen Salzderhelden und Garlebsen gesichtet worden. Da die Ilme innerhalb dieses Abschnitts in die Leine fließt, sei eine zukünftige Biber-Besiedlung des FFH-Gebiets „Ilme“ nicht auszuschließen.
Zudem, so Hiller weiter,  wurden der Naturschutzbehörde im April neue Nagespuren bei Nörten-Hardenberg gemeldet, die dort auf eine „zumindest zeitweise Anwesenheit des Bibers“ in der Leine schließen lassen. Die Fraßspuren wurden an der  Leineaue nahe der Auffahrt auf die Bundesstraße 3 gemeldet.
Fraßspuren zeugten auch im Landkreis Göttingen schon einmal von der Anwesenheit eines Bibers, 2014 wurden sie an der Werra bei Oberode gefunden. Zwei Jahre später lag ein überfahrener Biber auf der B 80 in Höhe „Letzter Heller“. Aktuell, so Landkreissprecher Ulrich Lottmann, lägen aber keine aktuellen Ergebnisse vor.
Anders im Landkreis Osterode: Auch dort ist der Biber bereits zurück. Im Südharz fühlen sie sich offenbar so wohl, dass die Tiere eine Biberburg errichtet haben. „Dicke Weiden, düünne Weiden, sie haben hier schon kräftig Bäume gefällt“, erzählt ein Anwohner. Um den Biber dort zu schützen, wollen die Verantwortlichen den genauen Ort nicht nennen. Für den Biber typische Spuren, die dort ebenfalls gefunden wurden, sind beispielsweise  Biber-Rutschen.
Eine stabile Biberpopulation gibt es beispielsweise im Thüringischen Kelbra. Denkbar sei, dass die südniedersächsischen Exemplare von dort aus eingewandert sind. „Biber wandern in einer Nacht bis zu 20 Kilometer“, erklärt Sebastian Barthold von der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Northeim. Sie seien auch auf dem Land „schneller als man denkt“. Barthold bezeichnet die Leinepolder bei Salzderhelden als „ideales Biber-Habitat“.

650 Biber landesweit

Drei Schwerpunkträume hat der Biber in Niedersachsen besiedelt: Das teilt Achim Stolz, Pressesprecher niedersächsischen Landesbetriebs für für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit. „Rund  70 Reviere befinden sich an der Elbe, etwa 50 Reviere entfallen auf das Emsland, weitere etwa 25 Reviere wurden im Gebiet der Aller festgestellt. Einzelindividuen oder kleine Ansiedlungen befinden sich im Drömling sowie an der Leine“, sagt der Fachmann.
Das Vorkommen in der Elbtalaue, überwiegend im Bereich des Biosphärenreservats, beruhe auf natürlicher Zuwanderung der Tiere aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Der Biberbestand im Emsland lasse sich hingegen auf eine Ansiedlung an der Hase im Jahr 1990 zurückführen.
Laut Stolz können Biber sehr lange Strecken zurücklegen, wenn sie keine optimalen Lebensräume  wie Gewässerabschnitte vorfinden. Nur wenn sie günstigen Habitatvoraussetzungen finden, siedeln sie sich an. Günstig seien beispielsweise. strukturreiche Uferbereiche mit einem ausreichendem  Nahrungsangebot.  Auch das Erreichen der Kapazitätsgrenze eines Populationsbestands könne aber  zu einer Abwanderung führen.
Stolz weiter: „Insgesamt kann derzeit von etwa 150 Biber-Revieren landesweit ausgegangen werden“.  Geht man von zwei erwachsenen Individuen sowie zwei bis drei Jungtieren je Revier aus, ergibt sich eine ungefähre Bestandsgröße von etwa 680 Bibern im Land Niedersachsen. Offenbar fühlen sie sich dort wohl. Denn: „Die Zukunftsaussichten des Bibers bei uns sind als günstig zu bezeichnen“, sagt Storz.

Größter Nager Europas

Biber sind in einigen Teilen Deutschlands, wie hier im Märkisch-Oderland, wieder zu Hause.

Biber sind in einigen Teilen Deutschlands, wie hier im Märkisch-Oderland, wieder zu Hause.

Quelle: dpa

Biber (Castoridae) sind Nagetiere (Rodentia). Sie sind die größten Nagetiere Europas, weltweit ist nur das Wasserschwein ein größeres Nagetier. Der Europäische  Biber (Castor fiber) ist in Deutschland einheimisch, er steht unter Schutz. Der Europäische Biber war in weiten Teilen Europas ausgerottet. Im 20. Jahrhundert haben sich die Bestände durch Schutz und Auswilderung wieder erholt. Der Europäische Biber  ist rund 18 Kilo schwer, das größte gemessene Exemplar wog 31,7 Kilo.

Biber an Leine und Innerste

In Südniedersachsen sind es bislang nur einzelne Sichtungen, in der Landeshauptstadt fühlen sich die Biber bereits ziemlich wohl. Denn dort ist die Zahl der Biber-Reviere an der Leine laut Zahlen des Naturschutzbundes (Nabu) in Laatzen weiter angesteigen. Nach Angaben von Tonja Mannstedt, Expertin beim Nabu für die streng geschützten Nagetiere, befinden sich im Stadtgebiet acht Reviere mit rund zwei Dutzend Tieren.
In den ersten beiden Monaten des Jahres haben Ehrenamtliche des Nabu die Ufer der Leine untersucht. Im Gesamtlauf der Leine zwischen Schwarmstedt im Heidekreis und Gronau im Kreis Hildesheim gibt es demnach 34 Reviere. Den Bestand an der Innerste zwischen Ruthe und Hildesheim schätzt Mannstedt auf bis zu 150 Tiere. Erst vor gut zehn Jahren war nach 200-jähriger Abwesenheit überhaupt wieder ein Biber in der Region gesichtet worden. bib/bh

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